Herr Baier, wie erklären Sie sich dieses scheinbare Paradox?
Eine Entspannung sehe ich skeptisch. Es gibt aktuell mehr Bewerber, aber langfristig bleibt der Fachkräftemangel real. Der Markt verschiebt sich: Repetitive Jobs verschwinden durch Automatisierung und KI, neue spezialisierte Positionen entstehen. KI-Analysten, Sicherheitsexperten und vor allem Menschen, die verstehen, wie Technologie in Business-Anforderungen übersetzt wird. Es bleibt eine Herausforderung, qualifizierte Kandidaten mit dieser Expertise zu finden.
Das bedeutet: Unternehmen müssen anders rekrutieren und entwickeln. Was sollten HR-Manager konkret tun?
Zunächst nach innen schauen. Interne Entwicklungsprogramme, Offenheit für Quereinsteiger, interne Wechsel: Das funktioniert überraschend gut. Young Professionals kennen ihre eigenen Fähigkeiten oft noch nicht. Wenn Sie ihnen Raum geben, entwickeln sie sich schneller als erwartet. Prüfen Sie, wer bei Ihnen IT-Affinität zeigt, und entwickeln Sie diese weiter. Gleichzeitig muss Recruiting stärker wie modernes Marketing gedacht werden. Es reicht nicht mehr, eine Stelle auszuschreiben und auf Rückmeldungen zu warten. HR-Manager müssen die Rolle, die Unternehmenskultur und die Entwicklungsperspektiven so greifbar machen, dass echtes Interesse entsteht. Es geht darum, Menschen nicht nur zu informieren, sondern sie für eine Aufgabe zu begeistern.
Michael Page hat sich neu aufgestellt – alle Marken firmieren jetzt unter dem einen Brand. Wie passt das zu dem, was Sie gerade beschrieben haben?
Das war genau der richtige Schritt, um den aktuellen Herausforderungen des Marktes zu begegnen. Wir haben die Marken Page Personnel und Page Contracting unter Michael Page zusammengefasst. Denn Klarheit ist entscheidend für Kunden und Kandidaten gleichermaßen. Michael Page steht für Professionalität, Qualität, Verlässlichkeit und das ist wichtig für ein sehr spezifisches Marktsegment: Wir vermitteln hochqualifizierte Experten. Genau in diesem Markt haben wir die nötige Erfahrung, um Kunden konsistent und mit Tiefe zu beraten. Page Executive wird weiterhin im Bereich Executive Search und in der Beratung von Führungskräften tätig sein.
Und was ändert sich dadurch konkret für Unternehmen und Kandidaten?
Die Spezialisierung bleibt, aber sie wird sichtbarer und stärker. Unsere Berater arbeiten funktionsspezifisch und kennen ihre Bereiche in- und auswendig, weil sie ausschließlich dort arbeiten. Das schafft enorme Expertise. Es gibt jetzt nur noch ein Klingelschild und dadurch ist es noch leichter mit uns zusammenzuarbeiten. Kandidaten profitieren davon, dass wir ihnen mehr Karriereoptionen anbieten können: von befristeten Einsätzen bis hin zur Festanstellung und Projektgeschäft. Unternehmenskunden haben nun einen zentralen Zugang zu allen Recruiting-Bedürfnissen. Mit der Zusammenführung unserer Marken entstehen echte Synergieeffekte für alle Seiten.
Wichtig ist dabei zu betonen: Wir gehen über reines Staffing hinaus. Ein Unternehmen kennt seinen Technologie-Bedarf, aber oft nicht den Personalaufwand dafür. Wir vermitteln zielgerichtet spezialisierte Expertise, koordinieren mit Beratungshäusern und werden zum Brückenbauer. Im Vergleich zu anderen Wettbewerbern ist das ein anderes Service-Level.
Ein viel diskutiertes Thema ist nach wie vor Remote, Flex-Office, flexible Arbeitszeiten. Ist das vorübergehend oder struktureller Wandel?
Der Wandel bleibt, aber die Wahrheit liegt in der Mitte. Mehr Zeit im Büro schafft Kultur durch persönlichen Kontakt, Kaffee-Talks und gemeinsame Energie. Was wir sehen: Kandidaten fordern immer noch sehr stark Flexibilität, Arbeitgeber korrigieren aber nach. In vielen Bereichen wird aus Home-Office wieder klassische Präsenz. Es wird kein komplettes Rollback geben, aber ein produktiver Mittelweg.
Zum Abschluss: Was nehmen Sie aus dieser neuen Marktrealität mit?
Der Fachkräftemangel verschwindet nicht, er verändert sich. Die Anforderungen werden komplexer, die Kandidaten anspruchsvoller, die Unternehmen müssen strategischer werden. Das erfordert echte Beratung auf Augenhöhe, nicht CV-Lieferanten-Mentalität von früher. Wir helfen Organisationen, sich intern zu entwickeln, extern strategisch zu rekrutieren und dabei nicht nur Positionen zu besetzen, sondern Talente langfristig zu binden.
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