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KI in HR: Unternehmen sehen Potenzial, nutzen es aber kaum

Roboter hält Bürostuhl in der Hand
KI als Entscheider beim Recruiting? Nein, sagen Personaler, aber bei der Vorauswahl.
Foto: © Alexander Limbach/StockAdobe

Zwischen Mai und Juli dieses Jahres befragten die Technische Universität Kaiserslautern, die Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V. (DGFP) und das Algorithm Accountability Lab Mitgliedsunternehmen der DGFP zum KI-Einsatz im Personalbereich. Die Ergebnisse der Untersuchung “Künstliche Intelligenz in HR” beruhen auf den Antworten von 68 Unternehmen. 93 Prozent der Befragten geben an, dem Einsatz von KI an ihrem Arbeitsplatz generell positiv gegenüberzustehen. Tatsächlich in HR genutzt wird KI bislang jedoch von nur zwei der befragten Firmen.

Arbeitgeber erhoffen sich von KI vor allem mehr Effizienz

Gefragt danach, welche Effekte auf die Beschäftigung sie sich durch den Einsatz von KI wünschen, nannten die Unternehmen mit 58 Prozent die Effizienzsteigerung an erster Stelle. Jeweils 50 Prozent gaben den Wegfall von Routineaufgaben sowie schnellere Entscheidungen als erwartete Vorteile an. Transparenz in Entscheidungsprozessen wünschen sich 49 Prozent und 47 Prozent erwarten eine Arbeitsentlastung. Dass KI zu objektiveren Entscheidung führt, erhoffen sich lediglich 31 Prozent.

Meist genanntes Anwendungsgebiet ist die Bewerbervorauswahl

Als Anwendungsgebiet von KI im Personalbereich sehen die Unternehmen vor allem das Recruiting. Je 48 Prozent befürworten die Nutzung bei der Vorselektion von Bewerbern mittels Chatbots sowie Chatbots für HR-Services. 46 Prozent sagen, dass sie sich die automatische Analyse von Dokumenten, etwa Anschreiben, als Einsatzmöglichkeit vorstellen können. 41 Prozent nennen die Erstellung von HR-Berichten für Mitarbeiter. Fast ebenso viele (39 Prozent) betrachten die Analyse von Stellengesuchen als KI-Einsatzmöglichkeit, um passende Personal zu finden. Als weitere Anwendungsgebiete folgen das Matching von Mitarbeitern für Projekte (36 Prozent), automatische Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Mitarbeiter (30 Prozent), die Auswertung von E-Mails und Kalendern (23 Prozent) und die Erstellung von Persönlichkeitsprofilen durch Telefoninterviews (17 Prozent).

HR lehnt KI bei Gesprächen und finalen Entscheidungen ab

Die Studienergebnisse zeigen, dass Künstliche Intelligenz für die Personaler in erster Linie eine unterstützende Rolle spielen sollte. Den Einsatz bei Gesprächen, zum Beispiel im Rahmen von Einstellungen, Trennungen oder Konflikten sowie bei normalen Mitarbeitergesprächen lehnen die Befragten ab. Die Unternehmen sprechen sich auch dagegen aus, dass KI bei finalen Entscheidungen wie Einstellungen, Entlassungen oder Beförderungen genutzt wird. Eine Leistungsbewertung der Mitarbeiter durch KI lehnen sie ebenfalls ab.

Unternehmen noch nicht fit für maschinelles Lernen

Was die KI-Readiness angeht, so sind die teilnehmenden Unternehmen nach Ansicht der Studienautoren noch nicht vorbereitet. Dafür sei es notwendig, dass Kompetenzprofile für die Positionen und auch die Kompetenzen und Fähigkeiten der Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum elektronisch erfasst wurden und zur Verfügung stehen, außerdem müsse der Erfolg eines Matchings von Person und Position eindeutig definierbar sein. All diese vier Bedingungen erfüllen aktuell nur zwei der befragten Arbeitgeber.

Alle Ergebnisse der Befragung stehen als > Download zur Verfügung.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.