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Deutscher Ärztinnenbund: Mutterschutzgesetz verzögert Karrieren


Schwangere Ärztin
Viele Ärztinnen machten sich Sorgen, dass sich ihre Karriere verzögert und melden ihrem Arbeitgeber eine Schwangerschaft deshalb später. (Foto: rocketclips-stock.adobe.com)

Durch das Mutterschutzgesetz werden Ärztinnen und Medizinstudentinnen stark in ihrer beruflichen Laufbahn eingeschränkt, wenn sie ein Kind erwarten und ihren Arbeitgeber davon unterrichten. Dies geht aus einer Umfrage des Deutschen Ärztinnenbunds (DÄB) hervor. Dabei wurden Medizinstudentinnen und Ärztinnen befragt, die nach dem Inkrafttreten des veränderten Mutterschutzgesetzes im Jahr 2018 aber vor der Corona-Pandemie ihr Kind erwarteten. Zwei Drittel  von ihnen gaben an, ihrer Tätigkeit nur noch zum Teil nachgehen zu dürfen – beispielsweise nicht mehr operieren oder direkten Kontakt zu den Patienten haben können Bei den Medizinstudentinnen ist die Lage sogar noch schlimmer: Sie dürfen an weniger als 30 Prozent ihrer normalen praktischen Ausbildung teilnehmen. Die Einschränkungen, die dem Schutz der Schwangeren dienen sollen, findet jede zweite Teilnehmerin der Umfrage nicht sinnvoll.

Im Gegenteil: Viele angehende und ausgelernte Ärztinnen machten sich Sorgen, dass sich ihre Karriere verzögert und meldeten ihrem Arbeitgeber ihre Schwangerschaft deshalb später. Oftmals im dritten, wenn nicht erst im vierten Monat. Denn durch die Meldung dürften sie in den meisten Fällen keinen direkten Patientenkontakt mehr haben und keine Operationen mehr durchführen. Stattdessen beschäftigen sie sich mit präoperativer Aufklärung, dem Schreiben von Arztbriefen, Sprechstunden- sowie Lehrtätigkeiten.

Verbreitete Angst vor Verzögerung der Karriere

Dies liegt daran, dass der Gesetzgeber durch das Mutterschutzgesetz die schwangeren Frauen einem möglichst niedrigen Risiko auf der Arbeit aussetzen will. Demnach ist der Umgang mit Gefahrenstoffen, der Kontakt mit Kranken und einer Großzahl an Menschen, Schichtarbeit sowie langes Stehen verboten. Anordnungen, die daraus abgeleitet werden, können in Extremfällen einem Beschäftigungsverbot gleichen. Hiervon betroffen sind neben schwangeren Frauen, die in Gesundheits- und Pflegeberufen arbeiten, etwa Erzieherinnen. Auch Tätige im Einzelhandel, der Industrie, der Chemie und Biologie sowie dem Handwerk sind von den Schutzmaßnahmen betroffen, sobald sie ihre Schwangerschaft melden.

Diese eigentlich gut gemeinten Regelungen stehen schon seit längerem immer wieder in der Kritik. Der DÄB zeigt mit seiner Studie nun, wie verbreitet die Angst vor einer Verzögerung der Karriere zumindest im Medizinbetrieb ist. “Der Arbeitsschutz ist an sich sinnvoll”, sagt Dr. Barbara Puhan-Schmeiser, Vizepräsidentin des DÄB und Initiatorin der Umfrage. “Was die Ärztinnen und Studentinnen stört, sind allerdings undifferenzierte, generelle Verbote – etwa für Operationen, obwohl alle Schutzmaßnahmen eingehalten werden.”