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„Eine Herausforderung zum Lernen von Neuem“

Portrait Karsten Bich
Karsten Bich ist das neue Mitglied der Geschäftsleitung des Deutschen Instituts für Normung (DIN). Foto: DIN e. V.

Personalwirtschaft: Sie wechseln von der Landesbank Hessen-Thüringen zum Deutschen Institut für Normung. Warum der Branchenwechsel?
Karsten Bich: Ich wechsle zwar die Branche, bleibe aber der gehobenen Dienstleistung treu. Als Personalprofi ist mir das besonders wichtig, denn die verbindenden und erfolgskritischen Elemente sind identisch: hohe fachliche Qualifikation sowie eine klare Kundenorientierung der Mitarbeitenden. Darüber hinaus ist ein Branchen- immer auch ein Perspektivwechsel und eine Herausforderung zum Lernen von Neuem.

Sie sollen die Transformation der DIN-Gruppe strategisch mit vorantreiben. Was bedeutet das für den HR-Bereich?
Wir setzen bei der Frage an, was gute Führung in der DIN-Gruppe ist und welche Anforderungen daraus resultieren. Unsere Führungsverantwortlichen werden bereits durch ein umfangreiches Leadership-Programm unterstützt. Insbesondere die Herausforderung, unterschiedlichen Mitarbeitergenerationen und ihren
jeweiligen Bedürfnissen gerecht werden zu können, wird Mittelpunkt weiterer Maßnahmen sein. Aber auch HR selbst wird sich einer Transformation hin zu noch stärkerer Kundenorientierung mit einer klaren Struktur an unterstützenden Dienstleistungs- sowie mehr digitalen Produkten stellen müssen. Wir Personaler denken und handeln noch zu oft als Problemlöser und nicht als Lösungsberater der Führungskräfte und Mitarbeitenden. Das aber müsste die Rolle von HR in der Transformation sein.

DIN-Normen haben ihren Teil zum Erfolg der deutschen Wirtschaft beigetragen. Welche Rolle spielen sie Ihrer Meinung nach im digitalen Zeitalter?
Normen und Standards sind untrennbar mit dem Erfolg von “Made in Germany” verbunden, richtig. Die Digitalisierung verändert nun die Produktion, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle unserer Kunden grundlegend. Normen und Standards können und müssen bei diesen wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen eine zentrale Rolle spielen. Ein wichtiger Aspekt ist die künstliche Intelligenz.

Um die weitere Entwicklung und eine breite gesellschaftliche Akzeptanz von KI zu fördern, braucht es Vertrauen, zum Beispiel beim Thema Datenschutz.

Dieses Vertrauen können wir durch Normen und Standards unterstützen – indem wir gemeinsam mit den anerkannten Experten und wichtigen Anspruchsgruppen in diesem Feld einen klaren Handlungsrahmen definieren, der auf europäischen Wertmaßstäben beruht.

Ihre Einarbeitung startete bereits zwei Monate vor Ihrer Berufung zum 1. Januar 2020 als Mitglied der Geschäftsleitung. Welche Vorteile hat eine solche “Aufwärmphase”?
Ich bin sowohl den Verantwortlichen in meinem bisherigen Unternehmen als auch bei DIN sehr dankbar, dass ich die Gelegenheit bekommen habe, mich frühzeitig mit den Menschen, Produkten und Prozessen in der DIN-Gruppe vertraut zu machen. Ich bekomme so ausreichend Zeit zu analysieren, welche nächsten Schritte in der begonnenen Transformation zu der Geschichte, der bestehenden Kultur sowie den strategischen Zielen der DINGruppe passen könnten.

DIN ist ein gemeinnütziger Verein. Setzt die Personalführung hier andere Fähigkeiten voraus als in einem Unternehmen?
Meines Erachtens spielt dieser Umstand keine Rolle bei der Personalführung. Wir sind in erster Linie Dienstleister mit einem hohen Qualitätsanspruch. Wir wollen bei unseren Kunden Vertrauen schaffen. Das wollen andere Dienstleister aber auch. Mit ihnen kämpfen wir dann um gut ausgebildete Arbeitskräfte und
unsere Art der Personalführung muss dafür Argumente liefern. Ein Unterschied ist aber doch zu benennen: Bei uns dient dies nicht der Gewinnmaximierung, sondern es entspricht dem Auftrag als gemeinnütziger Verein. Insofern ist die Haltung und Werteorientierung bei unserem Handeln nicht in Gefahr, einem Gewinnziel
untergeordnet zu werden.

Sie sind ein Freund von Bauhaus-Möbeln. Haben Sie ein Lieblingsstück?
Ja, den Lounge Chair von Charles Eames aus dem Jahr 1956. Er steht bei uns zuhause vor dem Kamin und verschafft mir auch in bewegten Zeiten einen Rückzugsraum zum Denken, Entwickeln und Lesen. Zudem zeigt dieses Möbelstück in Vollendung, dass Naturmaterialien wie Holz und Leder in neue Formen verändert werden können. Die Grundüberlegung, sich an kreativer Veränderung zu probieren, finde ich nachahmenswert, um etwas Gutes zu transformieren und weiter zu entwickeln. Das ist mir wichtig.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in unserer ›Januar-Ausgabe erschienen. Ein ›Abonnement können Sie hier abschließen.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.