Digital X: Warum Angela Merkel nicht mit der KI diskutiert

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Angela Merkel und Künstliche Intelligenz? Kein Widerspruch. Die Altkanzlerin, als Gast bei der Digitalmesse „Digital X“ in Köln sicher der Höhepunkt, nutzt die neue Technik durchaus. Ein lockerer Plausch mit der Maschine kommt für Merkel allerdings nicht in Frage: „Nein, um Gottes Willen“, meinte die Polit-Pensionärin entrüstet auf die Frage von Moderatorin Miriam Meckel, ob sie mit einem Chatbot auch über ihr Leben diskutieren würde. „Dafür habe ich nette Menschen in meinem Umfeld.“ Allerdings nutze sie KI inzwischen zum Formulieren von Reden. „Schreiben tue ich sie am Ende aber noch selbst.“ Dabei schaue sie ChatGPT aber genau auf die Finger, spätestens, seit der Bot einem indischen Amtskollegen eine halluzinierte Vita andichtete. 

Klangvolle Namen und salbungsvolle Worte 

Die von der Telekom ausgerichtete Digitalmesse „Digital X“, die gestern in Köln stattfand, hatte neben Angela Merkel noch etliche andere klangvolle Namen auf dem Programm. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, sein bayerischer Amtskollege Markus Söder, Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck sowie die Europa-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sprachen ebenso über Chancen und Risiken von KI wie Vorzeige-Philosoph Richard David Precht, der angesichts der neuen Technik um „Zuversicht in einer verunsicherten Welt“ warb.  

Zwar drifteten die Vorträge bisweilen doch arg ins Salbungsvolle ab – Hendrik Wüst etwa pries ein wenig zu überschwänglich NRW als den „Spitzenstandort für Industrie und Künstliche Intelligenz“. Unterhaltungswert hatte das Bühnenprogramm aber allemal. Handfester wurde es erst beim Aufeinandertreffen der beiden CEOs Tim Höttges (Telekom) und Roland Busch (Siemens), die darüber diskutierten, wie KI Arbeit, Industrie und Führung verändert.  

Höttges forderte mit Blick auf die neue Technik von den Telekom-Mitarbeitenden vor allem Eigeninitiative: Der oder die Beschäftigte sollte nicht nur KI nutzen, sondern auch „seine eigenen System-Prompts schreiben, seine eigenen Agenten bauen, seine eigene Nutzung entwickeln“. KI werde damit nach seiner Darstellung vom Spezialwerkzeug zu einem Arbeitsmittel für große Teile der Belegschaft.

Handfeste Masterclasses 

So richtig interessant wurde es für Praktikerinnen und Praktiker bei den zahlreichen Masterclasses und Sessions, die die Telekom auf die „Digital X“-Agenda gesetzt hatte. Während die Besucherinnen und Besucher bei Alicja Teschke (Microsoft) zum Beispiel lernen konnten, wie sie sich einen eigenen Helpdesk Agent bauen können, gab Kaan Karaca (Denkwerk) einen Einblick, wie Websites im KI-Zeitalter in Sekundenschnelle gebaut werden können.  

Für Tech-affine Personalerinnen und Personaler waren besonders die Vorträge von Maximilian Keil (Lovable), der über das vermeintliche Ende von Software-as-a-Service sprach, sowie Michael Locher-Tjoa (Microsoft), der ein Konzept zur Zusammenarbeit von KI und Mitarbeitenden entwarf, interessant. 

Leitmesse für Künstliche Intelligenz 

Für das Thema KI entwickelt sich die „Digital X“ inzwischen mehr und mehr zur Leitmesse – nicht nur angesichts des imposanten Programms. Größere Namen und ein umfangreicheres Programm zum Thema findet man derzeit vermutlich nirgends. Bände sprach auch die Resonanz: Rund 6.000 Gäste zählte die Telekom am Ende. Und solange es dem Veranstalter gelingt, die Balance zwischen handfesten Infos und einem hochkarätig besetzten Bühnenprogramm zu wahren, dürfte die „Digital X“ auch künftig ein „Must“ für KI-Interessierte sein. Es muss ja nicht immer gleich eine Altkanzlerin sein.

Sven Frost betreut das Thema HR-Tech, zu dem unter anderem die Bereiche Digitalisierung, HR-Software, Zeit und Zutritt, SAP und Outsourcing gehören. Zudem schreibt er über Recruiting und Employer Branding. Er verantwortet weiterhin die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft. Foto: FBM

Sven Frost betreut das Thema HR-Tech, zu dem unter anderem die Bereiche Digitalisierung, HR-Software, Zeit und Zutritt, SAP und Outsourcing gehören. Zudem schreibt er über Recruiting und Employer Branding. Er verantwortet weiterhin die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.