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Managerin der Vielfalt

Juristin, Personalvorständin, Ehrenamtlerin – der Kalender von Julia
Bangerth ist in der Regel voll. Als Teamspielerin ist Diversität für
sie der Schlüssel zum Erfolg.

Lebenslauf von Julia Bangerth

Personalwirtschaft: Welche Aufgaben umfasst Ihr aktueller Job?
Julia Bangerth:
Die Digitalisierung, Automatisierung und die Vernetzung von Daten verändern Märkte und Arbeitsformen. Das hat Auswirkungen auf die verschiedensten Bereiche im Unternehmen: Strategie, Organisationsentwicklung, Zusammenarbeit und Kultur. Deshalb ist es wichtig, diese Veränderungen ganzheitlich zu betrachten und anzugehen. Es geht darum, neue Formen von Zusammenarbeit und Lernen zu ermöglichen, ein neues Verständnis von Führung zu fördern, soziale Kompetenzen wie Reflexionsfähigkeit, Empathie und Feedback-Kompetenz zu stärken sowie im Unternehmen gezielt und bewusst Experimentierräume zu schaffen. Wir haben dafür ein Change-Framework entwickelt, das einen kontinuierlichen Prozess aus Intervention, Reflexion, Beobachtung und Weiterentwicklung beschreibt.

In welcher Rolle sehen Sie sich dabei?
Ich sehe meine Rolle in der Arbeit am System – ich setze einerseits Impulse und ermögliche andererseits Räume zum Experimentieren und Reflektieren, um die Erkenntnisse dann wiederum in das Gesamtbild einzufügen.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, Ihre Kanzlei aufzugeben und in ein Unternehmen zu wechseln?
Ich hatte im Studium und auch mit den Aufgaben in der Kanzlei viel Spaß, das war immer mein Traumberuf. Allerdings gefällt mir die Zusammenarbeit in größeren Teams und das gemeinsame Entwickeln von Ideen sehr, was in der Kanzleitätigkeit etwas zu kurz kam. Ich hatte parallel schon als Dozentin gearbeitet und auch Kontakte zu Unternehmen und in den Live-Entertainment-Bereich geknüpft. Da war es dann ein relativ kleiner Schritt für mich, in ein Unternehmen zu wechseln.

Welche Inhalte haben Sie als freiberufliche Dozentin gelehrt? Haben Sie dabei auch etwas gelernt?
Bei meinen Lehrfächern Arbeitsrecht, Werbe- und Wettbewerbsrecht und Rechtsgrundlagen des Eventmanagements gab es deutliche Überschneidungen zu den nachfolgenden Stationen in der Live-Entertainment-Branche und im HR-Umfeld. Im Nachhinein betrachtet war die Lehrtätigkeit der Ausgangspunkt meines nachfolgenden Berufslebens. Ich habe nicht nur inhaltlich einiges aus der Zeit mitgenommen – auch menschlich und didaktisch habe ich sehr profitiert. Die Rechtsthemen gehören nicht unbedingt zu den beliebtesten Fächern bei Betriebswirten und Eventmanagern. Für mich war wichtig, dass die Inhalte den Studenten insbesondere in der Praxis weiterhelfen. Insgesamt eine sehr wertvolle Erfahrung!

Welche zentralen Lehren aus Ausbildung und Studium haben Ihnen im Berufsleben wirklich weitergeholfen?
Im Jurastudium habe ich gelernt, Themen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, mich bei jedem Fall neu auf die jeweilige Situation und den jeweiligen Standpunkt einzulassen und mich damit auseinandersetzen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Übernahme der Verantwortung für den eigenen Lernprozess, also eigenmotiviert und kontinuierlich selbstverantwortlich zu lernen. Diese Kompetenzen waren für meinen weiteren beruflichen Werdegang wichtig, da sie es mir erleichtert haben, mich in verschiedenste Themen einzuarbeiten und Meinungsvielfalt als echte Bereicherung zu sehen.

Angenommen, wir könnten die Zeit zurückdrehen: Wo wären Sie gern länger geblieben?
Jede Entscheidung war zu ihrem Zeitpunkt die richtige.

Ich bin ein Mensch, der eher nach vorne schaut und Chancen sieht, als über die Vergangenheit zu grübeln.

Vielleicht sehe ich heute das ein oder andere aus einem etwas anderen Blickwinkel, aber ich stehe voll und ganz hinter den getroffenen Entscheidungen.

Sie waren und sind oft international im Einsatz. Welche Vorteile hat das aus Ihrer Sicht?
Meine Arbeit hat es mir ermöglicht, viele verschiedene Länder, Kulturen und Arbeitsweisen kennenzulernen. Gerade diese Mischung war und ist eine absolute Bereicherung. Offenheit für Neues, Veränderungsbereitschaft und lebenslanges Lernen sind für mich wichtige Kompetenzen, die gerade durch die Zusammenarbeit mit Menschen in unterschiedlichen Ländern gefördert werden.

Warum liegt Ihnen die Unterstützung von Menschen mit Behinderung besonders am Herzen?
Diversity und das Wertschätzen von Vielfalt sind für mich wirklich bedeutende Themen. Leider ist für Menschen mit Behinderung die Teilhabe an der Gesellschaft immer noch nicht gleichermaßen gewährleistet. Dabei können wir alle als Menschen, als Unternehmen und als Gesellschaft von Diversität nur profitieren. Ich halte es für eine entscheidende Kompetenz, mit Vielfalt umgehen zu können. Es geht mir dabei insbesondere um die Grundhaltung: um die Wertschätzung von Andersartigkeit und darum, ein vorurteilsfreies Miteinander zu schaffen.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.