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Vier aktuelle HR-Trends

Welche Themen stehen dieses Jahr für HR im Vordergrund? Eine Studie hat in Unternehmen nachgefragt.
Foto: © Fahkamram/StockAdobe

Rund drei Viertel der Mitarbeiter (77 Prozent) vertrauen darauf, dass ihr Unternehmen sie weiterbildet, wenn ihr Job sich aufgrund der zunehmenden Automatisierung verändern sollte. Fast ebenso viele (71 Prozent) gehen davon aus, dass ihr Arbeitgeber sie gut auf die Zukunft der Arbeit vorbereiten wird. Allerdings befürchten mehr als vier von zehn Beschäftigten (42 Prozent), dass ihr Job innerhalb der nächsten drei Jahre durch Künstliche Intelligenz und Automatisierung ersetzt wird. Das sind Ergebnisse der Studie “Global Talent Trends 2020” von Mercer, für die rund 7300 C-Suite-Führungskräfte, HR-Verantwortliche und Mitarbeiter aus 16 Regionen befragt wurden, davon 450 in Deutschland. Laut Befragung zeichnen sich momentan vier Trends im Personalbereich ab:

Abgleich und Schließen von Qualifikationslücken

So gut wie alle befragten Unternehmen berichten, dass sie im gegenwärtigen Change-Prozess erhebliche Qualifikationslücken bei ihren Belegschaften feststellen. 41 Prozent der Befragten können jedoch nicht einmal sagen, über welche Fähigkeiten ihre Belegschaft heute verfügt. Und nur gut jeder dritte HR-Verantwortliche (37 Prozent) gibt an, in Reskilling-Maßnahmen zu investieren, um die Mitarbeiter auf die Zukunft der Arbeit vorzubereiten. Von den Beschäftigten selbst zeigen sich drei Viertel bereit, neue Fähigkeiten zu erlernen, allerdings sagt ein Drittel, nicht genügend Zeit dafür zu haben. Befragt nach den drei wichtigsten Kompetenzen für die nächsten zwölf Monate, nannten die Personalverantwortlichen an erster Stelle Digitalmarketing, gefolgt von Entrepreneurship und einem globalen Mindset. Bei den Mitarbeitern steht Digitalmarketing ebenfalls vorn, an zweiter Stelle rangiert Innovation und an dritter Problemlösungsfähigkeit.

Einsatz von KI und Predictive Analytics

Laut Studie hat sich die Nutzung von Predictive Analytics, die Vorhersage zukünftiger Entwicklungen durch die Auswertung von Daten, von fünf Prozent im Jahr 2016 auf heute 51 Prozent erhöht. Jedes zweite Unternehmen (51 Prozent) verwendet zum Beispiel Metriken, um Mitarbeiter zu identifizieren, die wahrscheinlich kündigen werden. 49 Prozent haben im Blick, wann wichtige Mitarbeiter voraussichtlich in den Ruhestand gehen werden. Außerdem kennen 18 Prozent die Auswirkungen von Gehaltsstrategien auf die Mitarbeiterleistung. 14 Prozent setzen Analysen ein, um Ungleichbehandlungen zu korrigieren und vorzubeugen. 13 Prozent können mit Hilfe solcher Systeme feststellen, ob es besser ist, Mitarbeiter von extern einzustellen, intern aufzubauen oder Freelancer einzusetzen. 60 Prozent der HR-Verantwortlichen sind überzeugt, sicherstellen zu können, dass durch KI keine Vorurteile institutionalisiert werden. Ethik-Kodizes über die Erfassung, Anwendung und Auswirkungen von Personalanalysen stecken, so die Studie, allerdings noch in den Kinderschuhen.

Employee Experience stärker im Fokus

Nach Ansicht der Studienautoren hat das Thema Employee Experience definitiv Einzug in die HR-Funktion gehalten. Derzeit denken jedoch nur drei Prozent der Unternehmen, dass sie eine vorbildliche Employee Experience bieten. Drei Viertel (74 Prozent) sagen immerhin, dass sie sich mittlerweile mehr auf ihre Mitarbeiter konzentrieren. Aber nur gut ein Viertel der Entscheider (28 Prozent) glaubt, dass sich diese Investitionen auszahlen werden. Und während zwei Drittel der Mitarbeiter (67 Prozent) ihrem Arbeitgeber vertrauen, dass er sich um ihr Wohlergehen kümmert, verfügt nur ein Viertel (26 Prozent) der Personalverantwortlichen über eine Strategie für Gesundheit und Wohlbefinden. Gleichzeitig fühlen sich 69 Prozent der Mitarbeiter von einem Burnout-Risiko bedroht.

Sinn und Nachhaltigkeit werden wichtiger

Heute sind 96 Prozent der Unternehmensleiter der Meinung, dass der Zweck einer Organisation über die Anforderungen der Aktionäre hinausgehen sollte. Lediglich gut ein Viertel (28 Prozent) wird diesem Anspruch aber schon gerecht. Von den Mitarbeitern würde jeder dritte lieber für ein Unternehmen arbeiten, das Verantwortung gegenüber allen Interessengruppen zeigt. 80 Prozent der Führungskräfte geben an, dass sie sich mehr auf Nachhaltigkeit in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung konzentrieren wollen.

Zum Download des vollständigen Studienreports sowie einer Management Summary mit den globalen Ergebnissen geht es > hier.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.