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Unternehmen vernachlässigen die Nachwuchspflege

Damit die Generation Z im Job happy wird, müssen sich Unternehmen schon während des Praktikums anstrengen.
Foto (CCO): pexels.com
Damit die Generation Z im Job happy wird, müssen sich Unternehmen schon während des Praktikums anstrengen.
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Die große Mehrheit der jungen Menschen (90 Prozent), die ein Praktikum absolviert haben, würde sich noch einmal bei diesem Arbeitgeber bewerben, lediglich zehn Prozent sagen Nein. Doch die Unternehmen lassen sich Rekrutierungschancen entgehen, denn rund die Hälfte (49 Prozent) hält nach Ende des Arbeitsverhältnisses keinen Kontakt mehr zu ihren ehemaligen Praktikanten. Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die noch öfter über Nachwuchsprobleme klagen als große Firmen, vernachlässigen die Kontaktpflege zu Ex-Praktikanten sogar noch mehr: 61 Prozent lassen die Verbindung einschlafen. Das sind Ergebnisse des aktuellen “Future Talents Report”, den > Clevis Consult heute im Rahmen des “Future Talents Forum 2019” in Berlin vogerstellt hat. Für die Studie, in den letzten acht Jahren als “Clevis Praktikantenspiegel” veröffentlicht, wurden von Mai bis November des vergangenen Jahres 7664 Talente zu ihren Praktikumserfahrungen befragt. Die Kommunikation der deutschen Unternehmen zu jungen Talenten sei besorgniserregend schlecht, kommentiert Kristina Bierer von Clevis Consult die Ergebnisse.

Möglichkeiten zur Bindung der jungen Talente bleiben ungenutzt

Was die Kontaktpflege betrifft, so zeigt die Studie auch, dass nur jede zehnte Nachwuchskraft über ein Alumini-Netzwerk an den Arbeitgeber gebunden wird. In den besonders gefragten MINT-Fächern ist es sogar nur bei jeder zwanzigsten Nachwuchskraft der Fall. Die Möglichkeit, talentierte Absolventen über Abschlussarbeiten zu binden, nutzen ebenfalls wenige Arbeitgeber: Lediglich jeder sechste Konzern und nur zehn Prozent der KMU sind hier aktiv.

Dass viele Unternehmen es versäumen, sich ihre Praktikanten gewogen zu halten, zeigt sich bereits vor dem Ende des Praktikums. 40 Prozent der befragten ehemaligen Praktikanten gaben an, dass sie von ihrem Arbeitgeber nicht einmal ein Abschluss-Feedback erhalten haben, wobei in Konzernen häufiger so ein Gespräch stattfindet als in KMU.

Zwar unternehmen Arbeitgeber erhebliche Anstrengungen, um sie während eines Praktikums von sich zu überzeugen. Allerdings operieren sie anschließend nach dem Motto “Aus den Augen aus dem Sinn”,

so Bierer. Daher dränge sich der Eindruck auf, dass der oft beklagte Fachkräftemangel auch ein hausgemachtes Problem vieler Unternehmen ist.

Schlechte Führung im Praktikum ist ein K.O.-Kriterium

Abgesehen von der Kontaktpflege hat die Studie bereits in den letzten Jahren immer die gleichen Optimierungspotenziale für Unternehmen ermittelt, die daran interessiert sind, Nachwuchstalente zu rekrutieren: Es geht um die Vergütung, um Aufgabengestaltung sowie Lernpotenzial und auch die Führungsqualität ist besonders wichtig. So empfehlen Praktikanten, die zufrieden mit der Anleitung durch ihren Vorgesetzten sind, das Praktikum eher weiter und sind eher bereit, sich erneut beim Unternehmen zu bewerben. Schlechte Führung hingegen führt zu schlechter Mundpropaganda und ist ein K.O.-Kriterium für eine Wiederbewerbung.

KMU: Geringere Vergütung, unzufriedenere Praktikanten

Was die Praktikumsvergütung betrifft, so unterscheidet sie sich stark je nach Unternehmensgröße. Konzerne zahlten im Studienzeitraum im Schnitt 1318,75 Euro brutto monatlich, bei kleinen und mittleren Betrieben waren es 1087,36 Euro – das ist rund ein Fünftel (21 Prozent) weniger. Allerdings ist die Entlohnung der Praktikanten gegenüber dem Vorjahr sogar gesunken, um 92 Euro monatlich. Sieben Prozent der Praktika werden überhaupt nicht vergütet. Nicht nur wegen der Bezahlung, sondern auch insgesamt sind Praktikanten in KMU deutlich unzufriedener als in Großunternehmen.

Überstunden und Wunsch nach Work Life Balance passen nicht zusammen

Laut der Studie bezeichnen sich die heutigen Berufsstarter – die sogenannte Generation Z – zwar als karriereorientiert, legt aber gleichzeitig besonders großen Wert auf eine ausgeglichene Work Life Balance. Tatsächlich macht jedoch jeder Dritte bereits während des Praktikums Überstunden. Ausgerechnet in Mangelberufen ist die Anzahl jener, die in der Berufsorientierung Mehrarbeit leisten, noch höher: So arbeiten 40 Prozent der Maschinenbauer, 41 Prozent der Wirtschaftsingenieure und 52 Prozent der Chemiker in der Praktikumszeit länger als acht Stunden täglich. Die Studie zeigt jedoch, dass der Grad der Zufriedenheit mit einem Praktikum sinkt, je mehr Überstunden für den Praktikanten anfallen. Um dem starken Bedürfnis nach einer ausgewogenen Work Life Balance entgegenzukommen, sollten Unternehmen schon in der beruflichen Orientierungsphase flexible Arbeitzeitmodelle in ihre Überlegungen einbeziehen, rät Kristina Bierer.

Über die ausführlichen Ergebnisse des “Future Talents Reports” berichten wir in unserem Praxistransfer in Heft 5 der Personalwirtschaft.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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