Bei der Arbeitgeber-Plattform Kununu (Eigenschreibweise: „kununu“) können Beschäftigte anonym bewerten, wie es bei ihrem Arbeitgeber zugeht. Der daraus berechnete Kununu-Score ist für viele Unternehmen ein wichtiger Indikator, um ein Bild davon zu erhalten, wie sie von ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wahrgenommen werden. Nun ändert Kununu die Berechnungsmethode dieses Scores.
Was sagt der Kununu-Score aus?
Der Kununu-Score ist der Gesamtdurchschnitt aller Bewertungen, die aktuelle und ehemalige Beschäftigte auf der Online-Plattform hinterlassen haben. Auf einer Skala von 1 bis 5 können sie bewerten, wie sie ihr Unternehmen als Arbeitgeber wahrnehmen. Die Bewertungen erfolgen dabei anonym. Bislang flossen alle Einträge, unabhängig von ihrem Alter, gleichgewichtig in diesen Durchschnitt ein. Das wird sich ab September 2026 jedoch ändern.
Welche Änderung nimmt Kununu an der Score-Berechnung vor?
Die grundlegende Änderung betrifft die Frage, wie Bewertungen gewichtet werden. Demnach sollen künftig neuere Einträge stärker zählen als ältere. Die Neuberechnung tritt Kununu zufolge am 1. September 2026 in Kraft. Matthäus Bognar, Sales Director Account Management bei Kununu, bezeichnet diese Umstellung in einem Linkedin-Kommentar als „eine der größten Veränderungen, die wir bei Kununu seit Langem vorgenommen haben”.
Das Ziel dahinter: Der Score soll besser abbilden, wie es in einem Unternehmen aktuell aussieht, und nicht, wie es dort vor Jahren einmal war. „Er wird dadurch deutlich repräsentativer”, so Bognar. Damit vollziehe Kununu, was anderswo längst Standard sei, etwa bei Google oder dem Online-Bewertungsportal Trustpilot, das dieses Vorgehen offiziell auf seiner Website bestätigt. Neuere Bewertungen werden bei Trustpilot stärker gewichtet, da sie die aktuelle Kundenzufriedenheit besser widerspiegeln.
Kununu ergänzt auf Anfrage unserer Redaktion, dass die Neuerung auch die Unternehmenswünsche widerspiegele: „Gleichzeitig greift die Weiterentwicklung das Feedback von Unternehmen auf, die sich einen stärkeren Fokus auf aktuelle Entwicklungen ihrer Arbeitgebermarke gewünscht haben.“
Was passiert mit einem guten Score, der auf älteren Bewertungen beruht?
Auf der Webseite von Kununu heißt es, dass frühere Erfahrungen nicht gänzlich herausfallen, sondern Bestandteil des neuen Scores bleiben. Kununu gewichtet Scores zukünftig nach dem Alter der jeweiligen Mitarbeiterbewertung und dem Veröffentlichungsdatum beziehungsweise dem letzten Aktualisierungsdatum der Bewertung. Die konkrete Gewichtung nach Alter sieht nach Angaben von Kununu wie folgt aus:
| Alter der Bewertung | Gewichtung |
| Bis 1 Jahr | 100 Prozent |
| 1-2 Jahre | 75 Prozent |
| 2-3 Jahre | 50 Prozent |
| 3-4 Jahre | 25 Prozent |
| Älter als 4 Jahre | 5 Prozent |
Was das für Arbeitgeber aber auch bedeutet: Wer seinen Score in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, aber kaum neue Bewertungen bekommt, wird das unter Umständen spüren. Eine vier Jahre alte Bewertung zählt nur noch mit fünf Prozent, egal, wie positiv sie war. Das Ergebnis: Der Score kann sinken, ohne dass eine einzige neue schlechte Bewertung dazugekommen ist.
Wie fließen neue Mitarbeiterbewertungen in den Score ein?
Kununu klärt auch die Frage, wann sich der Score aktualisiert, und zwar automatisch, sobald neue Bewertungen eingehen oder bestehende aktualisiert werden oder eine Bewertung älter wird und damit in eine niedrigere Gewichtungsstufe rutscht. Bewerberbewertungen bleiben dabei außen vor, wie die Arbeitgeberplattform klarstellt. Sie erscheinen zwar auf dem Profil, fließen in die Berechnung jedoch nicht ein.
Timing sorgt auf Linkedin für Unmut
Die Score-Umstellung bleibt auf Linkedin nicht ohne Widerspruch. Eine Nutzerin teilt ihre Erfahrung zur geplanten Score-Änderung mit ihrer Community: Sie kündigte ihr Premium-Paket und erfuhr kurz darauf, dass Kununu den Score künftig neu berechnen werde. Gleichzeitig wurde ihr ein Termin für ein Gespräch angeboten, um über die Score-Umstellung zu sprechen. Für die Nutzerin ist das Timing problematisch: „Arbeitnehmer sollen Kununu vertrauen. Dann sollten Arbeitgeber besser nicht das Gefühl bekommen: Da geht vielleicht doch was.“
Kununu selbst stellt in der Kommentarspalte klar: Ob ein Unternehmen ein kostenpflichtiges Profil nutzt oder nicht, habe keinerlei Einfluss auf die Berechnung des Scores.
Auch die Anonymitätsdebatte kommt auf
Die Debatte auf Linkedin lässt auch ein weiteres, viel diskutiertes Thema aufkommen: die Anonymität von Bewertungen bei Kununu. Der Gründer und Geschäftsführer einer Webagentur kritisiert etwa: Solange jeder anonym und ohne Verifizierung bewerten könne, wäre das eigentliche Problem, und zwar die Frage, wer überhaupt bewertet, nicht behoben. Daran ändere auch eine Neudefinition des Scores nichts. In seinem eigenen Unternehmen wurde ihm Diskriminierung im Bewerbungsprozess vorgeworfen, obwohl zu dem Zeitpunkt noch kein Gespräch stattgefunden habe.
Wie Arbeitgeber die neue Gewichtung des Kununu-Scores reagieren und wie sich die Diskussion darum entwickelt, wird sich ab dem 1. September 2026 zeigen.
Mara Marx ist Volontärin bei der Personalwirtschaft.

