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Marktforschungsunternehmen ermöglicht Mitarbeitenden unbegrenzten Urlaub

Urlaub, wann immer die Mitarbeitenden das wünschen und
Arbeiten, egal von wo. Möglich ist das beim Marktforschungsunternehmen Appinio.
Aber was steckt wirklich dahinter? Wir sprachen mit dem CEO Jonathan Kurfess.

Portrait Jonathan Kurfess.
Jonathan Kurfess, CEO und Gründer von Appinio. Foto: Appinio

Die Mitarbeitenden des Marktforschungsunternehmen Appinio
können mobil arbeiten und zwar egal von wo. Seit dem 1. Juli können sie aber
auch Urlaub machen, wann sie wollen – und wie viel sie wollen. Beide Angebote richten
sich ausnahmslos an alle, die bei Appinio angestellt sind, vom CEO Jonathan
Kurfess bis zum “normalen” Mitarbeiter oder der normalen Mitarbeiterin.

Ausgangspunkt der Projekte seien Überlegungen in der
Geschäftsführung gewesen, eine Unternehmenskultur zu verankern, die auf mehr
Vertrauen baut und Mitarbeitende intrinsisch motiviert, erklärt Kurfess. “Dabei
waren wir uns sehr schnell einig, dass mit unserem Team und unserer
Firmenkultur eine solche Regelung, die auf maximalem Vertrauen basiert, möglich
ist und kein Produktivitätsverlust bedeutet – im Gegenteil.” Daraufhin habe die
Geschäftsführung gemeinsam mit dem HR-Team eine Möglichkeit gesucht, wie diese Überlegungen
in neue Arbeitsort- und Urlaubsrichtlinien umsetzbar seien.

“Zuerst haben wir die Maßnahmen an unser Leadership-Team
kommuniziert, also an alle, die Team-Verantwortung haben, und um Feedback
gebeten”, erklärt Kurfess. Das sei durch die Bank positiv ausgefallen, weshalb
die Projekte nach einer vierwöchigen Planungsphase auf das komplette
Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden ausgerollt wurden. Auch dort sei
das Feedback bislang zu 100 Prozent positiv. Ihm sei es wichtig, dass sich
durch die Veränderung die Lebensqualität der Beschäftigten verbessert. “Nebenbei
schaffen wir aber auch eine starke Employer Brand und erhöhen die Motivation”,
ist Kurfess überzeugt. “Denn wir signalisieren dadurch ein durchweg positives
Menschenbild: Empowerment statt Kontrolle.” Zudem führe das Mehr an
Lebensqualität auch zu einer besseren Gesundheit und diese letztlich zu mehr Leistung
am Arbeitsplatz. “Eine Win-Win-Situation”, findet der CEO.

Flexibilität im Arbeitsumfeld bedeutet mehr
Lebensqualität
 

Kurfess ist allerdings bewusst, dass so etwas nicht in
jedem Unternehmen funktioniert: “Es macht in unserer Branche schlichtweg keinen
Sinn, an festen Kernarbeitszeiten von 9 bis 18 Uhr festzuhalten, wie es ja
lange gang und gäbe war – und in vielen Branchen auch gar nicht anders geht,
etwa im Handel oder im Handwerk.” Zudem setze sein Unternehmen schon länger auf
die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der einzelnen Mitarbeitenden. “Die
Teams managen sich selbst und sorgen zu jeder Zeit dafür, dass die Organisation
ohne Verluste funktioniert”, erklärt Kurfess.

Wir haben von Anfang an auf Mitarbeitende gesetzt,
die intrinsisch motiviert sind und einen Mehrwert in ihrer Arbeit sehen.

Gerade deshalb bleibe die Arbeit auch nicht an
einzelnen wenigen hängen. “Wir haben von Anfang an auf Mitarbeitende gesetzt,
die intrinsisch motiviert sind und einen Mehrwert in ihrer Arbeit sehen. Wir
müssen – und wollen – niemanden zur Arbeit tragen.” Sollte es dennoch jemals zu
Konflikten kommen, sei er davon überzeugt, dass dies direkt in den Teams
besprochen und geklärt wird. Zudem ist in die Neuregelung eine Art Selbstschutz
eingebaut: Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin darf zwar so viel Urlaub
nehmen, wie er oder sie will – eine Mindestanzahl von 20 Tagen darf aber nicht
unterschritten werden. 

Ist Redakteur der Personalwirtschaft und kümmert sich insbesondere um die crossmediale Verbreitung der Inhalte. Seine Themenschwerpunkte sind Employer Branding, HR-Software sowie Betriebliches Gesundheitsmanagement.