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HR: Optimierungsbedarf bei Personalgewinnung und -entwicklung

Mann in Businesskleidung zeigt auf Schrift in durchsichtigem Fenster: HR, Personnel, Management
Eine aktuelle Studie vergleicht Selbst- und Fremdbild der Personalbteilung.
Foto: © duncanandison/StockAdobe

Wie schätzen sich HR-Abteilungen selbst ein und wie gut sind sie aus Sicht der Mitarbeiter? Dieser Frage ging eine aktuelle Studie nach. Danach sind die Personalverantwortlichen mit ihrer eigenen Arbeit in Sachen Recruiting, Personalentwicklung und Personal- administration meist zufriedener als die Mitarbeiter. Allerdings sieht HR in einigen Bereichen bei sich durchaus Schulungsbedarf.

Für die HR-Studie befragte Trendence 505 Personalverantwortliche sowie 1400 Fach- und Führungskräfte. Im Bereich Personalgewinnung sind gut zwei Drittel (68 Prozent) der Personalverantwortlichen mit ihrer Leistung zufrieden oder sehr zufrieden. Von den befragten Mitarbeitern zeigt sich jedoch nur rund die Hälfte (49 Prozent) mit der HR-Leistung beim Recruiting zufrieden oder sehr zufrieden; fast jeder fünfte (18 Prozent) ist sogar sehr unzufrieden. Allerdings geht aus den veröffentlichten Studienergebnissen nicht hervor, was die Fachkräfte konkret kritisieren, sondern lediglich, was sie sich von ihren HR-Abteilungen wünschen: dass sie offen für neue Impulse sind und gute Kenntnisse im Bereich Digitalisierung haben, vor allem bei der Datenanalyse, und dass sie transparente Zuständigkeiten und schnelle Hilfe bei Fragen erwarten.

Recruiting: Candidate Experience genauer untersuchen

Die Studienautoren empfehlen Arbeitgebern zunächst, die Wahrnehmung der Bewerber während des Bewerbungsprozesses genauer zu untersuchen; bislang hat das erst ein Viertel der befragten Personaler gemacht. Drei Viertel (74 Prozent) haben bislang keine Touchpoint-Analyse vorgenommen. Dass nur jeder zweite Kandidat mit den Recruiting-Aktivitäten der Unternehmen zufrieden ist, könnte auch daran liegen, dass die HR-Abteilungen zu passiv seien, wird vermutet: Zwar hätten 86 Prozent der Firmen eine eigene Karriereseite, doch jede dritte (35 Prozent) betreibe noch kein Active Sourcing und in den sozialen Netzwerken wie Xing & Co. nutze nur circa jedes zweite Unternehmen gezielte HR-Marketingkampagnen zur Ansprache von Zielgruppen. Hier dränge sich auch die Frage auf, wie zielsicher die einzelnen Kanäle genutzt würden.

HR sieht Schulungsbedarf vor allem bei Social Recruiting

Die Personalverantwortlichen selbst sehen bei sich durchaus Schulungsbedarf. Den größten Bedarf (62 Prozent der Nennungen) sehen sie hinsichtlich Recruiting 4.0/Social Recruiting, gefolgt von Personalmarketing (55 Prozent), Active Sourcing (48 Prozent), Social Recruiting – wobei der Unterschied zu Recruiting 4.0/Social Recruiting nicht erklärt wird (38 Prozent) und beim Aspekt “erfolgreiches IT-Recruiting in der Praxis” (35 Prozent).

Personalentwicklung: HR und Fachkräfte gleichermaßen unzufrieden

Im Bereich Personalentwicklung ist selbst nicht einmal jeder zweite HR-Verantwortliche mit der eigenen Leistung zufrieden oder sehr zufrieden (45 Prozent). Das deckt sich mit der Wahrnehmung der Fach- und Führungskräfte. Damit ist die Personalentwicklung der insgesamt am schlechtesten bewertete HR-Bereich. Aus Sicht der Personaler besteht hier vor allem Schulungsbedarf hinsichtlich der Feedbackkultur, was digitale Tools und agile Formate betrifft: 70 Prozent geben dies an. An zweiter Stelle mit 61 Prozent steht die Führungskräfteentwicklung. Es folgen die Personalentwicklung allgemein mit 45 Prozent und Schulungen für Talent Manager mit 35 Prozent.

Personaladministration schneidet aus Mitarbeitersicht am besten ab

Als dritter Hauptaspekt wurde die Personaladministration unter die Lupe genommen. Damit sind drei Viertel der Personaler zufrieden (43 Prozent) oder sehr zufrieden (32 Prozent). Von den befragten Fach- und Führungskräften sind immerhin 46 Prozent zufrieden und 15 Prozent sehr zufrieden. Kritisiert wird zum Beispiel der Prozess der Zeugnisausstellung, den 43 Prozent der Fachkräfte zu langsam finden. Nicht selten sind zudem die Verantwortlichkeiten unklar; viel Mitarbeiter kennen nicht die richtigen Ansprechpartner für ihre verschiedenen HR-Belange. Knapp ein Fünftel der Fachkräfte ist überdies mit der Lohnabrechnung unzufrieden.

Flexible Arbeitszeiten sind Fach- und Führungskräften besonders wichtig

Was die Beschäftigungsbedingungen betrifft, so glauben 85 Prozent der Personalverantwortlichen, die Mitarbeiter seien bei ihnen gut aufgehoben. Von den Fach- und Führungskräften selbst können hier 75 Prozent für sich zustimmen. Am wichtigsten sind den Fach- und Führungskräften flexible Arbeitszeiten; 93 Prozent nannten diesen Aspekt. Von den HR-Verantwortlichen gaben 55,8 Prozent an, dass ihre Mitarbeiter diese Möglichkeit haben. 42,9 Prozent bieten die Option lediglich einzelnen Gruppen an. Von den befragten Mitarbeitern finden 90 Prozent Altersvorsorgeangebote wichtig bis sehr wichtig. Laut Aussage der Personaler bieten rund 84 Prozent der Unternehmen diese Möglichkeit über alle Abteilungen und Hierarchien an und weitere rund zwöfl Prozent zumindest für einzelne Mitarbeitergruppen. Darüber hinaus nannten die befragten Arbeitnehmer Mobilitätsaspekte wie Firmenwagen, -fahrräder und Parkplätze sowie BGM-Maßnahmen und Familienfreundlichkeit wie zum Beispiel Kita-Plätze.

Die vollständigen Befragungsergebnisse gibt es > hier.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.