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„Mitarbeitermotivation ist die Herausforderung der Zukunft“

Portrait Mike Ettling
Mike Ettling gilt international als Experte für die Themen Cloud-basierte HR und Enterprise-Resource-Planning (ERP). Seit dem Frühjahr ist der ehemalige Präsident von SAP Successfactors CEO des Softwareherstellers Unit4. Foto © Unit4

Personalwirtschaft: Bei der Unleash Conference haben Sie auf der Influencer Stage eine HR-Roadmap für die nächsten fünf Jahre vorgestellt. Wohin geht die Reise im Personalmanagement, was sind die Topthemen?
Mike Ettling: Mitarbeiter zu motivieren und für eine Sache zu begeistern, ist die größte Herausforderung, aktuell und in der Zukunft. Talentvielfalt, Teams mit unterschiedlichen Generationen, Arbeiten von zu Hause: All diese Stichworte hängen damit zusammen. Führungskräfte und Personalverantwortliche sind gefragt, einen neuen strategischen Ansatz zu wählen. Das Problem dabei ist, dass viele Unternehmen nicht die Systeme haben, um Strategien zur Mitarbeiterförderung umzusetzen. Konkret fehlen die vernetzten Arbeitsumgebungen, in denen sich Menschen regelmäßig austauschen und gegenseitig coachen können.

Gibt der Markt solche Systeme nicht zuhauf her?
Die von vielen Unternehmen eingesetzten Instrumente sind noch nicht intuitiv und einfach genug, um Mitarbeiter auf ihrem Entwicklungsweg zu unterstützen. Zwar wurden in der Vergangenheit viele Tools angeschafft, die vor allem Abläufe für Mitarbeiter optimieren und ihre Motivation erhöhen sollten; hinzu kamen im letzten Jahrzehnt Lösungen für das Talent Management und in letzter Zeit auch für das Mitarbeiterengagement. Allerdings: in der Praxis blieben diese Werkzeuge deutlich hinter den Erwartungen zurück. Es gelingt damit nicht, die User Experience, die Erfahrungen der Anwender, grundlegend zu verändern. Mit den richtigen Innovationen, die heute zunehmend aus der Cloud kommen, ändert sich das aber.

Lösungen aus der Cloud, das ist Ihr Thema. Welche zentrale Botschaft haben Sie den Teilnehmern in Paris diesbezüglich mitgegeben?
Die Employee-Experience-Plattformen der Zukunft werden als Basis rund um Enterprise Resource Planning (ERP, d. Red.) aufgebaut sein. Für viele Mitarbeiter spielen ERP-Systeme im Arbeitsalltag eine maßgebliche Rolle. Zum Beispiel bei der Verwaltung von Projekten, Ressourcen oder im Controlling. Demzufolge lässt sich mit einem ERP-zentrierten Ansatz eine sehr hohe Anzahl an Kontaktpunkten zwischen Mitarbeitern und Unternehmen digitalisieren und optimieren.

Was genau wird dadurch besser?
Kontinuierliches Feedback kann unter anderem dabei unterstützen, bessere Teams zusammenzustellen und individuelle Talente zu fördern. Mitarbeiter können ihre Fertigkeiten stetig steigern und dabei ihre Erfahrung ausbauen. Das alles wirkt sich positiv sowohl auf die Personalentwicklung als auch auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter aus.

Wieviel Technologie ist Ihrer Ansicht nach erforderlich, damit Mitarbeiter glücklicher werden? Und inwiefern kann Technik die Absicht einer verbesserten Employee Experience vielleicht auch konterkarieren?
Es geht dabei weniger um Quantität. Zuerst einmal sollte Klarheit über die Unternehmenskultur und die Ziele herrschen. Danach natürlich auch über den Einsatz der Technologie. Diese sollte Arbeitsumgebungen schaffen, in der sich Menschen einfach und effektiv austauschen können. Bisher wurde ja vieles unter der Linse der Optimierung betrachtet und umgesetzt. Das ist auch nötig und gut – aber deswegen sollte die Wertschätzung für die Mitarbeiter nicht abnehmen.

Wir befinden uns in einer Entwicklungsphase von Künstlicher Intelligenz. Werfen wir einen Blick in die Glaskugel: Werden Menschen eines Tages überhaupt noch ins Büro gehen müssen?
Keine Bange, die Arbeit wird uns nicht ausgehen. Dafür wird sie spannender sein als bisher. Wir werden sich wiederholende Arbeitsabläufe viel öfter an KI-Technologie delegieren können. Künstliche Intelligenz, Bots und automatisierte Workflows werden uns noch stärker bestimmte Aufgaben abnehmen, sodass wir uns mehr auf die produktive und kreative Arbeit in der Wertschöpfungskette konzentrieren können.

›› Eine längere Fassung des Interviews erscheint in der Dezember-Ausgabe der Personalwirtschaft.

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Ulli Pesch ist freier Journalist und schreibt regelmäßig über das Thema HR-Software in der Personalwirtschaft.