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Von Ulm nach Abuja: Aufbruch in eine neue Welt

Seit 2015 ist Alexander Cornford als Head of HR für die internationale Belegschaft von Julius Berger Nigeria Plc verantwortlich.
Seit 2015 ist Alexander Cornford als Head of HR für die internationale Belegschaft von Julius Berger Nigeria Plc verantwortlich.

Alexander Cornford ist seit Januar 2015 als Head of HR für die internationale Belegschaft des Bauunternehmens Julius Berger Nigeria Plc verantwortlich. In Abuja, der Hauptstadt des westafrikanischen Staates, befindet sich die Zentrale des Unternehmens. Mit  rund 500 Expatriates, bestehend aus Ingenieuren, Kaufleuten, Vorarbeitern und Polieren sowie etwa 10.000 lokalen Arbeitskräften zählt Julius Berger zu einem der größten privaten Arbeitgeber des 180 Millionen-Einwohner-Landes.

Das Unternehmen realisiert Bauvorhaben in den Bereichen Hochbau, Infrastruktur und Industrieanlagen. Darunter sind viele Großprojekte, die in der Regel schlüsselfertig gebaut und zunehmend auch betrieben werden. “Wir engagieren einen Betonpolier aus dem Ausland. Der leitet dann eine Arbeitsgruppe aus 50 bis 300 lokal angestellten Mitarbeitern, je nach Größe des Projekts”, erklärt der 39-jährige Personaler.

Alexander Cornford besitzt den britischen und den deutschen Pass, hat in Frankfurt am Main Volkswirtschaft und Politik studiert und sich anschließend bei einer Luftfrachtgesellschaft binnen vier Jahren zum HR-Manager hochgearbeitet. Vier weitere Jahre war er Head of HR für Deutschland und Österreich bei Fiat Services in Ulm. Dann wurde ihm angeboten, HR-Leiter bei einem der größten Bauunternehmen Nigerias zu werden. “Ein ganz toller Job”, erklärte der Headhunter. Zwei Gespräche und einen Kurzbesuch in Abuja weiter war der Deal perfekt. Die beiden Söhne im Kindergartenalter mussten nicht lange überzeugt werden, und auch die Ehefrau war schnell für den Schritt ins Ausland gewonnen. Sie kann als Grafikdesignerin überall auf der Welt arbeiten.

Wenn wir das jetzt nicht machen, dann machen wir das gar nicht mehr,

so Cornfords Überlegung.

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land und die größte Volkswirtschaft auf dem schwarzen Kontinent mit reichen Vorkommen an Erdöl und Gas. Eine der Herausforderungen, denen sich der im Frühjahr 2015 neu gewählte Präsident stellen muss, ist die Bewältigung der Wirtschaftskrise, unter der das Land leidet. Was bewegt einen Personaler, mit seiner Familie aus dem beschaulichen Ulm in das Abenteuer Nigeria aufzubrechen? Cornford sagt, er hatte eine ganz andere Ecke der Welt kennenlernen und sich fachlich neuen Herausforderung stellen wollen. Nachdem sich der Personaler acht Jahre lang mit verschiedenen HR-Aufgaben in Deutschland beschäftigt hatte, bot Julius Berger Nigeria eine spannende Veränderung – inhaltlich wie geografisch.

Leben im Life-Camp

Der Alltag in Abuja erwies sich jedoch als um einiges weniger abenteuerlich als vor der Ausreise gedacht. Wie in den meisten Ländern außerhalb Europas und der Vereinigten Staaten üblich, leben die Cornfords mit anderen Expatriates in einem sogenannten Life-Camp der Firma. “Man begegnet sich nach Feierabend im Supermarkt, beim Sport, am Pool, im Clubhaus, auf privaten Partys, Elternabenden und allen möglichen Firmenveranstaltungen”, sagt Cornford. Es sei eine Herausforderung, die Grenze zu ziehen zwischen dienstlichen und privaten Belangen, die Vertraulichkeit zu bewahren und bei aller Nähe zu den Kollegen seiner eigenen Position gerecht zu werden.

Während seiner 56-Stundenwoche von Montag bis Samstag leitet der Deutsch-Brite das 35-köpfige HR-Team in Nigeria. Die Konzernsprache ist Englisch, die HR-Strukturen und -Prozesse sind eng an die deutschen geknüpft. Von der Tochterfirma Julius Berger International in Wiesbaden werden Fachkräfte nach Nigeria entsandt und auch andere ausgewählte Aufgaben für den nigerianischen Mutterkonzern übernommen. So teilt sich Cornford etwa die Personalentwicklung mit den Kollegen in der hessischen Landeshauptstadt, während das Personalmarketing komplett in Deutschland verantwortet wird. “Julius Berger bietet deutsches Ingenieur-Know-how in Nigeria”, sagt Cornford. “Der Fokus des Personal- und Hochschulmarketings liegt daher in Deutschland.”

Unabhängigkeit und Selbstständigkeit fördern

Eines von Nigerias Gesetzen, der sogenannte Local Content, schreibt vor, dass ein Expatriate nur dann in das Land geholt werden darf, wenn er oder sie eine vor Ort benötigte und dort nicht verfügbare Qualifikation besitzt. Diese Fachkraft soll während ihres Aufenthalts lokale Mitarbeiter ausbilden und schulen, sodass diese Tätigkeit im Anschluss von Nigerianern übernommen und ausgeübt werden kann.

Der gesetzlichen Vorschrift folgend bieten wir ein Internship Program für nigerianische Absolventen an

erklärt der Personalleiter.

Und wie viel Abenteuer steckt im Leben der Cornfords in Nigeria? “Natürlich sind wir hier in einer anderen Welt. Doch gerade Abuja ist sehr im Wandel und entwickelt sich zu einer Großstadt, wie man sie auch in Europa finden könnte. Uns geht es richtig gut hier!”

Autorin: Christine Demmer, Freie Journalistin, Värnamo/Schweden

Dieser Beitrag ist Teil III unserer Serie Personaler im Ausland. Lesen Sie hier die anderen Teile:

› Teil I: Immer auf Achse – Oliver Grohmann bei LG Electronics, Korea

› Teil II: Global HR haben die Schweizer nicht erfunden – Stefanie Lowey von Seckendorff bei Ferring Pharmaceuticals, Schweiz

› Teil IV: “Eigentlich wollte ich nur zwölf Monate bleiben” – Anja Siedhoff bei CEPSA, Spanien