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Studie zeigt: HR in Sachen KI noch zögerlich

KI im Personalbereich
KI im HR-Bereich ist aus Sicht von Personalern derzeit vor allem im Recruiting interessant. Foto: © leowolfert-stock.adobe.com

Wie steht der Personalbereich zu den Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) in seinem eigenen Bereich und was verspricht er sich davon? Bisher spielt das Thema in HR keine große Rolle, die Personaler sind dem Thema gegenüber jedoch positiver eingestellt, wenn sie bereits gute Erfahrungen mit der Digitalisierung gemacht haben.

Mehrheit hat schon Digitalisierungprojekte umgesetzt

“Künstliche Intelligenz im Personalbereich” lautet der Titel einer aktuellen Studie von Perbit Software. An der Befragung beteiligten sich Personalverantwortliche und Geschäftsführer/Vorstände aus 155 Organisationen verschiedener Branchen, 57 Prozent davon aus Unternehmen ab 500 Mitarbeitern. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen (63 Prozent) haben bereits Digitalisierungsprojekte im Personalbereich durchgeführt – der Digitalisierungsgrad ist damit lediglich um zwei Prozent niedriger als in der gesamten Organisation. Bei 59 Prozent der Studienteilnehmer befinden sich HR-Digitalisierungsprojekte derzeit in der Umsetzung (69 im Gesamtunternehmen) und 62 Prozent planen solche Projekte (61 Prozent abteilungsübergreifend). Lediglich drei Prozent (insgesamt vier Prozent) sagen, dies sei für sie aktuell unattraktiv. Damit unterscheidet sich der Umfang der digitalen Aktivitäten des Personalbereichs nur geringfügig von denen der Organisation insgesamt. Damit sei erkennbar, so die Autoren, dass die Digitalisierung der Organisation nicht losgelöst vom Personalbereich erfolge.

Auch in HR sei die Digitalisierung ein Dauerthema: Von den Unternehmen, die bereits Projekte realisiert haben befindet sich ein Drittel wieder in der Umsetzung oder Planung neuer Projekte. Insgesamt sind größere Unternehmen dabei aktiver als kleine. Das könne unter anderem daran liegen, dass ihnen zeitliche und finanzielle Ressourcen und auch das erforderliche Fachwissen fehlen, so der Report.

Sinnvolle Einsatzgebiete der HR-Digitalisierung

Die Teilnehmer wurden danach gefragt, in welchen Bereichen die Digitalisierung im Personalbereich ihrer Meinung nach notwendig oder wünschenswert ist. Bei den Antworten liegt das Personalcontrolling mit 80 Prozent vorn, dicht gefolgt von der Personalgewinnung und -auswahl (77 Prozent) sowie der Personalplanung (76 Prozent.) Dagegen trafen Themen der qualitativen Personalarbeit, wie Demografie-und Gesundheitsmanagement oder Talententwicklung mit je maximal 35 Prozent auf deutlich weniger Zustimmung. Das lasse vermuten, dass die Einsatzmöglichkeiten der Digitalisierung im Bereich der qualitativen Personalarbeit noch nicht hinreichend erkannt würden oder ihnen andere Priorität zugemessen werden, so die Studie.

KI im Personalbereich: Potential vor allem beim Recruiting

Was den Einsatz von KI betrifft, so spielt das Thema bei zwei Dritteln der Befragten (64 Prozent) in den Digitalisierungsprozessen bislang gar keine Rolle. Ein Viertel (24 Prozent) gab an, es spiele eine Rolle, und zwölf Prozent machten dazu keine Angaben. Als attraktivstes Einsatzfeld nannten die meisten Studienteilnehmer das Recruiting: Jeweils 86 Prozent gaben die Personalsuche und -bewertung an. Auch die Qualifikationsplanung stößt auf große Zustimmung, während die Schichtplanung (31 Prozent) die Fluktuationsrisikobewertung (29 Prozent) und die KI als persönlicher Ansprechpartner (29 Prozent) am wenigstens überzeugen. Letzteres ist nach Ansicht der Autoren nicht verwunderlich, da nicht alle teilnehmenden Unternehmen Schichtarbeit hätte oder eine hohe Personalfluktuation aufwiesen.

Verringerte Anforderungen durch KI

Die meisten Unternehmen versprechen sich vom KI-Einsatz im HR-Bereich verringerte Arbeits- und Qualifikationsanforderungen. Bessere Unternehmensergebnisse und eine Produktionssteigerung werden deutlich seltener genannt. Allerdings steigt die Erwartung der Teilnehmer auf Produktivitätssteigerungen durch KI, wenn die Unternehmen schon Digitalisierungsprojekte durchgeführt wurden. Die Erfahrung mit komplexen Digitalisierungsprojekten scheine “Hemmschwellen” gegenüber KI zu relativieren, heißt es in der Studie.

Offen für technologische Weiterentwicklung

Insgesamt bewerten die Autoren die Befragungsergebnisse so, dass die Erwartungen zur Einführung und Nutzung von KI im Grundsatz positiv sind – sowohl generell als auch im Hinblick auf HR – und stellen einen “allgemeinen Optimismus” fest. Das gelte insbesondere für Organisationen, die bereits bei der Digitalisierung positive Erfahrungen hinsichtlich des Unternehmensergebnisses gemacht haben. Diese Grundeinstellung auch von Seiten des Personalwesens lasse vermuten, dass Hemmschwellen zur KI-Einführung durch erfolgreiche Digitalisierungsprojekte leichter zu überwinden seien Es sei jedoch klar erkennbar, dass die Unternehmen den Einsatz von KI nur unter klaren Kosten-und Nutzengesichtspunkten befürworten. Außerdem gehörten vor allem bei weitergehenden KI-Anwendungen Datenschutz und Kontrolle zu den wesentlichen Akzeptanzfaktoren, dabei handle es sich aber eher um betriebspolitische als um technische Hindernisse.

Die vollständigen Studienergebnisse können > hier zum Download angefordert werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.