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Abgehoben zum Mars

Ariane Sommer auf der Bühne des DGFP-Kongress
Die DGFP-Vorsitzende Dr. Ariane Reinhart bei der Eröffnung des DGFP-Kongress. Foto: DGFP/Améelie Losier 2018

Auf dem diesjährigen DGFP-Kongress Anfang Mai ging es um nichts Geringeres als um die Reise zum Mars. Diese ambitionierte Metapher, der Aufbruch zu einer ungewissen HR-Reise in die digitale Zukunft, wurde gekonnt inszeniert. Die richtige Navigation konnte und sollte allerdings noch nicht gefunden werden.

+++Einige Impressionen vom DGFP-Kongress finden Sie in der › Bilderstrecke+++

Bass-Beats hämmern durch das Planetarium, die Himmelskörper tanzen an der Kuppel. Finaler Abschiedsgruß von Tim Florian Horn, Direktor der Berliner Zeiss-Planetariums, an die Besucher des diesjährigen DGFP-Kongresses. In diesem beeindruckenden Gebäude wird seit der Sanierung modernes Wissenschaftstheater inszeniert. Und in diesem Raum konnte sich am zweiten Kongresstag auch der DGFP mit seinen Themen gekonnt in Szene setzen.

Mars macht mobil

Das Kongressmotto “Navigation the Future” stellte die Teilnehmer zunächst einmal logistisch auf die Probe. Der erste Tag begann mit einer Eröffnungsrede der DGFP-Vorsitzenden Ariane Reinhart auf der Internet-Konferenz re:publica (abrufbar bei › Youtube). Dann zogen rund 250 Personaler ins benachbarte Kühlhaus und starteten dort den eigentlichen DGFP-Kongress mit einer Einstimmung durch den DGFP-Vorstand, mit kurzen Keynotes und kleinen Workshops. Parallel konnte man auch zurück auf das re:publica-Festivalgelände (inklusive Guided Tour), um dort HR-relevante Sessions zu besuchen. Dann abends noch die Verleihung des St. Gallener Leadership Awards. Viel Bewegung, viel Inspiration, lockere Netzwerkatmosphäre. “Irgendwie cool”, sagte eine HR-Managerin am Rande. Ihr fehle aber der rote Faden. Inhaltlich ließ die Navigation am ersten Tag tatsächlich zu wünschen übrig. viele Appelle, Viel Inszenierung, zu wenig konkrete Antworten für die HR-Praxis.

Mit dem Zweiten sieht man besser

Das sollte sich am zweiten Tag mit dem Umzug vom Kreuzberger Kühlhaus ins Planetarium im Osten der Stadt ändern. Vor allem die sogenannten Deep Dives zeigten, wie die Unternehmen mithilfe von digitalen Tools bereits heute HR-Prozesse verbessern können. Hier wurden Case Studies zu People Analytics oder kollaborativen Arbeitsformen vorgestellt und intensiv diskutiert. Zudem gab es mit zwei bemerkenswerten Keynotes gute Reflexionsflächen für das eigene Talent Management (Astronauten-Trainee Susanna Randall) und für die Rolle von HR im Unternehmen (Michael Mollath, CDO der Deutschen Messe). Mollath hatte die Erwartungshaltung eines Managers an HR klar formuliert: mehr Kundenorientierung, mehr Geschwindigkeit, mehr Leadership-Perspektive, mehr Mut für Neues, raus aus den HR-Silos. So könne die digitale Transformation gelingen.

Take-off für die Mission

Der energiegeladene zweite Kongresstag mündete schließlich in der Aufforderung, Arbeitsgruppen für die HR-Mars-Mission zu bilden. Spätestens hier wurde den Teilnehmern klar, dass der Kongress als Langstrecke mit mehreren Teiletappen konzipiert ist. Ob People Analytics, Diagnostik, Agilität oder Mitbestimmung 4.0. Die Bereitschaft, bis zum nächsten Treffen in Stuttgart (18. und 19. September) gemeinsam in unterschiedlichen Arbeitsfeldern an der HR-Mars-Mission weiterzuarbeiten, war groß. Das zeigte auch eine abschließende Abfrage unter den Teilnehmern, die ihren digitalen Reifegrad einschätzen sollten: Wie weit sind Sie vom Mars entfernt? Ein Großteil befindet sich noch im Trainingscamp beziehungsweise an der Startrampe. Nur wenige sagen, sie haben den Mars und damit die digitale Zukunft ihres Unternehmens bereits in Sicht.

KI und People Analytics polarisieren

Daten gelten als Treibstoff für die Reise in die Zukunft. Verarbeitet mit intelligenten Algorithmen verheißen sie rationalere Entscheidungsprozesse und mehr Effizienz. Und in der Tat wurden auch in Berlin überzeugende Beispiele gezeigt, wie Unternehmen mit KI die diagnostische Qualität im Recruiting erhöhen oder die Mitarbeiterbindung steigern können. Die intensiven Diskussionen dazu zeigen das große Interesse an einem Erfahrungsaustausch. Doch nicht wenige mahnen zur Vorsicht. Vorsicht vor unerwünschten Bias-Effekten und auch vor datenschutzrechtlichen Problemen. People Analytics ist also kein Selbstläufer, sondern erfordert von HR neue Kompetenzen. Zu den Bias- Gefahren von KI-Modellen in der Arbeitswelt gab es übrigens auf der re:publica eine interessante Podiumsdiskussion mit Wissenschaftlern, die im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler- Stiftung an Forschungsprojekten zur Künstlicher Intelligenz arbeiten.

Botschaft angekommen

Berlin war der verheißungsvolle Startpunkt für die neue DGFP-Mars-Mission. Die Botschaft, dass HR zu neuen digitalen Welten aufbrechen muss, ist angekommen. Das ist unzweifelhaft auch der Verdienst von Ariane Reinhart. Die Arbeitsdirektorin der Continental AG, seit Dezember ehrenamtliche Vorsitzende der DGFP, machte schon im Vorfeld klar, dass sie etwas im Verband bewegen möchte (› siehe Interview aus Heft 5). Reinhart war an den zwei Kongresstagen präsent wie kein Vorsitzender vor ihr. Sie war auf der Bühne kämpferisch und machte der DGFP Mut. Sie zeigte sich in den Workshops nahbar und mischte sich ein. Dieses Engagement kann die DGFP mehr denn je gebrauchen, denn durch den Weggang von Geschäftsführerin › Katharina Heuer, die den Verband und auch die Veranstaltungsformate in den vergangenen fünf Jahren erneuert hat, ist eine große Lücke entstanden.

Für den finalen Kongressteil in Stuttgart bleibt zu hoffen, dass mehr Mittelständler den Weg zur Mars-Mission finden werden. Denn in Berlin gaben vor allem die digitalen Vorbilder der HR-Szene den Ton an: Blogger, New Worker, Berater und Projektleiter aus Transformationsprojekten von größeren Unternehmen. Diese Impulse sind unverzichtbar, digitale Innovationen brauchen aber auch die Erdung des Mittelstandes. 

Hinweis: Der Nachbericht erscheint auch in der kommende Ausgabe der Personalwirtschaft Ende Mai. Titelthema des Heftes: Kostbare Zeit: Welches flexible Arbeitszeitmodell passt zu Ihrem Unternehmen?
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