Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Bedarf an Qualifizierung und digitalen Skills steigt

Hand eines Mannes tippt auf Laptop-Tastatur, im Bild digitale Symbole
Die Corona-Krise hat die Digitalisierung der Arbeit und des Lernens beschleunigt.
Foto: © Rymden-stock.adobe.com

In Deutschland geben 84 Prozent der Unternehmen an, dass Fort- und Weiterbildung ein Thema auf der Vorstandsagenda ist. Vier von zehn Arbeitgebern (39 Prozent) sagen, dass sie den Fokus seit Beginn der Pandemie verstärkt auf Qualifizierung gelegt haben. 44 Prozent unterstützen in der Krise auch freigestellte Mitarbeiter mit Angeboten zur Weiterqualifizierung. Das sind Ergebnisse der Studie “Die Zukunft der Qualifizierung in Unternehmen nach Corona”, die der Stifterverband in Zusammenarbeit mit McKinsey & Company durchgeführt hat. Dafür wurden im August leitende Angestellte und Personalverantwortliche aus 550 Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern in Deutschland befragt.

Erhöhter Weiterbildungsbdarf, mehr digitale Lernangebote

Im Zuge der derzeitigen Entwicklung werden nach Einschätzung der befragten Unternehmen bestimmte Zukunftsfähigkeiten besonders bedeutend und erhöhen den Weiterbildungsbedarf. Gleichzeitig wird auch der Fort- und Weiterbildungsmarkt zunehmend digitalisiert. Vor
Beginn der Krise stand in den befragten Unternehmen erst rund ein
Drittel (35 Prozent) der Fort- und Weiterbildungsangebote digital zur
Verfügung, während zur Zeit der Erhebung bereits gut die Hälfte (54
Prozent) der Qualifizierungsmaßnahmen in digitaler Form angeboten
wurden. Im Schnitt planen Unternehmen, auch langfristig mehr als die
Hälfte der Fort- und Weiterbildungen im Digitalformat anzubieten.

Gefragte Skills: digitale Interaktion, digital Learning und digital Literacy

Was die vermehrt gefragten Kompetenzen betrifft, so stehen derzeit die digitalen Schlüsselqualifikationen im Fokus, hauptsächlich in den Bereichen “Digitale Interaktion”, “Digital Learning” und “Digital Literacy”. Arbeitgeber fördern diese Fähigkeiten derzeit vermehrt: Der Anteil an Weiterbildungsmaßnahmen in diesen “Future Skills” ist seit März um 75 Prozent gestiegen. Zum Thema Digital Learning haben sich bis August gut drei Viertel der Studienteilnehmer (79 Prozent) weitergebildet, im Bereich “Digitale Interaktionen” waren es 76 Prozent. Mitarbeiter mussten schnell geschult werden, um digital lernen und arbeiten zu können, so die Studie. Künftig werde auch die Weiterentwicklung in den technologischen Fähigkeiten wie nutzerzentriertes Designen oder komplexe Datenanalyse im Fokus stehen.

Egal wo – ob im Einzelhandel, in der Logistik oder im
Handwerk – fast alle Berufe werden künftig digital geprägt sein. Das
heißt, Zukunftskompetenzen müssen in großem Maße ausgebildet werden,

prognostiziert Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes.

Krise lässt das Weiterbildungsbudget stagnieren oder verringert es

Obwohl der Bedarf an digitalen und technologischen Kompetenzen laut Studie steigt, sinkt wegen der eingetrübten Wirtschaftslage bei einem Fünftel der befragten Firmen (21 Prozent) das Qualifizierungsbudget und bei knapp der Hälfte (49 Prozent) stagniert es.

Handlungsempfehlungen aus Sicht der Studienautoren

Nach Ansicht der Studieninitiatoren benötigen die Unternehmen eine konkrete Fort- und Weiterbildungsstrategie, um den steigenden Qualifizierungsbedarf zu bewältigen, außerdem innovative Lernformate, die genaue Kenntnis über tatsächlich benötigte Fähigkeiten und eine IT-Infrastruktur für dezentrales Lernen. Die Studie plädiert dafür, die Weiterbildungsangebote auf einer gemeinsamen Plattform zu bündeln. Schließlich bedürfe es auch einer systematischen Messung des Lernerfolgs – bislang erhebt erst circa ein Drittel der befragten Unternehmen (36 Prozent), wie effektiv ihre Weiterbildungsaktivitäten sind.

Nach Ansicht der Autoren benötigen Unternehmen für die Umsetzung ihrer Qualifizierungsstrategien die Begleitung von Verbänden und Sozialpartnern, die branchenspezifische Future-Skills-Anforderungen definieren könnten. Außerdem bräuchten sie die Unterstützung der Politik. So müsse die von der Bundesregierung angestoßene Verknüpfung von Kurzarbeit und Qualifizierung gestärkt und ein leichterer Zugang zu Fördermitteln gemäß des Qualifizierungschancengesetzes ermöglicht werden. Auch gelte es zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die steuerlich Absetzbarkeit von Homeoffice sowie die steuerlichen Begünstigungen der Anschaffung von privaten Endgeräten für die Arbeit und Qualifizierung zu Hause noch zeitgemäß seien, heißt es.

Interessierte können die kompletten Studienergebnisse > hier zum Download anfordern.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.