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So ermöglicht Nestlé den Mitarbeitenden, Hunde mit ins Büro mitzunehmen

Gunnar Tödt, Head of Employee Relations & Operations HR bei Nestlé, ist bei den meisten Hundetrainings dabei. (Foto: Nestlé)
Gunnar Tödt, Head of Employee Relations & Operations HR bei Nestlé, ist bei den meisten Hundetrainings dabei. (Foto: Nestlé)

Was wie ein Spaziergang von vier Hunden mit ihren Herrchen und Frauchen aussieht, ist eigentlich ein Workshop. Doch nicht um die Mitarbeitenden geht es an diesem Tag auf dem Nestlé-Betriebsgelände in Niederrad, Frankfurt am Main, sondern um die Tiere. “Es ist wichtig, dass sich die Hunde mit ihresgleichen vertragen”, sagt Gunnar Tödt, Head of Employee Relations & Operations HR, als er von dem Workshop erzählt. Bei dem Nahrungsmittelkonzern dürfen Hunde seit 2018 mit zur Arbeit in der Firmenzentrale genommen werden, allerdings nur unter einer Bedingung: Sie müssen bürofit sein. Sprich: Sie müssen sich benehmen und durch das Arbeitsumfeld navigieren können.

Um sicherzustellen, dass dies der Fall ist, gibt es regelmäßig Workshops, in denen Hund und Herrchen oder Frauchen geprüft werden. Gemeinsam mit einem professionellen externen Hundetrainer laufen die Mitarbeitenden und ihre Hunde einmal um den Block, um zu zeigen, wie sie miteinander zurechtkommen und wie die Hunde generell auf externe Einflüsse reagieren. Danach widmet sich der Trainer jedem Hund einzeln und es geht ins Büro. Schafft es das Tier, durch das Drehkreuz zu gehen, Aufzug zu fahren und sich nicht vom Treiben im Betrieb ablenken zu lassen? Hört der Hund auf Grundkommandos, wie Sitz und Platz und ist leinenfügig? Wenn ja, dann stehen laut Tödt die Chancen für eine Zugangserlaubnis in die Nestlé-Zentrale nicht schlecht.

Neben dem erfolgreichen Absolvieren des Bürohunde-Workshops müssen die Tiere älter als ein Jahr alt und stubenrein sein. Zudem bedarf es eines Nachweises aller gängigen Hundeimpfungen, um zu belegen, dass die Tiere entwurmt und möglichst keine Krankheitsübermittler sind. Bei Nestlé werde dies einmal jährlich überprüft. Genauso muss der Hundebesitzer oder die -besitzerin nachweisen, dass der Vierbeiner versichert ist.

Rücksicht auf alle Mitarbeitenden nehmen  

Und schließlich müsse das Umfeld für einen Hund geeignet sein: Zum einen könnten Hunde nicht in Produktionsbereiche oder Lager mitgenommen werden. Zum anderen dürften die Kollegen und Kolleginnen nichts gegen das neue Teammitglied einzuwenden haben. “In jedem Fall muss mit dem Team gesprochen werden”, sagt Personaler Tödt. “Das direkte Arbeitsumfeld muss sein Okay geben.” Denn manche Mitarbeitenden hätten Angst vor Hunden, seien allergisch gegen sie oder fänden die Vierbeiner aufgrund ihrer Haare oder ihres Speichels eklig.  

Auf sie müsse Rücksicht genommen werden. Sie sollen nicht durch Zufall auf dem Flur oder in Meetingräumen mit den Hunden in Kontakt kommen. Deswegen sind bei Nestlé die Bereiche für die Vierbeiner klar vorgegeben. “Jeder Hund hat eine Ecke im Büro seines Frauchens oder Herrchens und liegt dort die meiste Zeit in seinem Körbchen in einer gekennzeichneten Zone”, sagt Tödt. Ins Büro gelangen die Hunde über einen separaten Aufzug, der als “hundefreundlich” markiert ist, auf dem Betriebsgelände gilt Leinenpflicht, Hundebüros sind als solche klar markiert.

Der Hund darf nicht die Hauptrolle spielen

Unterstützung bei der Bürohund-Prüfung und der Arbeitsalltagsgestaltung mit Tier im Büro bekommt Nestlé von einem Team aus seiner Tochterfirma Nestlé Purina, einem Hersteller von Heimtiernahrung. Mit der Initiative Pets@Work will Nestlé Purina Unternehmen und Arbeitnehmern dabei helfen, Haustiere am Arbeitsplatz möglich zu machen. Bisher haben sich 94 Unternehmen der Allianz angeschlossen.

Damit der Hund im Büro nicht die Hauptrolle spielt, stellt die Initiative ihren Mitgliedern Material wie Schilder mit der Aufschrift “Nicht anfassen, nicht streicheln, nicht füttern” zur Verfügung. So solle der Hund von den Kolleginnen und Kollegen nicht zu viel Aufmerksamkeit bekommen und lernen, sich in den Arbeitsalltag einzuordnen. Nur so könne das Tier dabei helfen, Stress zu reduzieren und die Atmosphäre im Büro aufzulockern, denn man komme über den Hund ins Gespräch und durch dessen Präsenz ein Stück weit mehr ins Hier und Jetzt zurück – wenn es nur durch einen kurzen Spaziergang ist.

Bei Nestlé haben bisher rund 50 Vierbeiner den Bürohundeworkshop absolviert, nur einer von ihnen ist durchgefallen. Wer es schafft, bekommt nicht nur Zugang zum Betriebsgelände, sondern auch ein Starter-Kit mit Körbchen, Leckerli, Reinigungsspray und einem Aufkleber für die Bürotür. Und schließlich hängt sein Foto im Eingangsbereich, damit jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin weiß, welcher Hund am jeweiligen Arbeitstag anwesend ist.  

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.

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