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Verbesserung der Unternehmenskultur durch Technik?

Zu viele virtuelle Meetings
Jeder dritte Büroangestellte findet, dass Technologie zu einem Übermaß an virtuellen Meetings führt. Foto: © Girts-stock.adobe.com

Digitale Tools schaffen Telearbeitern die Möglichkeit, mit ihrem Team und Vorgesetzten wenigstens auf Distanz zu kommunizieren. Die Mehrheit der Arbeitnehmenden ist der Meinung, dass sich moderne Technologie positiv auf die Unternehmenskultur auswirkt. Allerdings stellt ein nicht unerheblicher Anteil auch negative Effekte fest, dazu gehören zu viele virtuelle Treffen sowie das Gefühl, einem höheren Leistungsdruck ausgesetzt zu sein.

Im Auftrag von Hotwire, einem Beratungsunternehmen für Technologiekommunikation, hat das Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov zwischen dem 12. und 19. Oktober dieses Jahres eine Umfrage unter 2.020 Büroarbeitskräften ab 18 Jahren durchgeführt. Dabei lag der Schwerpunkt auf neuen Technologien und dem Zusammenhang mit der Unternehmenskultur.

Schlechte Kultur nach Gehalt zweitwichtigster Kündigungsgrund

Der Hauptgrund, um das Unternehmen zu wechseln, ist ein zu niedriges Gehalt; rund die Hälfte der Befragten (52 Prozent) gibt dies an. Gleich an zweiter Stelle mit 45 Prozent steht eine schlechte Firmenkultur. Gefragt danach, was eine gute Unternehmenskultur ausmacht, nannte jeder Zweite (50 Prozent) die gerechte Behandlung aller Mitarbeitenden. 45 Prozent stimmten der Aussage zu, dass Unternehmen die Kommunikation innerhalb ihrer Belegschaft fördern sollten. Weiteren 40 Prozent ist es wichtig, dass die Arbeit – auch finanziell – angemessen honoriert wird.

Digitale Tools können Firmenkultur nicht nur verbessern

Im Folgenden wurden die Studienteilnehmenden gefragt, ob Technologie die Unternehmenskultur ihrer Meinung nach positiv beeinflussen kann. Etwas mehr als zwei Drittel (68 Prozent) stimmten der vorgegebenen Aussage zu. Davon sagt gut die Hälfte (54 Prozent), dass sich die Kultur seit der Einführung digitaler Tools – etwa Videokonferenzen oder Instant Messaging – tatsächlich verbessert hat. 46 Prozent finden, dass sich auch die Zusammenarbeit in ihren Teams positiv entwickelt hat. Immerhin rund ein Viertel (26 Prozent) hat jedoch festgestellt, dass sich die Zusammenarbeit durch neue Technologien verschlechtert hat. Und fast ein Drittel (32 Prozent) sagt, das Arbeitsklima habe sich zum Negativen gewandelt. Insgesamt ein Fünftel der Befragten (21 Prozent) gibt an, dem Einfluss von Technologie auf die Unternehmenskultur wegen negativer Erfahrungen kritisch gegenüberzustehen.

Technologie an sich ist also kein Allheilmittel, um die Unternehmenskultur in positiver Hinsicht zu beeinflussen. Dominiert sie zu stark oder wird nicht richtig eingesetzt, bringt sie Nachteile für die Mitarbeitenden mit sich. Mehr als jeder zweite Befragte (54 Prozent) ist der Meinung, dass die Anzahl der digitalen Tools, auf die tatsächlich benötigten beschränkt sein sollte. Explizit zu den negativen Einflussfaktoren befragt, hat ein Drittel (33 Prozent) die Erfahrung gemacht, dass der Einsatz neuer Technologien zu vielen ihrer Ansicht nach vermeidbaren Meetings führt. Fast ebenso viele (31 Prozent) haben das Gefühl, ständig unter Beobachtung zu stehen. Mehr als jeder Vierte (26 Prozent) findet, dass der Leistungsdruck zugenommen hat. Kaum weniger Angestellte (24 Prozent) berichten, dass die Erwartungen an eine Always-on-Kultur zugenommen haben. Zu viele digitale Meetings, zu viel Kontrolle

Technologie ist der Schlüssel, um physische Distanz oder unterschiedliche Arbeitszeiten zu überwinden. Das gelingt aber nur, wenn Unternehmen sich auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden konzentrieren, statt Lösungen einzuführen, die die Komplexität oder den Druck unnötig erhöhen,

sagt Ute Hildebrandt, Geschäftsführerin von Hotwire Deutschland. Die Akzeptanz in der Belegschaft sei dabei unabdingbar und der Mehrwert eines Tools müsse die Mühe der Implementierung übersteigen. Nur so könnten Kommunikation und Kultur gestärkt werden.

Eine Möglichkeit, die Akzeptanz der Belegschaft für neue Technologien zu erhöhen, kann laut Studie ein Mitspracherecht der Mitarbeitenden sein: Fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) fände es gut, vor der Anschaffung solcher Tools mitreden zu können.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.