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Gleichstellung im Job – Frauen holen auf

Nach wie vor ist die durchschnittliche berufliche, wirtschaftliche und soziale Situation von Frauen oft schlechter als die der Männer, auch wenn sie in den Bereichen Bildung, Erwerbstätigkeit und soziale Absicherung in den vergangenen Jahren aufholen konnten. Den jüngsten Stand der beruflichen Gleichstellung zeigt der Report des
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der
Hans-Böckler-Stiftung anhand aktueller Daten.

Frau im Sprung
Frauen haben im Job in einigen Bereichen aufgeholt. Foto: © FotografieLink/px

Bessere gesellschaftliche Rahmenbedingungen, wie beispielsweise
der Ausbau öffentlicher Kinderbetreuung, haben dazu geführt, dass Frauen bei
schulischer und beruflicher Qualifikation weitestgehend mit
den Männern gleichgezogen haben. Ein wesentlicher Grund für
fortbestehende Unterschiede ist die ungleiche Aufteilung, die sogenannte Gender Care Gap, bei der familiären Kinderbetreuung, der Pflege oder im Haushalt. Diese unbezahlte Arbeit macht bei Frauen nach den neuesten
verfügbaren Zahlen 45 Prozent der Gesamtarbeitszeit aus. Bei Männern
sind es hingegen nur 28 Prozent, auch wenn Männer langsam mehr Aufgaben übernehmen.

Geringere Arbeitszeit bremst die Karriere

Daher arbeiten Frauen, um Familie und Erwerbsarbeit
unter einen Hut zu bringen, viermal so häufig
in Teilzeit wie Männer (46 Prozent gegenüber gut 11 Prozent 2018) und 62 Prozent der Beschäftigten, die ausschließlich einen Minijob haben, sind 
weiblich. Unter anderem wegen geringerer
Karrieremöglichkeiten trägt dieses Ungleichgewicht wesentlich dazu bei, dass der durchschnittliche
Stundenlohn von Frauen knapp 21 Prozent unter dem von Männern liegt.

“Frauenberufe” oft schlechter bezahlt

“Typisch weibliche” Berufe, etwa im Pflege- und Gesundheitsbereich, werden meist schlechter bezahlt als technische Berufe, in denen Männer
nach wie vor dominieren. Dieser Umstand ist eine weitere Ursache für den Verdienstrückstand, verbunden damit,
dass 25 Prozent der weiblichen Beschäftigten mit Vollzeitstelle  weniger als 2000 Euro brutto im Monat verdienen. Bei den Männern sind es
nur 14 Prozent. Der gesetzliche Mindestlohn hat immerhin auch dazu beigetragen, dass der Abstand bei den Entgelten in den
vergangenen Jahren etwas kleiner wurde.

Bei der Absicherung im
Alter ist die Lücke noch deutlich gravierender: Frauen beziehen durchschnittlich ein um 53
Prozent niedrigeres Alterseinkommen als Männer, wenn man gesetzliche Rente, betriebliche und private
Alterssicherung zusammen nimmt.

Diese Entwicklung
zeigt beispielhaft: Der Rückstand der Frauen wird in wichtigen Bereichen
kleiner. Aber Fortschritte bei der Gleichstellung vollziehen sich meist
sehr langsam,

so WSI-Forscherin PD Dr. Karin Schulze Buschoff, die
die Studie zusammen mit Dr. Yvonne Lott vom WSI sowie Svenja Pfahl und
Dietmar Hobler vom Berliner Forschungsinstitut Sowitra erstellt hat.

Investitionen und Regularien nötig

Nach Analyse der
Wissenschaftlerinnen und der Wissenschaftler sind verpflichtende Vorgaben für Geschlechteranteile in Vorständen ebenso notwendig, wie
ein erweiterter Geltungsbereich der Geschlechterquote in Aufsichtsräten,
die bislang nur greift, wenn Unternehmen börsennotiert und zugleich
paritätisch mitbestimmt sind.

Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 160 größten börsennotierten
Unternehmen stieg mit der Einführung einer Geschlechterquote bis 2018
auf gut 30 Prozent, wenn auch Vertreterinnen und Vertreter der
Beschäftigten im Kontrollgremium sitzen. In nicht mitbestimmten
Unternehmen, in denen keine Quote gilt, lag der Anteil bei knapp 20
Prozent. In den Unternehmens-Vorständen, für die es bislang keine
gesetzlichen Regeln gibt, war 2018 nicht einmal jedes zehnte Mitglied
weiblich – 9 Prozent in mitbestimmten, knapp 6 Prozent in
nicht-mitbestimmten Firmen.

Besser sieht es nach der
WSI-Analyse auf der zweiten Führungsebene aus, wo der Frauenanteil mit
40 Prozent nur wenig niedriger war als der Anteil an allen Beschäftigten
(44 Prozent). Ganz ähnlich fiel die Relation von weiblichen
Betriebsratsmitgliedern und Belegschaftsanteil aus.

Schneller voran gehe es, so die Analysten, wenn die Politik verbindlichen Regulierungen festlegt und/oder Investitionen tätigt. Das gelte etwa für die
Ganztagesbetreuung von Kindern, wo sich die trotz erhöhter Quote, der noch
deutlich höhere Betreuungsbedarf von Eltern bislang nicht abdecken lässt.