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Next Act, Next Hope

Abschlussredner Bodo Antonic erhält vom Veranstalter Winfried Felser zusammen auf der Bühne
Abschlussredner Bodo Antonic erhält vom Veranstalter Winfried Felser die symbolhafte “Next Hope”-Auszeichnung. Bild: Competence Site

Inspirierend, cooler Flow, tolle Mischung aus kreativen und revolutionären Köpfen – schaut man in die zahlreichen Kommentare der sozialen Netzwerke zum Next Act-Event, spürt man die Begeisterung einer besonderen Community, die sich am 23. März in Köln zur gemeinsamen “Transformationsoffensive für das digitale Zeitalter” traf. Wenn Winfried Felser, Gründer der Competence Site und einer der führender Netzwerker für digitale Transformation (Linkedin Top Voice 2017) zum Next Act ruft, pilgern Berater, Digital-Evangelisten und Manager erwartungsvoll nach Köln. 26 parallele Sessions in fünf Themenblöcken, drei große Podiumsdiskussionen, drei Key Notes – alles an einem Tag, alles in einem ungewöhnlichen Ambiente (in diesem Jahr in einem Autohaus), vieles zukunftsweisend.

Der gesellschaftspolitische Blick

Der erste Impulsvortrag von Karl-Heinz Land mit dem Titel Erde 5.0 zeigte den großen gesellschaftspolitischen Rahmen der Debatte auf. Land, bekannt als Mahner und als Autor des Buches “Digitaler Darwinismus”, schaut dabei für viele überraschend positiv in die Zukunft. Blogger- Ikone Tim Cole gibt Einblicke in sein neues Buchprojekt Wild Wild Web, warnt vor rechtsfreien Räumen im Netz und fordert eine neue digitale Zivilisation. Zwischen diesen Impulsvorträgen wurde in kleineren Sessions fleißig diskutiert. Im Marketing-Track ging es um die neue Marktorientierung, die kein Geringerer als der Münsteraner “Marketing-Papst” Professor Heribert Meffert anführte. Und natürlich gab es auch einen Track “Next HR”.

Impulse für HR

Vor zwei Jahren wurde noch intensiv darüber gestritten, welche Rolle HR bei der digitalen Transformation einnehmen kann. Die alte “Koch oder Kellner”-Diskussion stand im Mittelpunkt. Auf der diesjährigen Veranstaltung sollten erste Erfahrungen ausgetauscht werden. Ist HR der Schlüsselfaktor für eine humanzentrierte digitale Transformation? Gunther Olesch, HR- Geschäftsführer von Phoenix Contact, beantwortet diese Frage mit einem überzeugenden Vortrag. Ohne die treibende Rolle von HR wäre Phoenix Contact nicht zum Vorzeigeunternehmen für die Industrie 4.0 geworden. Visionen entwickeln, die Beteiligten rechtzeitig einbinden und informieren, Vertrauen und Transparenz schaffen und – das scheint der zentrale Hebel zu sein – Mitarbeiter auf allen Ebenen für die Zukunft qualifizieren. So kann es funktionieren.

Vor unerfüllten New-Work- Visionen warnte dagegen Stefan Witwicki von Veda. Ein Schritt nach dem anderen – das hatte ihm schon seine Oma Annie mit auf dem Weg gegeben und das empfiehlt er auch den Personalern bei der Transformation: mutig, aber realistisch und geduldig die Menschen bei den Veränderungen mitnehmen. Julian Simée (Lufthansa), Philipp Zimmermann (Evonik) und Karl- Heinz Reitz (Computacenter) saßen als “die jungen Wilden” auf einem Podium. Alle drei sind erfahrene Change Manager, alle drei gehen jedoch unterschiedliche Wege. Brauchen wir “Working out Loud”? Bei Evonik durchaus ein zielführendes Instrument für Veränderungen. Für Karl-Heinz Reitz nicht unbedingt, es hängt von der Unternehmenskultur ab. Was stört die “jungen Wilden” an der etablierten HR-Zunft? Fehlende Professionalität und Change-Kompetenzen, lähmende Rollendiskussionen zu Dave Ulrich, Silo-Denken und Taylorismus. Seitenhiebe gab es in der Diskussion auch auf missionarische Berater: Mehr Praxisbezug und Realitätssinn bitte. Dabei können auch Lego- Steine helfen, wie der Workshop zu New-Pay- Modellen mit Britta Reedmann und Nicole Nobile zeigte.

Gruppe von Menschen auf der Next Act beim Feierabend Kölsch
Gute Stimmung: In der Session New Pay diskutierten die Teilnehmer noch
lebhaft weiter, als bereits das erste Feierabend-Kölsch gereicht wurde. Bild: Competence Site

Ein “alter HR-Wilder” trat in Köln schließlich auch noch auf die Bühne. Einen Tag nach seiner ersten Bundestagsrede erläuterte Thomas Sattelberger (ehemaliger Telekom-Personalvorstand) seine Thesen für eine neue Digital-Politik. Seine Forderung an HR: Knüpft regionale Netzwerke mit Hochschulen und anderen Unternehmen. Macht die Region zu digitalen Kompetenzzentren, um so für Talente attraktiv zu sein.

Die digitale Transformation wird zu einer humanzentrierten Transformation. Das ist die Hoffnung, daran arbeiten viele Protagonisten. Mehrere Dutzend davon erhielten wie Bodo Antonic (siehe Foto oben) die Auszeichnung “Next Hope”. Der Kampf für die gute Seite der Transformation kann beginnen.

Hinweis: Dieser Nachbericht erscheint auch in der Mai-Ausgabe der Personalwirtschaft. Das
Titelthema des Heftes: EU-Datenschutz, die Reportage: New Work bei Axa. Das Heft ist ab dem 30.
April erhältlich.