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In wie vielen Stellenanzeigen werden Männer eher adressiert?

In fast jeder zweiten Stellenanzeige gibt es einen männlichen Sprach-Bias. (Foto: Torbz_Adobe Stock)
In fast jeder zweiten Stellenanzeige gibt es einen männlichen Sprach-Bias. (Foto: Torbz_Adobe Stock)

Jede zweite Stellenanzeige adressiert deutlich stärker Männer als Frauen. Das geht aus einer Analyse der Jobplattform Stepstone hervor. Die Stärke des Bias hängt mit der Branche, der Berufsgruppe und der (nicht) vorhandenen Führungsverantwortung, die die Position beinhaltet, zusammen. In wenigen Stellenanzeigen werden zudem eher Frauen als männliche Bewerber angesprochen.

Generell sind die wenigsten Stellenausschreibungen in einer neutralen Sprache formuliert. Die Studienverfasser untersuchten 683.000 Stellenanzeigen, die zwischen Dezember 2020 und Mai 2021 auf Stepstone veröffentlicht wurden. Dabei stellte sich heraus, dass 96 Prozent von ihnen geschlechtsspezifische Formulierungen enthalten. Etwa 50 Prozent waren von männlich geprägter Sprache durchzogen, circa 32 Prozent von weiblicher und rund 17 Prozent geschlechtsneutral geschrieben.

Worte, die eher Männern oder Frauen zugeordnet werden

Analysiert wurden die Ausschreibungen mit Blick auf bestimmte Worte, die als “eher männlich” oder “eher weiblich” eingestuft wurden. Als männlich kodierte Worte galten neben den männlichen Formen von Substantiven auch einige Adjektive – sowie alle Wörter mit einem entsprechenden verwandten Stamm. Das waren vor allem Worte wie “selbstständig” und “individuell”, die in 32 Prozent und 24 Prozent der Stellenanzeigen vorkommen. Auch wurden oft “herausfordernd” (20 Prozent), “karriereorientiert” (19 Prozent) und “aktiv” (18 Prozent) verwendet.

Als weiblich haben die Studienverfasser die Adjektive “engagiert” und “zuverlässig” kodiert. “Engagiert” kam in 26 Prozent der Stellenausschreibungen vor, “zuverlässig” in 18 Prozent. Viele Stellenanzeigen enthielten zudem die als weiblich kodierten Worte “verantwortungsvoll” (17 Prozent), “motivierend” (16 Prozent) und “kreativ” (13 Prozent).

Wie häufig diese Worte verwendet wurden, hängt laut den Studienverfassern damit zusammen, welcher Branche die freie Position zugeordnet wird. Einen starken männlichen Bias gibt es demnach vor allem in den Stellenanzeigen der Telekommunikations- (42 Prozent), der Finanz- (33 Prozent) und der Bankenbranche (32 Prozent) sowie bei Ausschreibungen aus der Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung und dem Recht (32 Prozent).

Drei Branchen veröffentlichten im Schnitt Stellenanzeigen mit mehr Begriffen, die mit dem weiblichen Geschlecht assoziiert werden: die Hotellerie und Gastronomie (26 Prozent), das Gesundheitswesen und Soziale Dienste (25 Prozent) sowie der Bildungsbereich (19 Prozent).

Tendenz zum männlichen Bias in der Beratung

Was die Berufsgruppen innerhalb der Branche betrifft, wenden sich vor allem Recruiter und Recruiterinnen aus der Beratung durch ihre Sprache verstärkt an männliche Bewerber. 36 Prozent ihrer Stellenanzeigen enthalten einen starken männlichen Bias. Das gilt auch für ihre Kollegen und Kolleginnen aus dem Vertrieb und Verkauf sowie aus dem Finanzbereich (jeweils 34 Prozent). Die Stellenanzeigen im Ingenieur-Wesen und der IT sind zwar mit jeweils 26 Prozent immer noch eher männlich formuliert, sind aber im Vergleich keinesfalls die Spitzenreiter. Einen weiblichen Sprach-Bias enthalten vor allem Stellenausschreibungen aus dem Bereich Reisen (37 Prozent), Soziales (33 Prozent) und überraschenderweise auch aus dem Logistik-Bereich (36 Prozent).

Das Hierarchielevel der ausgeschriebenen Position beeinflusst laut der Studie zudem die Ausprägung eines Sprach-Bias in einer Stellenanzeige. Stellenausschreibungen für Manager oder Personen mit Führungsverantwortung sind eher so formuliert, dass sie tendenziell Männer ansprechen (62 Prozent). Stellenanzeigen für Berufseinsteiger oder Mitarbeitende ohne Führungsverantwortung sind das im Vergleich nur zu 49 Prozent.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.