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Erste Unternehmen testen 2G-Bereich in der Kantine

In ersten Unternehmen gibt es einen 2G-Bereich in der Kantine. (Foto: Robert Poorten_Adobe Stock)
In ersten Unternehmen gibt es einen 2G-Bereich in der Kantine. (Foto: Robert Poorten_Adobe Stock)

Während in der Politik noch über eine gesetzliche Regelung zum Corona-Schutz am Arbeitsplatz diskutiert wird, haben einige Unternehmen bereits selbst 3G-Regelungen für ihren Betrieb festgelegt. Einzelne Arbeitgeber gehen noch einen Schritt weiter und testen derzeit einen 2G-Bereich in ihren Kantinen. Dabei gibt es im Raum rund um den Essensausschank jeweils einen Bereich für alle Mitarbeitenden und einen gesonderten für geimpfte und genesene Beschäftigte.

Keine Maske und enger bestuhlt

Ein Unternehmen, das diese Kantinenspaltung eingeführt hat, ist der Energieversorger Eon. An der Niederlassung am Brüsseler Platz in Essen gibt es einen gesonderten 2G-Bereich. Grund dafür sei unter anderem die gestiegene Impfquote, sagte uns ein Unternehmenssprecher. Im 2G-Bereich können geimpfte oder genesene Mitarbeitende enger beieinandersitzen, denn hier gebe es keine explizite Abstandsregelung Nebendran befindet sich weiterhin ein Bereich für alle Mitarbeitenden, in dem allerdings die Bestuhlung mit mehr Abstand aufgebaut ist und auf dem Weg zum Tisch eine Maske getragen werden muss. Eine Spaltung der Belegschaft wolle das Unternehmen damit keinesfalls fördern, sagt der Eon-Sprecher: “Es ist keinesfalls vorgesehen, dass durch die Einführung des neuen 2G-Bereichs geimpfte und nicht-geimpfte Mitarbeitende separiert sitzen sollen.”

Während Eon den 2G-Bereich in der Kantine bereits eingeführt hat, überlegt der Chemie- und Pharmakonzern Bayer aktuell, wie ein gesonderter Bereich für Geimpfte und Genesene in den Unternehmenskantinen errichtet werden kann. In welchen Niederlassungen es eine Kantinenspaltung geben soll, sei noch unklar, genauso wie Details zur speziellen Regelung im 2G-Kantinenteil.

Spannungen werden nicht befürchtet

Auch der Reiseveranstalter Alltours denkt derzeit darüber nach, wie ein 2G-Bereich in den Unternehmenskantinen gestaltet werden könne. Fest stehe aber, dass es einen solchen geben soll, sobald die derzeit für alle Mitarbeitenden noch geschlossenen Kantinen wieder geöffnet sind, sagt ein Unternehmenssprecher gegenüber der Tagesschau. Mit Spannungen innerhalb der Belegschaft rechnet der Alltours-Sprecher demnach nicht. Mehr als 90 Prozent der Mitarbeitenden seien bereits geimpft.

Andere Lösungen

Kantinenregelungen zum Schutz gegen eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus von Mitarbeitenden gibt es noch andere. Aktuell hat eine Thüringer Firma für Furore gesorgt. Dort hatte der Arbeitgeber Medienberichten zufolge einen Ausdruck mit Fotos von ungeimpften Mitarbeitenden vor den Pausenraum gehängt – mit deren ausdrücklicher Erlaubnis, wie das Unternehmen sagt. Jeder Beschäftigte sollte so überprüfen können, ob sich auch wirklich nur eine ungeimpfte Person im rund 50 Quadratmeter großen Raum befindet, wie es die Hygieneregeln vorschreiben. Als allerdings der Fotoausdruck in Sozialen Netzwerken von einem Unbekannten verbreitet wurde, begann ein Shitstorm gegen den Mittelständler. Der Landesdatenschutzbeauftragte Lutz Hasse ermittelt nun ebenfalls: Während das Aufhängen der Bilder aufgrund des Einverständnisses der Beschäftigten wohl rechtens war, war es die Veröffentlichung im Internet gerade nicht. “Wir prüfen gerade, ob hier eine Straftat vorliegt oder ob wir als Behörde ein Bußgeld gegen diejenigen verhängen können, die das ins Netz gestellt haben”, wird Hasse zitiert.

Andere Unternehmen sehen eine Kantinentrennung kritisch. So zitierte die Süddeutsche Zeitung den Siemens-Manager Ralf Franke: “Das könnte das innerbetriebliche Klima beeinträchtigen.” Der Arbeitgeberverband Südwestmetall verweist Medienberichten darauf, dass es noch keine sichere datenschutzrechtliche Grundlage für eine Trennung des Kantinenbereichs gebe.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.