2002: Von E-Learnings und Personalabbau 

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„Das Internet ist für uns alle Neuland.“ Während diese Aussage von Altkanzlerin Merkel 2013 viel Spott und Häme nach sich zog, hätten im Jahr 2002 wohl noch viele Personaler dieser Aussage zugestimmt. Obwohl das Internet selbst 2002 längst nicht mehr komplett neu war (wie auch die Zusammenfassung des HR-Jahrs 1997 mit dem Titel „Willkommen im Internet“ zeigt). So richtig angekommen war es damals aber eben auch noch nicht. Deshalb drehten sich wahrscheinlich auch viele der Artikel der insgesamt 15 Ausgaben um die zahlreichen Möglichkeiten, die durch das Internet für die Personalarbeit entstanden sind – von E-Recruiting über Mitarbeiterportale bis hin zu E-Learnings

Eines der vorgestellten E-Learning-Projekte gewann 2002 den Innovationspreis. Die Unicmind.com AG hatte das Projekt für die Tankstelle Aral realisiert. Multimedial aufbereitet wurde den Mitarbeitenden in zwei Lernmodulen Produktwissen vermittelt und Verkaufsschulungen angeboten. Der Vorteil: Man bilde die Belegschaft mit E-Learnings nicht nur weiter, sondern würde auch viele Kosten, wie Reise- oder Übernachtungskosten, einsparen. Gerade in einer angeschlagenen Wirtschaftslage sei dies ein Argument für E-Learnings gewesen. 

Umsatzeinbrüche und eine schwierige wirtschaftliche Lage scheinen damals generell die Arbeit der Personaler und Personalerinnen beeinflusst zu haben. So wurde in der Rubrik „Aufgeschnappt“ in Ausgabe zwei des Jahres vom „Downsizing“ gesprochen. „Wieder ein englischer Begriff, der an eine interessante Managementphilosophie denken lässt“, heißt es dort. Der Autor, Ulrich Althauser, kam jedoch schnell zum Punkt: Hinter „Downsizing“ verstecke sich einfach das langweilige deutsche Wort Personalabbau. Er sinnierte im weiteren Verlauf des Artikels darüber, ob dies in der aktuellen wirtschaftlichen Lage für die meisten Firmen sinnvoll sei. Seine Meinung: Nein. Durch einen blinden Kahlschlag würden nämlich Themen wie Retention, Employability und Employer Branding unter den Tisch fallen. Vielmehr wären in schwierigen Zeiten kreative Lösungen gefragt. Ein voreiliger Personalabbau, nur um Kosten zu sparen, würde „sich sofort rächen, wenn es wieder bergauf geht.“ Diese Warnung könnte wohl kaum aktueller sein.  

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Kuriosität des Jahres  

„Dem Headhunter auf der Spur“: So titelten die Autorinnen Isabell Kersten und Sabine Dunant einen Artikel in der März-Ausgabe des Jahres 2002. Im Artikel wird von den Anti-Headhunter-Maßnahmen der Tele Atlas Deutschland GmbH, die später von TomTom übernommen wurde, berichtet. Das große Problem der Firma: Durch die Headhunter bekamen Mitarbeitende überzogene Vorstellungen über den eigenen Wert und wollten diese dann bei ihrem aktuellen Arbeitgeber einfordern. Aufgrund zunehmender Abwerbeversuche belohnte die Tele Atlas die eigenen Mitarbeitenden mit 50 Euro für jeden aufgespürten Headhunter. Vielleicht sollten Unternehmen ihren Mitarbeitenden aber auch einfach ein faires und marktgerechtes Gehalt zahlen. Dann müsste man sich auch keine Gedanken um Anti-Headhunter-Maßnahmen machen. Das hat Tele Atlas Deutschland wohl auch schon verstanden. Denn der beste Schutz vor Headhuntern ist nach Meinung der beiden Autorinnen immer noch eine attraktive Personalpolitik. 

Technik-Trend des Jahres 

Spätestens seit den Corona-Lockdowns sind Webkonferenzen durch Teams, Zoom und ähnliche Software für die meisten fester Bestandteil des Arbeitsalltags. Doch auch 2002 arbeiteten schon erste Unternehmen mit der „innovativen Technologie“, wie die Personalwirtschaft berichtete. „Die Türen der Kommunikation stehen in diesen Tagen weit auf, und mit dem Internet sind die Türen förmlich aus den Angeln gerissen.“ Als Vorteile der Technologie werden beispielsweise das Einsparen von Reisekosten und die Simulation einer „lebensechte Kommunikation“ genannt – alles mit Hilfe von USB-Kameras und einer Kommunikationsplattform bereitgestellt von Interwise. 

Interview des Jahres  

Auch in der Aprilausgabe des Jahres 2002 spielte das Thema „Downsizing“ eine Rolle, und zwar bei der Frage, wie ein Unternehmen Geld einspart, um großangelegte Entlassungen zu verhindern. Im Interview mit der „Personalwirtschaft“ erzählte der damalige Personalvorstand der Lufthansa, Stefan Lauer, davon, wie die Airline mit der Krise, die durch die Anschläge vom 11. September entstanden sind, umgeht. Lufthansa reagierte mit einer Lösung in Zusammenarbeit mit den Tarifpartnern. Einerseits einigte man sich auf Kürzungen bei der Vergütung, im Gegenzug aber auch darauf, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Doch nicht nur die „normale“ Belegschaft verzichtete auf Geld, auch über 90 Prozent der Führungskräfte. 

Frederic Haupt war Volontär der Personalwirtschaft.