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Wen werden Sie in 20 Jahren einstellen?

Arbeitnehmer der Zukunft
Wie sehen die Beschäftigten der Zukunft aus? Und wie findet man sie? (Illustration: SurfupVector – stock.adobe.com)

Arbeitsplätze werden in wenigen Jahren ganz anders aussehen. Die Corona-Pandemie beschleunigt dabei nur, was ohnehin passiert: Automatisierung und künstliche Intelligenz (KI) verändern die Art und Weise, wie wir arbeiten, schon länger und sehr drastisch. Marktdruck und Handelsspannungen zwingen Unternehmen dazu, sich zu verändern und schneller zu reagieren. Die Cloud-Technologie hat das Potenzial der Remote-Arbeit und des flexiblen Arbeitens erweitert. Jetzt können sich die Menschen genauso leicht vom Ausland aus an ihrem Arbeitsplatz anmelden wie von ihrem Büro aus. Diejenigen Unternehmen, die sich heute auf die Beschäftigten von morgen vorbereiten, werden von einer stärkeren Arbeitgebermarke, zufriedeneren Mitarbeitenden und einem größeren Talentpool profitieren.

Dabei ist wichtig zu wissen: Die Beschäftigten von morgen sind nicht alle aus einem Guss. Vielmehr werden sie sich dadurch auszeichnen, dass sie viele unterschiedliche Facetten haben. Das schlägt sich nieder in ihren Fähigkeiten genauso wie in ihren Ansprüchen. Daher wird es viel mehr Autonomie in der Art und Weise geben, wie Menschen arbeiten. Der Einzelne wird die Freiheit haben, den Arbeitsstil und den Arbeitsort zu wählen, der zu ihm passt.

Eine neue Art der Arbeit

Davon werden auch die Unternehmen profitieren. Die Beschäftigten werden flexibler sein. Dadurch wird es weniger Fixkosten geben, da die Arbeitskräfte aus einem erweiterten Total Talent Pool stammen werden. Das heißt, Personalverantwortliche können vermehrt zwischen fest angestellten und nicht fest angestellten Beschäftigten wählen.

Umgekehrt können auch die Beschäftigten zwischen verschiedenen Arbeitsstilen wechseln, fest angestellte Mitarbeitende können sich entscheiden, in Altersteilzeit zu gehen oder freiberuflich zu arbeiten. Aber die Unternehmen werden sie trotzdem in irgendeiner Form weiter beschäftigen, sei es als freiberufliche Beraterin, als Teilzeitmentor oder als projektbezogene Auftragnehmerin. Es wird weniger darauf ankommen, welche Art von Arbeitskräften ein Unternehmen eingestellt hat, sondern vielmehr darauf, welche Skills und Arbeitserfahrung sie mitbringen.

Auch die Arbeit selbst wird sich verändern. Anstatt sich auf Vollzeitstellen zu konzentrieren, werden Organisationen auf Projektbasis arbeiten. Auch dies wird die Art und Weise verändern, wie Arbeitskräfte ihre Karrieren und Arbeitstage gestalten. Bald wird es alltäglich sein, dass man montags für ein Unternehmen arbeitet, dienstags zu einem anderen wechselt und mittwochs zu seinem ersten Arbeitgeber zurückkehrt.

Durch den Einsatz von externen Beschäftigten lassen sich zudem kurzfristig Skilldefizite auffangen. Denn klar ist, dass ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften schon bald dafür sorgt, dass Unternehmensstrategien nicht umgesetzt werden können. Projekte stagnieren und das Wachstumspotenzial schwindet. Prognosen zufolge wird die digitale Skilllücke dazu führen, dass 14 G20-Länder ein kumulatives BIP-Wachstum von 11,5 Billionen Dollar verpassen werden. Arbeitskräfte mit den richtigen Skills werden infolgedessen hohe Gehälter und Leistungen verlangen. Langfristig werden sich einige Unternehmen diese Fachkräfte dann nicht mehr leisten können, auf Projektbasis kann das funktionieren.

Der größte Vorteil für Organisationen, die ein solches Modell usetzen, ist natürlich die Fähigkeit, schnell auf Nachfrage und Angebot zu reagieren. Wie die jüngste Zeit gezeigt hat, können ganze Branchen schnell durch neue Technologien oder Unternehmen, Handelsspannungen und politische Dramen gestört werden.

Herausforderungen, die Sie kennen sollten

Sowohl ganze Belegschaften als auch einzelne Beschäftigte werden also flexibler und effizienter sein müssen. Allerdings sind zunächst einige Hürden zu überwinden.

Ein häufiges Problem, das von Remote-Arbeitskräften genannt wird, ist das Gefühl der Isolation und die Gefahr eines Burnout, wenn sie die ganze Zeit allein arbeiten. Wenn sie keine persönlichen Kontakte zu ihren Kollegen haben, findet keine traditionelle Teambindung statt, und sie fühlen sich mit ihrem Unternehmen möglicherweise nicht verbunden. Handelt es sich dazu noch um Teilzeit- oder Projekt-Mitarbeitende, dürften sich die Probleme noch potenzieren.

Studien haben jedoch gezeigt, dass Remote-Arbeitskräfte, die die Möglichkeit haben, flexibel zu arbeiten, und die sich als Teil ihres Teams fühlen, am stärksten in einem Unternehmen engagiert sind, und zwar mehr als Menschen, die Vollzeit in einem Büro arbeiten. Wenn Sie das richtige Gleichgewicht zwischen Remote-Arbeit, Flexibilität und Kommunikation finden, werden Sie einen Anstieg des Engagements feststellen.

Das Erfolgsrezept für neue Arbeitskräfte liegt auf der Hand: Sie müssen die Kommunikation zwischen ständigen und nicht ständigen Beschäftigten, Remote-Arbeitskräften und Mitarbeitenden vor Ort verbessern. Alle müssen im selben Team sein und auf dieselben Ziele hinarbeiten. Technologien wie Instant Messaging und Total Talent Management-Tools sind dabei hilfreich. Sie können die Dinge auch offline angehen, durch Meetings und Abwesenheitstage.

Prozesse anpassen

Auch die Personal-, Beschaffungs- und Einstellungsprozesse müssen angepasst werden. Brechen Sie isolierte Gruppen zwischen den Abteilungen auf, um Personaldaten mit allen Beteiligten zu teilen. Stellen Sie sicher, dass alle Ihre HR- und Rekrutierungssysteme miteinander kommunizieren. So vermeiden Sie, dass sich Ihre Mitarbeitenden in einem Wirrwarr von unterschiedlichen Tools verlieren.

Ein weiterer wichtiger Schritt wird darin bestehen, die Stigmatisierung der externen Arbeit in Frage zu stellen. Damit alle gut zusammenarbeiten können, müssen sie auf derselben Seite stehen und nicht wegen unterschiedlicher Arbeitsstile auf andere herabschauen.

Führende Organisationen werden allen Bedürfnissen ihrer Beschäftigten gerecht – heute und morgen. Viele der hier beschriebenen Praktiken haben Vorteile für alle.

Eine bessere Kommunikation, ein besserer Zugang für Personalverantwortliche zu Talenten und das Aufbrechen isolierter Gruppen sind alles gute Maßnahmen, die man jetzt ergreifen sollte. Ihre Mitarbeitenden werden dadurch effizienter und flexibler – und besser auf die Zukunft vorbereitet sein.