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“Wir wollen Partner auf Augenhöhe sein”

Ralf Reischmann.
Zu Ralf Reischmann Stärken gehören unternehmerisches Denken und eine schnelle Auffassungsgabe für komplexen Zusammenhängen. Foto: privat

Personalwirtschaft: Warum sind Sie von der Allianz Suisse zu Amplifon Deutschland gewechselt?
Ralf Reischmann:
Ich habe mich mit meiner Familie in der Schweiz sehr wohl gefühlt, insofern war das keine einfache Entscheidung. Aber am Ende waren folgende Punkte ausschlaggebend: Extrem spannender Wachstumsmarkt, in dem man noch viel aufbauen und bewegen kann. Hohe Motivation, mit seiner Arbeit täglich dazu beizutragen, das Lebensgefühl von einer Vielzahl von Menschen deutlich zu steigern. Und berufliche Herausforderung und Chance, die Gesamtverantwortung für den HR- und Kommunikationsbereich zu übernehmen.

Sie sind sowohl für HR als auch für Corporate Communications zuständig. Sehen Sie Überschneidungen zwischen beiden Feldern?
Am auffälligsten sind die Schnittmengen zwischen der externen Kommunikation und dem Employer Branding sowie der internen Kommunikation und der Mitgestaltung bei der Förderung einer positiven Unternehmenskultur. Kommunikation soll kein Selbstzweck sein, sondern den Sendern wie den Empfängern Vorteile bieten. Schauen Sie sich heute zum Beispiel den deutlich schnelleren Wandel an: In fast allen Unternehmen sind große Projekte an der Tagesordnung. Ein gutes Change Management ist aber oft Fehlanzeige. Gerade dort braucht es HR- und Kommunikationskompetenzen.

Mit welchen HR-Aufgaben sind Sie in den ersten Monaten vorrangig beschäftigt?
Zunächst ging es um die richtige Positionierung auf dem Arbeitsmarkt, ein effektives Recruiting und eine Weiterentwicklung der positiven Unternehmenskultur, um unser starkes Wachstum zu unterstützen. Seit einigen Wochen steht dagegen das aktive Coronamanagement an erster Stelle: Viele Kommunikationsthemen, Vertrauen schaffen und die Einführung von Kurzarbeitsmodellen, die unsere Arbeitsplätze sichern und uns bestmöglich für die Zeit nach Corona aufstellen. Entscheidend ist, erkennbar zum Unternehmensziel beizutragen und als Partner auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden. Nach Corona werden wir dazu auch das HR-Businesspartner-Modell und weltweit moderne und einheitliche IT-Systeme einführen beziehungsweise weiter anpassen.

Hörgeräte gelten als nicht besonders “sexy”, sind aber ein starker Wachstumsmarkt. Wie wollen Sie im Recruiting Gehör beim talentierten Nachwuchs finden?
Die ersten Mobiltelefone waren auch nicht wirklich “sexy”. Genauso arbeiten wir daran, dass die neuen Produkte immer attraktiver werden. Der Markt wächst so stark, weil durch die immer kleiner werdenden Hörgeräte und die technisch immer ausgereifteren Produkte eine hohe Attraktivität entsteht. Unsere Kunden kommen damit immer selbstbewusster zu uns und freuen sich, dass die neuen Produkte deutlich mehr “sexy” sind als in der Vergangenheit. Genau das müssen wir im Markt festigen. Daneben ist ein Wachstumsmarkt für den talentierten Nachwuchs deutlich attraktiver, um Karrieremöglichkeiten wahrzunehmen. Durch das Wachstum entstehen bei uns immer wieder neue Funktionen und auch Führungspositionen, die wir mit unseren Talenten besetzen wollen.

Was war Ihre bisher größte Herausforderung im Berufsleben und wie haben Sie sie gelöst?
Ich habe das Gefühl, dass jedes Jahr seine neuen spannenden Aufgaben mit sich bringt. In den letzten Jahren waren dies die Akquisition und Integration der Dextra-Rechtsschutzversicherung in der Schweiz, die Einführung des HR-Businesspartner-Modells oder auch zuvor die Einführung eines neuen Führungs- und Steuerungsmodells in der Vertriebsorganisation der Allianz in Deutschland. Wenn ich eines herausheben müsste, dann wäre es die Akquisition. An ihr kann man vorbildhaft sehen, wie ein Projekt ökonomisch wie auch personell erfolgreich umgesetzt wird, wenn HR von Beginn an in dem Projekt dabei ist und sehr eng mit den höchsten Entscheidungsträgern zusammenarbeitet. Wir haben die Integration innerhalb eines halben Jahres umgesetzt und unser Budget dabei sogar deutlich unterschritten.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.