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Lebenslauf: Wolfgang Fries, Leiter Recruiting und HR Business Partner bei der EDAG


Lebenslauf Wolfgang Fries.

Personalwirtschaft: Herr Fries, EDAG gilt als einer der weltweit größten unabhängigen Entwicklungspartner der Automobil- und Luftfahrtindustrie. Beide Branchen befinden sich in einem tiefgreifenden Wandel. Wie wirkt sich das auf Ihre HR-Arbeit aus?
Wolfgang Fries: Als Leiter Recruiting und Leiter HR Business Partner sehe ich diese Herausforderungen aus zwei verschiedenen Blickwinkeln. Um Kandidaten für uns zu gewinnen und auf einen Wechsel in der aktuellen Situation vorzubereiten, ist es im Recruiting besonders wichtig, auf ein attraktives Employer Brandig zu setzen. Dabei gilt es, antizyklisch zu agieren und die Budgets gezielt einzusetzen. Als HR Business Partner sind wir aktuell vermehrt gefordert, Organisationsanpassungen zu begleiten und mit dem Betriebsrat abzustimmen. Hier nehmen wir eine Moderatorenfunktion zwischen Mitarbeitenden, dem innerbetrieblichen Weiterbildungs- und Schulungsteam und den Mitbestimmungsgremien ein.

Auf der EDAG-Website werden viele Mitarbeitende als Testimonials mit Headlines wie “Punkerin im Blaumann” oder “Raumfahrer auf Abwegen” dargestellt. Wie würde Ihre lauten?
“Eishockeyspieler mit offenem Visier”. Als aktiver Spieler in diesem Sport schätze ich es, offen, aktiv, sportlich und fair Herausforderungen anzunehmen. Dabei steht wie beim Eishockey Teamarbeit an erster
Stelle, und zwar unabhängig von der Teamhierarchie. Daher habe ich persönlich mit einer offenen und ehrlichen Kommunikation – egal ob mit dem Management, Kollegen oder Betriebsräten – gute Erfahrungen gemacht. Ganz nach dem Motto: “Team work makes the dream work”.

Apropos Eishockey: Bodychecks, Zeitstrafen und Legenden wie Erich Kühnhackl – ist das Leben als Profi tatsächlich so aufregend, wie es sich ein Laie vorstellt?
Definitiv. Zum einen konnte ich durch die Spiele, die ja immer am Wochenende stattfanden, mein Studium parallel betreiben. Dazu war es faszinierend, vor mehreren Tausend Zuschauern, die frenetisch ihre Mannschaft zu Höchstleistungen antreiben, zu spielen. Wenn ich an die Anspannung denke, bei abgedunkelter Halle und lauter Musik das Eis zu betreten, bekomme ich noch heute Gänsehaut.

Was war Ihre prägendste Station und warum?
Ganz klar meine Tätigkeit bei BFFT, einem Entwicklungsdienstleister für Fahrzeugtechnik. Aus HR-Sicht konnten wir hier viele Themen professionalisieren und Prozesse digitalisieren. Das war faszinierend und ließ sich auch im Ergebnis ablesen. Mein Start dort war nicht im Personalbereich. Zu Beginn betreute ich zahlreiche Sonderthemen wie den erfolgreichen und nachhaltigen Standortaufbau im Silicon Valley, in Ungarn oder die Reorganisation der IT-Abteilung. Darüber hinaus war ich als Teilprojektleiter im Bereich der Vorentwicklung eines “digitalen Spiegels” tätig. Dies ermöglichte mir, die Arbeitsweise der Ingenieure – meiner späteren Kunden im HR-Bereich –, aus erster Hand kennenzulernen.

Der Berufseinstieg im Mittelstand bedeutete für mich von Beginn an viel Verantwortung und bot extreme Vielseitigkeit.

Ihr Berufseinstieg nach dem Sport erfolgte in einer Gebäudetechnik-Firma – etwas überraschend, wenn man Ihren sonstigen Lebenslauf anschaut.
Der Berufseinstieg im Mittelstand bedeutete für mich von Beginn an viel Verantwortung und bot extreme Vielseitigkeit. Daher war die Lernkurve für mich außerordentlich hoch. Dazu habe ich die Arbeit in einem familiengeführten Unternehmen mit den Chefs als Mentoren sehr zu schätzen gelernt. Besser kann man nicht starten – indem man die Möglichkeit hat, sich etwas von erfahrenen Unternehmern abzuschauen.

Wo liegen Ihre Talente?
Von Kollegen und Vorgesetzten wird oft meine Fähigkeit genannt, mich sehr schnell in neue Themen und Aufgabenfelder einzuarbeiten und dann die gesteckten Ziele hartnäckig zu verfolgen. Ich sehe meine Stärken zudem im Zuhören und Vermitteln zwischen verschiedenen Interessensgruppen sowie in der Durchsetzungsfähigkeit auch bei schwierigen Sachverhalten.

Gibt es auf Ihrem beruflichen Weg einen Mentor oder eine Mentorin?
Da sind mehrere zu nennen. Aber wenn es um wichtige Entscheidungen zu meinem beruflichen Weg geht, ist mein Vater der Mentor meiner Wahl. Durch seine Erfahrungen als Personalleiter in verschiedenen Konzernen konnte ich seine Ratschläge immer gut nutzen, um meine Gedanken zu reflektieren und gute Entscheidungen zu treffen.

Sie haben sich 2003 selbstständig gemacht und unter anderem Fußballturniere veranstaltet, Ihr Unternehmen aber 2008 wieder aufgegeben. Würden Sie anderen empfehlen, diese Erfahrung einmal gemacht zu haben?
Meine Tätigkeit bei FKM habe ich als “Nebenjob” zu meinem eigentlichen Angestelltenverhältnis bei der Firma Gebrüder Peters gemeinsam mit zwei Freunden ausgeübt. Hier konnte ich viele Erfahrungen sammeln, auf die ich auch in meinem späteren Arbeitsleben zurückgreifen konnte. Die Anforderungen an die Organisation und Ausrichtung der Turniere sind jährlich gestiegen. Das von uns zuletzt organisierte Fußball-Hallenturnier, das im DSF live übertragen wurde und an dem auch Bundesligavereine teilgenommen hatten, verlangte uns ein Top-Niveau ab. Die Erfahrung, für alles verantwortlich zu sein und alleinig Entscheidungen treffen zu müssen, möchte ich nicht missen.

Sie sind Ingolstadt all die Jahre treu geblieben und gelten auch als Anhänger der Kicker vom FC 04, der es bis in die Bundesliga schaffte. Für Nicht-Ingolstädter: Was ist an dem Ort so faszinierend?
Neben meiner Zeit in Ingolstadt habe ich auch in Regensburg, Erding und Weißwasser gelebt. Im Vergleich schätze ich an Ingolstadt, dass es zwar eine Großstadt mit entsprechend vielen kulturellen und sportlichen Angeboten ist, sich jedoch sein familiäres Flair bewahrt hat.

Die BFFT ist 2019 in der EDAG Group aufgegangen. Betriebsübergänge sind oft mit vielen Unsicherheiten verbunden. Warum sind Sie geblieben?
Zum einen lagen mir meine 800 Kolleginnen und Kollegen sehr am Herzen. Ich habe mich hier stets wohlgefühlt und wollte auch den neuen Schritt mit ihnen gehen. Das international aufgestellte Unternehmen EDAG war für unsere weitere Marktentwicklung immens wichtig.. Und ganz nebenbei für mich eine neue Herausforderung und ein spannendes Projekt, den Prozess der Integration BFFT in die EDAG Group zu begleiten.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Mai-Ausgabe erschienen.

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David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.