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Unterschiedliche Vorstellungen: IT-Gehälter im Realitäts-Check

IT-Gehalt
Das Gehalt ist für ITler nicht alles – eine Rolle spielt es natürlich trotzdem. (Foto: be free – stock.adobe.com)

IT-Kandidatinnen und -Kandidaten mit Berufsausbildung oder akademischem Abschluss haben häufig völlig andere Vorstellungen von einer angemessenen Vergütung als die Unternehmen. Denn die jungen Spezialisten wissen über den Fachkräftemangel in der Branche und nutzen diesen für sich. Der Arbeitgebende muss allerdings nicht unbedingt den Fachkräften entgegenkommen und mit dem Gehalt hochgehen, denn es gibt andere Dinge, die ausschlaggebend für die Jobwahl sind.

Die große Diskrepanz zwischen den Gehaltsvorstellungen deckte eine kürzlich veröffentlichte gemeinsame Studie der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e.V. (DSAG) und Get In (Eigenschreibweise: get in GmbH), einem Anbieter fachspezifischer Talent-Marketplaces in Deutschland, auf. Für die Studie wurden parallel 255 Unternehmen sowie 2200 Fachkräfte aus der IT und dem Ingenieurwesen befragt. Das Ergebnis: Die Erwartungen von MINT-Fachkräften an das Thema Gehalt liegen umso deutlicher auseinander, je näher sich die befragten Talente am Beginn ihrer Karriere befinden. Young Professionals aus der IT überschätzen die zu erwartenden Gehaltsspannen vor allem dann, wenn sie nach einer Berufsausbildung auf den Arbeitsmarkt treten. Auch die Gruppe der Informatik-Berufsstarter mit Bachelor-Abschluss hat Gehaltserwartungen, die weit über das hinausgehen, was die Unternehmen ihnen zu bieten bereit sind.

Wunsch und Wirklichkeit kaum noch zu vereinbaren

Dabei liegt die Differenz zwischen den Gehaltsvorstellungen bei rund 10.000 Euro pro Jahr. So machen mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen den IT-Professionals ein Gehaltsangebot, das unter 50.000 Euro pro Jahr liegt. Diese Arbeitgeber müssen damit rechnen, dass rund 55 Prozent der potentiellen Kandidatinnen und Kandidaten abwinken werden. Denn etwa ein Viertel der befragten IT-Professionals wünscht sich ein Jahresgehalt zwischen 50.000 und 59.000 Euro. Ganze 30 Prozent liegen mit ihrer Wunschvorstellung deutlich über 60.000 Euro. Informatik-Absolventen mit einem Master-Abschluss hingegen kommen mit den Vorstellungen der Unternehmen besonders häufig auf denselben Nenner.

Der Grund für die hohen Gehaltsvorstellungen der ITler und ITlerinnen: Gerade die Bacheloranten registrieren, dass in den Medien ständig vom Fachkräftemangel die Rede ist und überschätzen daher ihren eigenen momentanen Wert für Unternehmen. Hinzu kommen die fehlende Berufserfahrung und fehlende Vergleichswerte, die sie glauben lassen, solche Gehälter auch erzielen zu können.

Personalkonzepte mit Perspektive

Das heißt aber nicht, dass Arbeitgeber den zum Teil völlig überzogenen Gehaltsvorstellungen jederzeit nachkommen müssen. Viele können dies auch gar nicht. Vielmehr sollten sie  Transparenz darüber schaffen, in welchen Bereichen sich ein realistisches Gehalt bewegt. Wichtig ist zugleich, gerade Berufsanfängerinnen und -anfängern (die sich fast ausschließlich am Gehalt orientieren) diesbezüglich Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen. So steht man auch in Verhandlungen besser da. Eine “Aufwärtsspirale” von Gehältern stellt nicht zuletzt ein hohes Risiko gerade für kleine und mittelständische Unternehmen dar. Diese können an der Spirale irgendwann nicht mehr mitdrehen und laufen dadurch Gefahr, keine geeigneten Fachkräfte gewinnen zu können.

Was macht Arbeitgeber für Nachwuchskräfte interessant? (Für größere Ansicht bitte anklicken!) (Quelle: DSAG)
Was macht Arbeitgeber für Nachwuchskräfte interessant? (Für größere Ansicht bitte anklicken!) (Quelle: DSAG)

Wer schon Berufserfahrung hat, für den spielt wiederum das Umfeld eine wichtige Rolle: flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und gute fachliche Entwicklungsmöglichkeiten. Genau hier müssen Personalkonzepte mit Perspektive ansetzen. Gehalt ist eben nicht immer alles. Unternehmen sollten attraktive Weiterentwicklungsmodelle anbieten, die neben der Gehaltsfrage auch andere Vorteile für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schaffen. So können sie ihre Attraktivität im Kampf um Talente erhöhen. Auch jüngere Generationen berücksichtigen inzwischen die oben genannten weichen Faktoren. Gut sichtbar wird dies in der Attraktivitätsfaktoren-Matrix der DSAG-Academy. Gehalt liegt dort nur noch auf Platz 3, die vorderen Plätze nehmen gute fachliche Entwicklungsmöglichkeiten und Flexibilität beim Umgang mit Arbeitszeiten ein.

Wettbewerb um MINT-Talente verschärft sich

Im Jahr 2020 waren deutschlandweit 86.000 Stellen für IT-Expertinnen und -Experten unbesetzt. Das ist der zweithöchste jemals gemessene Wert, den der Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) in einer repräsentativen Umfrage ermittelt hat. Die Pandemie und der gestiegene Bedarf an Home-Office-Anbindung und mobile Arbeitsplätze werden die Digitalisierung in der Arbeitswelt weiter rasch vorantreiben. Hinzu kommt der demographische Wandel. Beide Faktoren zusammengenommen werden dafür sorgen, dass der Wettbewerb um qualifizierte IT-Fachkräfte insgesamt weiter zunehmen wird. Damit beide Seiten zusammenfinden und die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit sich nicht noch vertieft, ist Transparenz auf dem IT-Arbeitsmarkt vonnöten.

Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen.

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