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Mit viel Einsatz und Gottvertrauen

Tabellarischer Lebenslauf von Alexander Mueller-Benz.

Personalwirtschaft: Die Bayerische hat in den letzten beiden Jahren mehrere Auszeichnungen erhalten, darunter als Leading Employer 2020 und als einer von Münchens besten Arbeitgebern. Was machen Sie anders als andere?
Alexander Müller-Benz: Kern unserer Personalpolitik war immer schon, die Mitarbeitenden in den Mittelpunkt zu stellen. Wir haben eine familiäre Unternehmenskultur, in der man als neuer Mitarbeitender schnell integriert wird. Neben guten Gehältern haben wir eine große Anzahl an Benefits vom Dienstrad über den Reinigungsservice für Textilien bis zu Zuschüssen zum öffentlichen Nahverkehr. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat bei uns einen zentralen Wert, wir unterstützen Mitarbeitende auch in schwierigen Lebenslagen und haben schon früh auf Vertrauensarbeitszeit für alle gesetzt.

Wie groß ist Ihr Anteil daran?
Eigenlob stinkt ja bekanntlich und ohne ein super Team kann man selbst nur wenig bewegen. Ich wäre aber schon so selbstbewusst, zu behaupten, dass meine Vision von Personalarbeit und meine Ideen, die ich vor knapp neun Jahren bei der Bayerischen begonnen habe umzusetzen, reiche Früchte getragen haben.

Unterscheidet sich die Personalarbeit in einem Wohlfahrtsverband von der in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen?
Ich denke schon. Generell ist alles etwas langsamer als in der Privatwirtschaft. Der Abstimmungsbedarf
ist wesentlich höher und leistungsschwächere Mitarbeitende werden länger toleriert.

Sie haben Theologie studiert. Welche Motivation hatten Sie dafür?
Ich wollte katholischer Priester werden und habe auch zwei Jahre im Priesterseminar in Trier gelebt.

Der anschließende Übergang ins Personalfach war fließend. Wie kam es dazu?
Durch meine heutige Frau hatte sich der Wunsch, Priester zu werden, erledigt. Ich musste mich neu orientieren und hatte während der letzten Phase des Studiums bereits Praktika im Bereich Personal absolviert. Nach dem Studium hat mich Unilever zum Assessment-Center eingeladen.

Wo liegen Ihre Talente?
Ich kann Menschen begeistern und für mich gewinnen, und ich habe einen Optimismus, der andere mitreißen kann. Wo andere Probleme sehen, sehe ich eher die Chancen. Außerdem habe ich eine ganz gute Antenne für Menschen und ihre Bedürfnisse. Mein Vertrauen muss man sich nicht erarbeiten, man bekommt es erst einmal geschenkt.

Was war Ihre prägendste Station?
Meine erste Station bei Unilever im Langnese-Eiscremewerk in Heppenheim. Wir hatten dort ein tolles
Managementteam und einen tollen Werksleiter, der mich mit seiner Art zu führen sehr geprägt hat. Wir haben dort unglaublich viel bewegt. Als junger Personaler konnte ich gerade durch die Mischung von Produktion und Verwaltung enorm viel lernen.

Angenommen, wir könnten die Zeit zurückdrehen: Wo wären Sie gern länger geblieben?
Tatsächlich hatte ich im Auslandsstudium in Dublin überlegt, dort zu Ende zu studieren. Ich habe irische Vorfahren und das Land ist mir emotional nahe. Daher würde es mich sehr interessieren, wie mein Lebensweg verlaufen wäre, wenn ich mich entschieden hätte, zu bleiben.

Welche zentralen Lehren aus Ausbildung und Studium haben Ihnen im Berufsleben wirklich weitergeholfen?
Als Theologe natürlich das Urvertrauen, dass alles gut wird. Ich gebe niemals auf und lasse mich nicht so schnell entmutigen, weil ich von der absoluten Überzeugung getragen bin, dass alles möglich ist und es immer weitergeht – auch, wenn ich es selbst vielleicht gar nicht beeinflussen kann.

Welche Lücke hat Ihr Lebenslauf?
Personalleiter des FC Bayern München

Schauen wir in die Zukunft: Welche Stationen sollen in fünf oder zehn Jahren hinzugekommen sein?
Ich fühle mich aktuell bei der Bayerischen so sauwohl, ich habe ein unfassbar tolles Team und wir haben noch so viel vor, dass ich mir momentan nicht vorstellen kann, die Bayerische zu verlassen.

Bei der Novartis-Tochter Alcon blieben Sie nicht lange. Woran lag das?
Alcon war eine super Zeit, auch wenn sie kurz war. Ich habe dort sehr viel für meine spätere Entwicklung mitgenommen. Als aber die Chance kam, zur Caritas zu gehen, wollte ich diese nicht verstreichen lassen.

Sie scheinen viel Wert auf Weiterbildung zu legen. In welchem Kurs haben Sie am meisten gelernt?
Eine spezielle Weiterbildung herauszugreifen, fällt schwer. Ich habe aus allen Kursen etwas für mich mitgenommen.

Welcher berufliche Wechsel war am bedeutsamsten für Ihre Karriere?
Der Wechsel zur Bayerischen, weil ich hier den größten Freiraum und das größte Vertrauen bekommen habe, meine Ideen von Personalarbeit umzusetzen.

Gibt es auf Ihrem beruflichen Weg einen Mentor?
Den einen Mentor gibt es nicht. Es gab natürlich Menschen, die mich inspiriert haben und von denen ich gelernt habe. Auf eine Person könnte ich es aber nicht herunterbrechen.

Welche Chance hat sich in Ihrer Karriere nie ergeben?
Im Ausland zu arbeiten.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in der Juni-Ausgabe der Personalwirtschaft erschienen.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.