Herr Heberlein, Sie sind Geschäftsführer der FUNKE Works GmbH und deren Marke Azubiyo, eines der größten Ausbildungsportale Deutschlands. Wie würden Sie aus Ihrer Sicht die Situation am Ausbildungsmarkt beschreiben?
Tobias Heberlein: Die Nachfrage nach qualifizierten Auszubildenden ist auf einem sehr hohen Niveau. Gleichzeitig verzichten laut dem Münchner Ifo-Institut aber immer mehr Unternehmen auf Ausbildungsplätze. Auf unserem Portal spüren wir davon allerdings wenig. Im Gegenteil: Die Zahl der ausschreibenden Arbeitgeber steigt kontinuierlich.
Worauf legen Sie den Fokus bei Ihrem Portal?
Uns ist es besonders wichtig, dass die Quantität und die Qualität der Bewerbungseingänge stimmen. So bleibt den Arbeitgebern viel Arbeit im Auswahlprozess erspart. Das Matching, also die hohe Passgenauigkeit zwischen Unternehmen und potenziellen Azubis, war schon immer eine unserer Stärken. Und das bestätigen uns auch unsere Kund:innen immer wieder.
Mangelnde Berufsorientierung bleibt ein großes Thema im Bereich Ausbildung. Welche Veränderungen sind auf diesem Gebiet nötig?
Wir unterstützen die schulische Berufsorientierung seit vielen Jahren mit Arbeitsheften für den Unterricht und unserer digitalen Lernplattform Azubiyo Tutor. Darüber hinaus sind aber vor allem viele Schnupperangebote in Unternehmen notwendig. Denkt man an die eigenen beruflichen Anfänge zurück, sind es vor allem Praktika, die bleibende Eindrücke hinterlassen. Hier gibt es immer wieder neue, innovative Angebote. Das beste Beispiel ist das Schnupperstudium „DiscoverMINT“ der Deutschen Telekom, das ich als Jury-Mitglied beim Deutschen Personalwirtschaftspreis 2023 als Gewinner der Kategorie Ausbildung & Duales Studium auszeichnen durfte. Mir ist aber bewusst, dass nicht jedes Unternehmen solche großen Maßnahmen umsetzen kann. Deshalb bin ich ein großer Verfechter des klassischen Praktikums.
Wie können Unternehmen effektives Employer Branding für Azubis betreiben?
Wichtig vorab: Employer Branding ist schon lange nicht mehr nur „nice to have“, sondern unverzichtbar. Viele Aspekte spielen hier eine Rolle: Die Kommunikation der Unternehmenskultur, Weiterbildungsmöglichkeiten und Benefits, speziell für Azubis. Am besten und authentischsten werden die Botschaften in der Regel von den Azubis selbst übermittelt. Was jedoch oft vergessen wird: Employer Branding fängt schon bei der Gestaltung der eigenen Karriereseite an. Man sollte sich immer fragen: Ist die Seite so attraktiv, dass ich sie meinen Freunden weiterempfehlen würde? Wenn nicht, muss dringend nachgebessert werden.
Wie lässt sich die junge Zielgruppe am besten ansprechen, was ist überzeugend?
Das ist pauschal schwer zu beantworten, weil sich die Menschen in der Zielgruppe stetig weiterentwickeln und neue Wünsche sowie Eigenschaften entwickeln. Es lohnt sich, aktuelle Studien zu verfolgen, daraus die Ansprüche der jungen Generation abzuleiten und die Ansprache dahingehend anzupassen. Das Wichtigste ist, die eigenen Recruiting-Strategien konstant weiterzuentwickeln und bei schwachen KPIs zu optimieren. Damit meine ich nicht, krampfhaft auf jeden Social-Media-Trend aufzuspringen und damit zu versuchen, zu beeindrucken. Das erwarten junge Menschen oft gar nicht von ihrem Arbeitgeber. Sie erwarten in erster Linie, dass die Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet.
Auf welche Botschaften sollten Unternehmen setzen, um zu überzeugen?
Bei über 140.000 Stellenangeboten auf Azubiyo sehen wir regelmäßig die außergewöhnlichsten und kreativsten Ideen. Viele junge Menschen wollen mit ihrem Beruf etwas in der Gesellschaft bewegen. Den Sinn und Zweck des Ausbildungsberufs oder des Unternehmens zu verdeutlichen, schafft Sympathie und Aufmerksamkeit. Bei aller Kreativität und allem Storytelling sollten aber vor allem die Basics der Stellenanzeige stimmen. Und: Ehrliche und präzise Informationen zahlen sich vor allem langfristig aus. Denn nur so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass beide Seiten das Gleiche von ihrem Engagement erwarten.
