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Vom Betriebsrat in die Führungsspitze

Portrait Peter Arnold.
Peter Arnold ist seit 1. Mai 2020 Mitglied des Vorstands der Mainova AG. Foto: Mainova AG

Personalwirtschaft: Sie waren seit 2006 Betriebsratsvorsitzender bei Mainova. Wie kam es zum Wechsel in den Vorstand?
Peter Arnold: Mainova kenne ich aus unterschiedlichen Perspektiven – vom Auszubildenden über meine Tätigkeiten in der Technik und als Betriebsratsvorsitzender bis hin zum stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden. Da ist es eine reizvolle Aufgabe, eine neue Verantwortung als Vorstand zu übernehmen. Als die Anfrage kam, habe ich zunächst meine Gedanken über Bedeutung und Konsequenzen eines solchen Wechsels sortiert. Nach kurzer Zeit war klar: Das will ich machen. Als Vorstand kann ich meinen Gestaltungswillen und den Wunsch, Dinge zum Positiven zu verändern, vielleicht noch ein wenig stärker zum Wohle des Unternehmens und seiner Belegschaft einsetzen. Dabei wird mir sicherlich helfen, dass ich sowohl die Bedürfnisse der Mitarbeiter als auch die Unternehmensbelange sehr gut kenne.

Früher galten Vorstand und Betriebsrat in vielen Unternehmen nicht selten als Widersacher. Wie ist das bei Mainova?
Erfahrungsgemäß können und müssen Vorstand und Betriebsrat unterschiedliche Perspektiven auf ein und dasselbe Thema haben. Schlussendlich geht es aber – zumindest bei uns – immer um zwei Dinge: Erfolg des Unternehmens und Wohl der Belegschaft. Ich habe ein Motto, das galt für mich in meiner Zeit als Betriebsrat und es gilt als Vorstand:

Wenn es dem Unternehmen gut geht, dann soll es auch den Mitarbeitern gut gehen.

Mainova hat rund 2700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie würden Sie ihnen Ihren Führungsstil als Personalvorstand beschreiben?
Mit zwei Worten: kooperativ und wertschätzend. Neben Personal verantworte ich weitere Querschnittsthemen wie Einkauf und Facility Management. Auch die Tochterunternehmen NRM Netzdienste Rhein-Main und SRM Straßenbeleuchtung Rhein-Main gehören zu meinem Ressort. Meinen Führungskräften gebe ich mit: Wir wollen gemeinsam zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen. Wir Führungskräfte haben eine klare Verantwortung. Ein ausgeprägtes “Wir” im gesamten Unternehmen steht für mich dabei im Vordergrund.

Als Energieversorger muss sich Mainova nicht nur mit der digitalen, sondern auch mit der ökologischen Transformation auseinandersetzen. Sehen Sie das Personal dafür gerüstet?
Unser Personal ist gut gerüstet. Gleichzeitig sind die Herausforderungen in der Energiewirtschaft enorm. Deshalb investieren wir bereits intensiv in die Weiterbildung und werden dies auch zukünftig tun. Dabei geht es nicht nur um die digitale und ökologische Transformation, sondern auch um neue Formen der Zusammenarbeit – auf allen Ebenen.

Sie traten Ihr Vorstandsamt mitten in der Corona-Krise an. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Es war in der Tat ein ungewöhnlicher Einstieg – inklusive der ersten rein virtuellen Hauptversammlung unseres Unternehmens kurz nach Dienstantritt. Die Erfahrungen, die wir während der Corona-Pandemie mit dem Einsatz digitaler Werkzeuge und der Nutzung flexibler Arbeitsformen gemacht haben, sind weitgehend positiv. Wir sollten diese Erfahrungen für die Gestaltung unseres zukünftigen Arbeitsumfelds nutzen.

Sie sind gebürtiger Frankfurter, arbeiteten bereits in verschiedenen städtischen Betrieben und machen aus Ihrer Verbundenheit zur Rhein-Main-Region keinen Hehl. Hat es Sie nie gereizt, in die Ferne zu gehen?
Nicht wirklich. Ich mag Frankfurt sehr. Die Stadt verkörpert für mich die Balance zwischen Historie und Tradition sowie Urbanität und Moderne. Mit Gästen gehe ich beispielsweise gerne zum Opernplatz. Dort steht die Alte Oper, ein Konzerthaus gewidmet “Dem Wahren, Schoenen, Guten”. Dreht man sich ein Stück, blickt man auf Bankentürme, Hochhäuser. Das Wechselhafte, beides ist Frankfurt. Dieser permanente Diskurs zwischen Tradition und Moderne, zwischen Bodenständigkeit und urbanem Unternehmen, der Aufbruch in die Zukunft, ohne zu vergessen, wo man herkommt – das ist für mich auch typisch für Mainova. Mir gefällt das.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in unserer August-Ausgabe erschienen. Ein Abonnement können Sie hier abschließen.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.