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Einfach mal was Paradoxes tun

Folge 12 unserer Tipps für gute Führung: Ein Mitarbeiter verhält sich renitent nicht an Termine? Und trotz guten Zuredens und gar Ermahnungen ändert er sich nicht? Nutzen Sie das Mittel der paradoxen Intervention.

Bild: pathdoc/Fotolia.de
Bild: pathdoc/Fotolia.de

Kennen Sie das?

“Schon wieder hat ein Mitarbeiter nicht rechtzeitig das geleistet, was ich von ihm erwarte. Mittlerweile fühle ich mich hilflos, weil meine bisherigen Gespräche und Ermahnungen erfolglos geblieben sind. Was kann ich tun, um den Mitarbeiter zu einer Verhaltensänderung zu bewegen?”

Das können Sie tun!

Greifen Sie in dieser festgefahrenen Situation zu einer List: Intervenieren Sie paradox, indem Sie das Gegenteil von dem fordern, was Sie eigentlich erreichen wollen.

Beenden Sie den K(r)ampf!

Manchmal ist es wie verhext: Sie reden sich den Mund fusselig, um Ihren Mitarbeiter dazu zu motivieren, termingerecht seine Aufträge zu erledigen, und er macht es trotzdem nicht.
Neben der Unzuverlässigkeit haben Gespräche, die immer wieder um dasselbe Thema kreisen, eine fatale Nebenwirkung: Sie münden nicht selten in einem “K(r)ampf”. Was der Vorgesetzte fordert, will der Mitarbeiter – bewusst oder unbewusst – partout nicht zeigen und rebelliert dagegen. Mit jedem weiteren Gespräch verhärten sich die unvereinbaren Gegensätze.
Deshalb sind Sie gut beraten, aus einem solchen Streit herauszutreten, damit der Konflikt sich nicht von der Sachebene auf die Beziehungsebene verschiebt, wo die Auseinandersetzung in persönlichen Kränkungen münden kann und eine schwere Belastung der Arbeitsbeziehung nach sich ziehen würde.

Paradoxe Intervention: Drehen Sie den Spieß einfach um!

Eine alternative Handlung, um die Situation zu unterbrechen, besteht in der Durchführung einer “paradoxen Intervention”: Das als problematisch eingestufte Verhalten wird nicht länger bekämpft, sondern gefördert, indem es von einer Autorität nachdrücklich erlaubt wird.

Paradoxe Interventionen sind im Führungsalltag überall dort angebracht, wo sich ein Mitarbeiter den Anweisungen widersetzt oder wo diese sich als wirkungslos erweisen. An solchen Stellen fördern Sie genau das Verhalten, das Ihr Mitarbeiter ohnehin zeigt. Durch Ihren Strategiewechsel treten Sie aus Ihrer Hilflosigkeit heraus und nehmen das Heft des Handelns wieder in die Hand.

Wenn Ihr Mitarbeiter das nächste Mal wieder zu spät seinen Auftrag erledigt, dann machen Sie ihm keine Vorhaltungen, sondern sagen freundlich und zugewandt zu ihm: “Herr X, das sind anderthalb Tage über den Termin hinaus. Bitte geben Sie auch Ihren nächsten Auftrag anderthalb Tage zu spät ab!” Wenn Ihr Mitarbeiter protestiert und das partout nicht will, versuchen Sie ihn zu beschwichtigen, indem Sie Ihren Wunsch (mehrfach) wiederholen.

Dies ist das Prinzip der paradoxen Intervention: Bei festgefahrenen Auseinandersetzungen einfach mal etwas anderes, etwas Neues, etwas Überraschendes tun, womit Ihr Mitarbeiter nicht rechnet.
Diese Vorgehensweise dringt in die Überzeugung ein, dass jeder Mensch autonom handeln möchte. Nach dem Motto: “Ich bin nur dann autonom, wenn ich mich der Fremdbestimmung widersetze.” Wenn nun wie hier die Unzuverlässigkeit beendet werden soll, so wird genau dieses Verhalten nachdrücklich erlaubt: “Machen Sie weiter so!” Da sich der Protagonist jedoch vermutlich nicht vorschreiben lassen will, was er zu tun hat, muss er zwangsläufig die gegenteilige Position einnehmen.

In Ihrem Fall dürfte eine paradoxe Intervention folgende Dynamik auslösen: In dem Moment, wo Sie von Ihrem Mitarbeiter Unzuverlässigkeit verlangen, entziehen Sie ihm das Fundament seiner Rebellion. Ihrem Mitarbeiter bleibt also nichts anderes übrig, als sein Verhalten neu auszurichten, um sich selbst wieder zu stabilisieren.
Die Vorteile dieser gewollten “Trotzreaktion” sind vielfältig: Ihr Mitarbeiter behält seine Souveränität, weil er weiterhin bestimmen kann, wie er sich verhält. Und Sie bekommen endlich das Verhalten zu sehen, das Sie bislang erfolglos angemahnt haben.

+++ Haben Sie ein ganz persönliches Führungsproblem? Dann schreiben Sie
uns an: personalwirtschaft@wolterskluwer.com! Vielleicht wird Ihr Thema ja zu einem neuen Führungstipp. Natürlich mit vorheriger Absprache und anonym. +++

+++ Dieser Beitrag ist der 12. Teil unserer › Serie “Tipps für gute Führung”. +++