Warum die Aktivrente ein Employer-Branding-Instrument ist

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Jeden Tag gehen in Deutschland Menschen in Rente. Projektleiterinnen und -leiter mit 30 Jahren Branchenwissen. Vertriebsprofis, die Kundenbeziehungen tragen. Meister, die hören, wenn eine Maschine nicht rundläuft. Menschen, die wissen, was im Handbuch steht und wie es in der Praxis tatsächlich funktioniert. Sie sind tief im Unternehmen verwurzelt. Sie kennen Abläufe, Kunden, Konflikte, Abkürzungen und die kleinen Details, an denen die Zusammenarbeit im Alltag hängt. 

Die Aktivrente: Mehr als ein Steuerthema 

Doch es endet nicht einfach nur ein Arbeitsverhältnis. Es stellt sich auch die Frage, ob und wie diese Erfahrung weiterwirken könnte. Denn in Zeiten von Fach- und Arbeitskräftemangel können Arbeitgeber es sich kaum leisten, dieses Wissen einfach ziehen zu lassen. Mit der Aktivrente gibt es dafür nun ein Modell, das für beide Seiten einen Nutzen stiftet.  

Seit Januar 2026 können sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Erreichen der Regelaltersgrenze bis zu 2.000 Euro Arbeitslohn im Monat steuerfrei hinzuverdienen. Das klingt nach Steuerrecht, ist aber viel mehr als das. Und zwar ein guter Anlass, das eigene Employer Branding zu erweitern. 

Internes Employer Branding: Rechtzeitig, konkret, sichtbar 

Denn bisher sprechen Arbeitgeber viel über Einstieg, Entwicklung und Karriere. Das ist alles gut und wichtig. Aber sie sagen oft wenig darüber, was am Ende einer langen Berufsbiografie passiert. Und genau dort entsteht jetzt ein neues Handlungsfeld. Wer Erfahrung halten will, muss daraus ein sichtbares Angebot machen. 

Intern beginnt das mit Kommunikation. Denn Menschen kurz vor der Regelaltersgrenze sollten nicht zufällig erfahren, dass Weiterarbeit möglich ist. Sie sollten rechtzeitig wissen, welche Möglichkeiten es gibt. Nicht im letzten Personalgespräch, sondern, wenn noch Zeit bleibt, eine zukünftige Rolle gemeinsam zu entwickeln. Vielleicht als Mentor, als Projektbegleiterin, als interne Beraterin oder als Wissensgeber für Teams.  

Employer Branding für eine übersehene Zielgruppe 

Extern geht es um ein erweitertes Bild von Zielgruppen. Arbeitgeber müssen nicht nur junge Talente ansprechen. Sie können auch Menschen gewinnen, die Erfahrung mitbringen, neu einsteigen oder noch einmal anders arbeiten möchten. Diverse Beispiele, in großen wie kleinen Unternehmen, zeigen bereits, dass Quereinstiege, Qualifizierung und neue Berufswege nicht nur für klassische Nachwuchszielgruppen gedacht sind. Genau hier lässt Employer Branding aktuell aber meistens noch viele Punkte liegen. 

Die Aktivrente ist dabei nicht einfach eine automatische Verlängerung des Arbeitslebens. Sie schafft zunächst lediglich einen steuerlichen Rahmen. Sie macht Weiterarbeit attraktiver, begründet aber keinen Anspruch auf Weiterbeschäftigung. Und sie verpflichtet Arbeitgeber auch nicht, Beschäftigte proaktiv anzusprechen. Genau deshalb ist HR gefragt. Zum Angebot wird die Aktivrente erst, wenn Unternehmen aktiv auf Menschen zugehen, die bald die Regelaltersgrenze erreichen.  

Doch hier liegt ein entscheidender Punkt. Denn natürlich reicht es nicht, erfahrene Mitarbeitende ein oder zwei Jahre länger zu beschäftigen. Hiermit würde sich der Wissensverlust nur zeitlich nach hinten verschieben. Die zusätzliche Zeit muss genutzt werden. Für Mentoring, für Übergaben, für Wissensdatenbanken. Für Erfahrungsberichte, die nicht in Abschiedsreden verschwinden. Auch KI kann helfen, dieses Wissen zu strukturieren und für andere nutzbar zu machen. 

Drei Fragen, die jetzt zählen 

Wer die Aktivrente sinnvoll in sein Employer Branding übersetzen will, sollte jetzt mit drei Fragen beginnen: 

1. Welche Mitarbeitenden erreichen in den nächsten zwölf bis 36 Monaten die Regelaltersgrenze, und welches Wissen ist mit ihnen verbunden? 

2. Welche Angebote gibt es für Menschen, die weiter beitragen möchten, aber anders arbeiten wollen als bisher? 

3. Wie macht das Unternehmen intern und extern sichtbar, dass Erfahrung will-kommen ist? 

Diese Fragen verschieben die Perspektive. Weg von der stumpfen Verwaltungsangelegenheit eines Austritts, hin zur Gestaltung einer neuen Phase der Zusammenarbeit. Das ist Employer Branding aus einer stabilen Haltung heraus. Nicht als Kampagne, die viel kostet und schnell verpufft. Ist es die ehrliche, im Unternehmen vorherrschende Haltung, wirkt sie als sichtbares Versprechen, dass Erfahrung in Deinem Unternehmen wirklich zählt – nach innen wie nach außen. Es geht um nicht weniger als die Erschließung einer „neuen“ Zielgruppe, deren Wert schon viel zu lange unterschätzt wird.    

Kein Allheilmittel, aber eine Chance 

Die Aktivrente löst den Fachkräftemangel nicht. Sie ist auch kein Allheilmittel für den demografischen Wandel. Aber sie schafft einen Anlass, den Unternehmen nutzen sollten. Sie lädt dazu ein, Erfahrung nicht als Vergangenheit zu betrachten, sondern als Ressource für die nächsten Jahre.

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