Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Kein Blick nach vorn

Corona-Virus.

Das Jahresende ist die traditionelle Zeit, um in Erinnerungen zu schwelgen. Früher vor allem auf sich immer wiederholende TV-Zusammenschnitte beschränkt, wird man ab Dezember auf allen sozialen Medien gnadenlos von ihnen verfolgt – den Jahresrückblicken. Spätestens auf der alljährlichen Firmenweihnachtsfeier kann man ihnen nicht entrinnen. Hier zeigt Corona eine gute Seite: Der Jahresrückblick auf der Weihnachtsfeier fällt wohl dieses Jahr aus.

Keine gemeinsamen Kochkurse oder Wildwasser Rafting im Kreis der Kollegen und Kolleginnen, niemand musste gemeinsam fürs Teambuilding in Escape Rooms schmachten oder Vertrauensseminare durchleiden. Was soll dann noch im klassischen Image-Film am Jahresende gezeigt werden? Dabei ist das Reflektieren von Vergangenem ja eigentlich wirklich wertvoll. Pseudoesoterische Kumpelaktionen und das reine Erinnern an die “Events” selber weniger. Fallen sie aus, braucht man auch keine Rückblicke. Oder?

Im Idealfall sollte ein Rückblick, oder ganz agil “Retro” genannt, genutzt werden, um aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Das wäre angebracht, gerade in diesem Jahr – man könnte vergangene Probleme und Problemlösungen gemeinsam überdenken und vorausschauend und zukunftsorientiert aufgreifen. Besonders gut funktioniert das in kleineren Gruppen, zum Beispiel in Teams, Abteilungen oder auch alleine, wie der “Blick von außen” zeigt.

Insbesondere das bewusste Reflektieren von Problemen, ihren Lösungen und deren Auswirkungen auf die einzelnen Mitarbeitenden, die Produkte, das Unternehmen und auch auf die Außenwirkung kann statt Sentimentalität bei Glühwein und Diashow einen echten Mehrwert bieten. Zum Beispiel für das Recruiting, für ein besseres Produkt und für die Mitarbeiterbindung. Dieses eigentliche Potenzial der Rückblicke wird aber oft verschenkt. Vielleicht finden Unternehmen einen Weg, die durch fehlende Rückblicke auf Weihnachtsfeiern gewonnene Zeit für wenige Stunden der Besinnung aufzuwenden und das Jahr in den Teams zu reflektieren. Im normalen Arbeitsalltag bleibt dafür ja meist keine Zeit. Aber wer weiß, gerade wenn man denkt, man kommt um etwas herum, wird man überrascht. Eine Lektion, die wir gerade aus 2020 eher schmerzvoll ziehen können.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Dezember-Ausgabe erschienen. Ein Abonnement können Sie hier abschließen.

Ist Redakteur der Personalwirtschaft und betreut das Magazin als Projektleiter. Er kümmert sich außerdem um die crossmediale Verbreitung der Inhalte. Seine Themenschwerpunkte sind Employer Branding, HR-Software sowie Betriebliches Gesundheitsmanagement.