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Mitarbeiterschutz an erster Stelle

Gerade in Krisenzeiten müssen Unternehmen flexibel sein. Wir haben bei Henkel, Dekra und Süwag Energie nachgefragt, wie die Unternehmen ihre Mitarbeiter schützen.

“Alle Beschäftigten sind hochgradig sensibilisiert”

Herr Roeser.
Oliver Röser, Leiter Personal & Organisation und Leiter des Pandemieteams, Süwag Energie AG. Foto: Süwag Energie AG

Personalwirtschaft: Süwag Energie zählt als regionales Energieversorgungsunternehmen zu den systemrelevanten Einrichtungen. Wie schützt das Unternehmen seine Mitarbeiter?
Oliver Röser: Wir haben eine zentrale Krisenstelle eingerichtet, die sich ausschließlich um die Koordination aller mit der Pandemie in Zusammenhang stehenden Themen kümmert. Unsere wichtigsten Ziele sind der sichere Betrieb unserer Infrastruktur und das Aufrechterhalten der Service-Prozesse bei gleichzeitiger Minimierung aller Infektionsrisiken für unsere Mitarbeiter und Kunden. Vor diesem Hintergrund haben wir unterschiedlicher Maßnahmen ergriffen, um soziale Kontakte zu verringern. Dazu zählen beispielsweise Homeoffice-Regelungen, die Schließung unserer Süwag Service Center, die Absage von Veranstaltungen und der besondere Schutz von kritischem Personal, das für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit unerlässlich ist. Dabei orientieren wir uns eng an den vom Robert-Koch-Institut vorgeschlagenen Empfehlungen.

Und was ist, wenn kritisches Personal krankheitsbedingt ausfällt?
Wir haben für geschäftskritische Bereiche – und damit auch für den Netzbetrieb – Notfallpläne erarbeitet, die eine Aufrechterhaltung des Betriebs sicherstellen. Diese enthalten verschiedene Szenarien für unterschiedliche Eskalationsstufen. Für jedes Szenario haben wir konkrete Maßnahmen definiert, um gewappnet zu sein und die Arbeit sicherstellen zu können. Alle Beschäftigten sind hochgradig sensibilisiert und gehen verantwortungsvoll mit der aktuellen Situation um – übrigens auch in ihrer Freizeit. Dazu gehört auch eine konsequente Umsetzung der Hygieneregeln und Abstandsgebote. Eine Überprüfung insbesondere für das kritische Betriebspersonal findet regelmäßig und situationsbedingt statt.

“Wöchentlich berät ein Expertenteam die Lage”

Herr Yilmaz.
Fatih Yilmaz, Konzernbeauftragter & Leiter Umwelt-, Arbeits- und Gesundheitsschutz, Dekra. Foto:DEKRA

Personalwirtschaft: Dekra ist als Prüfgesellschaft nicht nur für Kraftfahrzeuge und technischen Anlagen zuständig. Aktuell unterstützt sie auch die Prüfung von Corona-Schutzmasken. Wie schützen Sie ihre Mitarbeiter im Außendienst und die Kunden vor Ansteckung?
Fatih Yilmaz:
Dekra hat mit dem Start der Epidemie eine Task Force gegründet. Wöchentlich berät ein Expertenteam, bestehend aus Vorstand, Betriebsrat, Personal, IT, Unternehmenskommunikation und Gesundheitsschutz, die Lage. Mit Gründung der Task Force wurde für die Belegschaft eine Hotline eingerichtet. Zwei Ärzte und fünf unterstützenden Kollegen informieren Kunden und Angestellte über Verhaltensregeln und unterstützen beratend.  Außerdem wurden Aufsteller an den Niederlassungen in Deutschland verteilt, um Kunden über die notwendigen Verhaltensregeln zu informieren. Zum Schutz unserer Sachverständigen in Deutschland haben wir an alle Mitarbeiter Handlungsanweisungen versendet. Sachverständige, die viel im Außendienst sind, haben Desinfektionsmittel und Einweghandschuhe erhalten.

Welche Maßnahmen gelten für Mitarbeitende in der Verwaltung? Für wen besteht Präsenzpflicht?
Mobiles Arbeiten war bei Dekra auch vor Corona möglich. Jetzt aber nimmt die Nutzung exponentiell zu. Die IT hat im Eiltempo im Dreischichtbetrieb 24 Stunden gearbeitet, um die erforderlichen Netzwerkkapazitäten zu schaffen. Durch die plötzlichen Schulschließungen haben wir uns mit der Arbeitnehmervertretung darauf geeinigt, Eltern in dieser Zeit entgegenzukommen, indem flexiblere Arbeitszeitmodelle eingesetzt werden. Systemrelevante Bereiche verfügen über Notfallpläne. Alle gesundheitsrelevanten Themen werden vom Leiter Gesundheitsschutz aus Stuttgart koordiniert.

“Mehrere tausende Kollegen arbeiten im Homeoffice”

Herr Wilhelms.
Oliver Wilhelms, Head of HR Germany, Henkel. Foto: Henkel

Personalwirtschaft: Henkel stellt unter anderem Wasch- und Reinigungsmittel her, also systemrelevante Güter. Wie schützt das Unternehmen die Beschäftigten in der Produktion vor Ansteckung?
Oliver Wilhelms: Die aktuellen Entwicklungen rund um das Thema Corona wirken sich natürlich auch auf die Arbeitsabläufe bei Henkel aus – sowohl in der Verwaltung als auch in der Produktion. Die Sicherheit und Gesundheit unserer Belegschaft haben für uns höchste Priorität. Daher haben wir beschlossen, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Aufgaben dies zulassen, von zu Hause arbeiten. Allein in Deutschland arbeiten bereits mehrere tausend Kollegen im Homeoffice. Das ist möglich, weil Henkel über eine sehr gute IT-Infrastruktur verfügt und “Remote Work” seit Langem Alltag ist. Die aktuelle Situation erfordert Umdenken, Flexibilität und Kreativität. Meetings finden zum Beispiel als Skype-Sitzungen oder Telefonkonferenzen statt.  Tägliche virtuelle Check-ins haben sich bei vielen Kollegen als sinnvolle Alternative bewährt, um im persönlichen Austausch zu bleiben. Auch die Nutzung flexibler Arbeitszeiten sowie die Nutzung von Arbeitszeitkonten spielt nun eine größere Rolle.

Und die Kollegen in der Produktion?
Nicht alle Kollegen können von zu Hause aus arbeiten. Es gibt Bereiche in den Werken, die eine persönliche Anwesenheit notwendig machen. Dafür werden kleine Teams gebildet, die sich die Tätigkeiten, die eine Präsenz erfordern, aufteilen und zwischen Homeoffice und Büro im Unternehmen wechseln. Mit diesen Maßnahmen wollen wir sicherstellen, dass wir die Risiken einer Infektion für unsere Kolleginnen und Kollegen soweit möglich reduzieren und unseren Beitrag leisten, die weitere Verbreitung einzudämmen. Auch in der Produktion haben wir verschärfte Sicherheits- und Hygienemaßnahmen umgesetzt. So achten wir zum Beispiel konsequent darauf, dass Mitarbeiter den nötigen Abstand zueinander halten, insbesondere bei den Schichtübergaben. Mitarbeiter einer Schicht begegnen der nächsten Schicht nicht physisch, wie sonst üblich. Wir sind dankbarfür das Engagement aller “Henkelaner”, die trotz der schwierigen Umstände weiterhin zusammenhalten und unsere Geschäfte fortführen.

Christiane Siemann ist freie Journalistin und Moderatorin aus Bad Tölz, spezialisiert auf die HR- und Arbeitsmarkt-Themen, die einige Round Table-Gespräche der Personalwirtschaft begleitet.