Der Brief kommt mit der Post. Darin stehen Zeitraum, Truppenteil, Standort, Diensteintritt. Dazu eine Telefonnummer. Im Umschlag liegen Gutscheine für die Deutsche Bahn. „Bitte bringen Sie Ihre gesamten militärischen Bekleidungs- und persönlichen Ausrüstungsstücke mit.“ Ein Satz, den Léocadie Reimers kennt. Sie muss den Brief nicht zu Ende lesen, um zu verstehen, worum es geht. Sie ist Mitte zwanzig, arbeitet im International Sales eines Defense-Unternehmens in München. Ihr Job „in der zivilen Welt“, wie sie es nennt. Der Brief ruft sie zurück in eine andere.
Sie prüft ihren Arbeitskalender: Was kollidiert? Ist eine Abwesenheit möglich? Wer kann sie vertreten? Wenn alles passt, folgt der nächste Schritt: Sie geht zur Personalabteilung. Der Ablauf ist immer gleich: Sie informiert ihren Arbeitgeber über die bevorstehende Heranziehung. Auch wenn meist noch vier bis sechs Wochen bis zum Diensteintritt bleiben. Zeit, die auch ihre Kolleginnen und Kollegen brauchen: Aufgaben verteilen, Projekte abstimmen und ihre Abwesenheit planen. Wenn alles passt, füllt die Personalabteilung alle notwendigen Unterlagen aus. Noch braucht es das Einverständnis ihres Arbeitgebers. Die Bahngutscheine werden sie zu ihrer Einheit bringen.
Zugang wählen und weiterlesen:
- Alle Plus-Artikel nutzen
- Das Magazin als E-Paper lesen & Zugriff auf das E-Paper-Archiv
- Im Gratismonat jederzeit kündbar, danach 175 € /Jahr
- Alle Plus-Artikel nutzen
- Das Magazin als E-Paper lesen & Zugriff auf das E-Paper-Archiv
- Jederzeit monatlich kündbar
