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Unter Corona leiden besonders berufstätige Eltern – vor allem die Mütter


Homeschooling
Homeoffice und Homeschooling unter einen Hut zu bringen, ist oft schwierig und belastend. Foto: © elenbessonova-stock.adobe.com

Die Corona-Krise hat die Arbeitswelt in weniger als einem Jahr radikal verändert, vor allem durch den Umstieg auf Homeoffice. Mehr als jeder zweite Beschäftigte in Europa sagt, dass sein Berufsleben direkt beeinträchtigt wurde. Frauen, besonders Mütter, werden demnach gegenüber Männern in mehrerlei Hinsicht benachteiligt.

Immerhin sieben von zehn Studienteilnehmern (71 Prozent) geben an, dass ihre Arbeitgeber auch die Bedürfnisse berufstätiger Eltern berücksichtigen, denen die Schließung von Kindertagesstätten oder Schulen Schwierigkeiten bereiten. Dennoch leiden Berufstätige mit Kindern besonders unter der zusätzlichen Belastung. So gaben zwei Drittel (67 Prozent) der Beschäftigten an, dass sie Kompromisse machen oder einen der beiden Bereiche priorisieren mussten – vor allem, weil es während der Lockdowns schwierig ist, sich neben dem Job um das Homeschooling der Kinder zu kümmern. In allen Ländern mit Ausnahme des Asien-Pazifik-Raums stellt die Stressbewältigung für Frauen eine größere Herausforderung dar als für Männer.

Die ersten Mitarbeitern mit Kindern haben bereits ihren Job hingeworfen

Was die Zukunft betrifft, sind die Studienteilnehmer wenig optimistisch: Jeder Zweite (52 Prozent) geht davon aus, dass die Unterstützung der Arbeitgeber für berufstätige Eltern innerhalb eines Jahres auslaufen wird. Das könnte letztlich dazu führen, dass noch mehr Eltern aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden als jetzt schon: Von den Mitarbeitern mit Kindern unter einem Jahr hat bereits etwas mehr als jeder vierte oder ein anderes Mitglied des Haushalts seinen Job aufgegeben. Und sogar mehr als jeder Siebte mit Kindern von 11 bis 17 Jahren hat schon “aus freien Stücken” aufgehört zu arbeiten.

Da Frauen zumeist über geringere Gehälter verfügen und laut Studie weniger zuversichtlich im Hinblick auf ihre beruflichen Aussicht sind und noch dazu häufiger als Männer das Gefühl haben, ihre Arbeit werde nicht angemessen gewürdigt, ist zu befürchten, dass vor allem weibliche Beschäftigte den Arbeitsmarkt verlassen.

Wenn Frauen das Gefühl haben, dass ihre Bemühungen übersehen werden – vor allem verglichen mit ihren männlichen Kollegen – ist das eine Situation, die Arbeitgeber um jeden Preis vermeiden sollten,

warnt Martijn Brand. Seiner Ansicht nach sollten Arbeitgeber diesem Problem besondere Aufmerksamkeit schenken. Doch auch insgesamt werde dieser Verlust an Talenten Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern Anlass zu echter Sorge geben. Darüber hinaus lasse die derzeitige Entwicklung befürchten, dass bisherige Fortschritte zur Gleichberechtigung der Frauen im Beruf wieder zunichte gemacht werden könnten.

Zu den vollständigen Studienergebnissen geht es > hier.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.