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Unternehmenswerte und Kommunikation – manches läuft falsch

mehrere Menschen sitzen  locker um einen Tisch gruppiert, mit Arbeitsmaterial (Block, Stift, PC)
Zur Kommunizierung der Unternehmenswerte wünschen sich Mitarbeiter vor allem Workshops und Schulungen. Foto (CCO): pexels.com

Eine Studie hat untersucht, worauf Mitarbeiter bei ihrem Arbeitgeber am meisten Wert legen, wie zufrieden und motiviert sie sind und über welche Kanäle sie sich am besten erreichen lassen. Dabei zeigte sich, dass es häufig an der unternehmens- internen Kommunikation hakt, was die Vermittlung der Werte des Arbeitgebers betrifft.

Die Faktoren, die am meisten dazu beitragen, dass Mitarbeiter sich bei ihrem Arbeitgeber wohlfühlen, sind ein gutes Betriebsklima (55,2 Prozent), das Gehalt (52,2 Prozent), ein hohes Maß an persönlicher Wertschätzung (44,8 Prozent) und das Gefühl eines sicheren Arbeitsplatzes (42,8 Prozent). Faktoren wie die Nähe zum Wohnort oder flache Hierarchien folgen erst mit großem Abstand. Das geht aus einer Befragung der Peter Schmidt Group hervor. Für den “Reality Check Employer Branding” wurden Ende November 201 in Voll- und Teilzeit beschäftigte Mitarbeiter aus unterschiedlichen Branchen repräsentativ befragt.

Wertekommunikation – vor allem für jüngere Mitarbeiter ein Motivationstreiber

Die Studie zeigt, dass Mitarbeiter über 40 Jahre motivierter sind als ihre jüngeren Kollegen. So bezeichnen sich 29,9 Prozent der Über-40-Jährigen als sehr hoch motiviert, während es von den Jüngeren lediglich 13,5 Prozent sind. Als hoch motiviert schätzen sich 40,9 Prozent der älteren und 41,9 Prozent der jüngeren Befragten ein. 29,2 Prozent der Befragten über 40 und 44,6 Prozent der jüngeren Teilnehmer geben an, die Motivation sei niedrig oder sie seien unentschlossen. Die Unterschiede lassen sich laut der Untersuchung darauf zurückführen, dass für die älteren Arbeitnehmer individuelle Wertschätzung und das Vorleben der Werte durch die Führungskräfte entscheidend für die Motivation sind, während bei den jüngeren die Unternehmenskultur sowie eine klare Wertekommunikation die wichtigsten Treiber sind – das sind jedoch genau die Aspekte, bei denen die Befragungsergebnisse auf Defizite hinweisen.

Mitarbeiter von externer Kommunikation eher überzeugt als von interner

Zwar gaben 91 Prozent der Befragten an, die Unternehmenswerte ihres Arbeitgebers zu kennen, doch fast die Hälfte (47,8 Prozent) ist der Meinung, dass die erklärten Werte im Arbeitsalltag eher wenig gelebt werden. Daher sei es für Unternehmen wichtig, so die Studie, die eigenen Werte in der Arbeitskultur zu verankern. Allerdings klappt es auch nicht immer mit der internen Kommunikation, wenn es um die Vermittlung von Werten oder auch Neuigkeiten geht: Zwei Drittel der Mitarbeiter (66,7 Prozent) bewerten die interne Kommunikation als authentisch und glaubwürdig, von der externen Unternehmens- kommunikation sagen dies allerdings 79,6 Prozent. Außerdem finden 41,3 Prozent, dass die interne Kommunikation ihres Arbeitgebers nicht transparent und offen ist und mehr als jeder Vierte (28,4 Prozent) ist der Meinung, dass sein Arbeitgeber nicht hält, was er verspricht.

Arbeitnehmer wünschen sich Mitmachformate zur Wertevermittlung

Um sich über die Unternehmenswerte zu informieren, nutzen die meisten Befragten (51,7 Prozent) das persönliche Gespräch mit Kollegen. Auf den Folgeplätzen rangieren die Unternehmens-Website und das Intranet mit jeweils 42,8 Prozent, Firmen-Events (27,9 Prozent) und Schulungen (23,4 Prozent). Die Frage danach, welche Kanäle sie sich wünschen würden, um sich besser über den Arbeitgeber zu informieren, ergab folgende Antworten: Workshops (21,9 Prozent), Schulungen (21,4 Prozent), Firmen-Events (20,9 Prozent), direkter Kontakt (17,9 Prozent) und Social Media (16,4 Prozent). Das heiße, so die Studie, die Mitarbeiter wünschten sich eher Mitmachformate, die Kommunikation müsse direkter und erlebbar sein.

Fast jeder Zweite ist im Job nur wenig oder gar nicht zufrieden

Die Befragungsergebnisse zeigen außerdem, dass rund jeder dritte Mitarbeiter seine Arbeitssituation als eher negativ bewertet und nicht besonders motiviert oder zufrieden ist; circa jeder siebte (14,4 Prozent) ist sogar explizit unzufrieden. Unzufriedene Arbeitnehmer nehmen ihren Arbeitgeber überwiegend als unnahbar, erdrückend und unstrukturiert wahr, zufriedene als partnerschaftlich, engagiert und ehrlich. Hier könnten Arbeitgeber laut Studie kommunikative Hürden abbauen, indem sie zum Beispiel informellere Austauschformate und eine lockerere Tonalität einführen.

Vor allem mangelnde Wertschätzung führt zu Wechselbereitschaft

Knapp ein Viertel der Studienteilnehmer (23,9 Prozent) empfiehlt seinen Arbeitgeber nicht weiter. Rund jeder Fünfte (20,9 Prozent) hat definitiv oder wahrscheinlich vor, in naher Zukunft einen neuen Job zu suchen. Weitere 15,9 Prozent sind unschlüssig. Als Treiber, die die Zufriedenheit steigern, identifizierte die Studie bei den männlichen Mitarbeitern insbesondere die individuelle Wertschätzung sowie die Unternehmenskultur – aktuell bewertet gut ein Drittel (35,9 Prozent) aller Befragten diese als wenig positiv oder neutral. Bei Frauen ist neben der individuellen Wertschätzung eine klare Wertekommunikation durch die Führungskräfte entscheidend. Als weiteren Motivationstreiber nennt die Studie die Identifikation der Arbeitnehmer mit den Produkten und Leistungen des Unternehmens.

Employer Branding: Karriere-Websites optimierungsbedürftig

Von den wechselbereiten Mitarbeitern informiert sich fast jeder zweite (45,2 Prozent) auf der Website eines infrage kommenden neuen Unternehmens. Über ihren eigenen aktuellen Arbeitgeber sagt lediglich gut ein Drittel, dass sich die Firma im Karrierebereich ihrer Website gut präsentiert. Knapp zwei Drittel finden die Darstellung eher wenig überzeugend. Der optische Auftritt eines potenziellen neuen Arbeitgebers ist jedoch für 62,2 Prozent der Studienteilnehmer ein wichtiger Faktor, den sie vor der Bewerbung in Betracht ziehen. Unternehmen sollten daher darauf achten, so die Empfehlung, im Karrierebereich ihrer Website oder auf einer eigenständigen Karriereseite-Website alle relevanten Informationen gut strukturiert zu liefern und zudem gut aussehen zu lassen, um wechselbereite Talente anzusprechen.

Weitere Ergebnisse der Studie stehen zum > Download zur Verfügung.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.