Return to Office bei Barclays: Verkappter Stellenabbau nicht empfehlenswert

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Angestellte der Bank Barclays in Großbritannien sollen ab Oktober zurück ins Büro. Aus zwei Tagen Mindestanwesenheit für Angestellte wurden drei, für Senior-Positionen sogar vier. Die neue Regelung kam erwartungsgemäß nicht besonders gut bei der Gewerkschaft an. Was allerdings bisher noch nicht vorkam: Unite, die rund 80 Prozent der 45.000 britischen Angestellten von Barclays vertritt, fordert einen Ausgleich für den neuen Kurs Richtung Return-to-Office (RTO). Dies steht in einem offenen Brief, welcher zuerst der Financial Times vorlag.

Im Brief sind eine ganze Reihe an Forderungen aufgelistet, sogenannte „Maßnahmen zur Minimierung der negativen Auswirkungen einer Verlängerung der Zeit im Büro“. Dazu zählt auch finanzielle Kompensation. Tausende Mitarbeitende haben den offenen Brief bereits unterzeichnet, Gewerkschaftsvertreter Rick Coyle gab der britischen Presse gegenüber an, dass die Zahl stetig steige.

Setzt die Deutsche Bahn Return to Office als Stellenabbau-Tool ein?

Barclays ist nicht der einzige Konzern, der wieder auf straffere Präsenzregeln setzt. Auch in Deutschland plant die Deutsche Bahn (DB) Ähnliches, wie der Spiegel erst kürzlich berichtete. Warb die DB jahrelang um neue Talente mit freier Wahl des Arbeitsplatzes, soll jetzt wieder verstärkt auf Arbeit vor Ort gesetzt werden. Das bestätigte ein DB-Sprecher dem Spiegel. Stimmen aus dem Konzern äußerten dem Magazin gegenüber Sorge, dass die DB Stellen absichtlich unattraktiv mache. Denn viele DB-Mitarbeitende nahmen durch die früher bestehenden, lockeren Homeoffice-Regelungen erhebliche Distanzen zwischen Wohn- und Arbeitsort in Kauf.

Was belegt die WSI-Studie zur Mitarbeiterzufriedenheit bei RTO?

Weggraulen statt feuern? Eine Vermutung, die von Konzernseite natürlich nicht bestätigt wird, aber so weit hergeholt nicht ist. Denn sinkende Mitarbeiterzufriedenheit kann im Zusammenhang mit der RTO-Strategie des Unternehmens stehen. Erst im März dieses Jahres veröffentlichte die Hans-Böckler-Stiftung die Ergebnisse einer Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), die das bestätigte: In Unternehmen mit einer RTO-Initiative war die Zufriedenheit der Befragten mit dem Arbeitsplatz durchschnittlich geringer, dafür die empfundene Belastung höher.

Noch geringer war die Zufriedenheit, wenn es für die RTO-Initiative augenscheinlich keine Begründung gab, wie aktuell im Fall der Barclays-Bank. Die Gewerkschaft Unite weist in ihrem offenen Brief darauf hin, dass Barclays keine evidenzbasierte Begründung für die Erhöhung der Bürotage vorweisen könnte. „Die mangelnde Transparenz kann Unsicherheit und das Gefühl von Kontrollverlust verstärken. Dies spiegelt sich in einer geringeren Zufriedenheit mit den RTO-Initiativen unter Beschäftigten mit verstärkter Präsenzpflicht wider“, heißt es in dem Report des WIS.

Warum ist Vergraulen statt Feuern keine nachhaltige HR-Strategie?

Wenn Mitarbeitende freiwillig den Job wechseln, ist dies ein vermeintlich einfacher Weg, Stellen zu reduzieren. Denn Stellenabbau ist immer mit unangenehmen Entscheidungen und Gesprächen verbunden – und diese lassen sich durch die freiwilligen Kündigungen umgehen. Doch langfristig sollten sich Unternehmen genau diesen unangenehmen Entscheidungen und Gesprächen stellen. Einmal als Signalwirkung für die verbleibende Belegschaft: Hier wird stets ehrlich und auf Augenhöhe kommuniziert, auch wenn es hart wird.

Zudem ist es langfristig die bessere Strategie. Denn die Praxis zeigt: Bleiben Unternehmen und HR beim Offboarding transparent und wertschätzend, zahlt dies auf das Employer Branding ein. Und Krisen kommen und gehen. Irgendwann steht vielleicht doch wieder eine Expansion an – und HR steht im Idealfall ein Pool von erfahrenen Fachkräften zur Verfügung, die gern wieder zurück ins Unternehmen kommen möchten. Einen einmal medial verbrannten Ruf als unflexibler Arbeitgeber, der einst mit falschen Versprechen lockte, wird man dagegen so schnell nicht wieder los. 

Angela Heider-Willms verantwortet die Berichterstattung zu den Themen Transformation, Change Management und Leadership. Zudem beschäftigt sie sich mit dem Thema Diversity.