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Führung in Zukunft: vom Manager zum Entwickler und Begleiter

Ein Mann im Business-Anzug sitzt vor Schachfiguren.einem
Der strategisch agierende Manager – wird das Bild der Führungskraft künftig nicht mehr so aussehen? Foto: © slonme/Fotolia.de

Wie muss Führung in der digitalen Transformation nach Ansicht von Personalverantwortlichen aussehen? Um das herauszufinden, hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. (DGFP) eine Studie durchgeführt. Danach ändert sich das Rollenverständnis von Führungskräften stark.

Rund jeder zweite Befragte (52 Prozent) gab an, dass hierarchische Strukturen in seinem Unternehmen künftig eher abnehmen werden. Nach Ansicht der HR-Experten ändert sich im Rahmen der Digitalisierung das Rollenverständnis von Führungskräften. Derzeit definieren sich die meisten Führungskräfte als klassischen Manager, der für Geschäftsentwicklung und Umsatz sorgt – bei 62 Prozent der Studienteilnehmer ist dieses Bild stark ausgeprägt. Doch fast alle Personaler (91 Prozent) denken, dass in Zukunft stattdessen die Bedeutung der Führungskraft als Entwickler und Begleiter sowie als Vernetzer und Ermöglicher stark zunehmen wird.

Administrative Aufgaben unwichtiger, weiche Faktoren bei den Kompetenzen wichtiger

Gefragt nach den Kernthemen von Führungskräften, halten die Studienteilnehmer Informationsweitergabe sowie Steuerung, Planung und Organisation für besonders wichtig, während sie administrative Aufgaben als besonders unwichtig einstufen. Als Kompetenzen, die für Führungskräfte künftig besonders relevant sind, stehen nach Meinung der Personaler Kommunikationsfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit, Offenheit für Veränderungen  sowie Vertrauen/Zuversicht stark im Vordergrund.

Für Kai Helfritz, Projektleiter bei der DGFP, bestätigt die Befragung die Beobachtung, dass sich etwas beim Thema Führung tue, dies betreffe alle Branchen und Unternehmensgrößen. Die Veränderungen würden nicht nur durch die Digitalisierung forciert, sondern auch die nachrückenden Generationen und deren Wandel des Führungsverständnisses spielten eine Rolle.

Die Attraktivität, als Führungskraft zu arbeiten, nimmt ab

Auf die Frage, für wie erstrebenswert sie die Übernahme von Führungsfunktionen in Zukunft halten, antwortete zwar die Mehrheit (53 Prozent), die Attraktivität bleibe gleich, doch immerhin 38 Prozent sagten, sie nehme ab. Nur neun Prozent gaben an, dass die Attraktivität steigen wird. Laut Studie ist das ein Argument dafür, sich mit der Ausgestaltung von Führungsaufgaben, Organisationsmodellen (etwa Führen in Teilzeit oder geteilte Führung) auseinanderzusetzen. Doch unabhängig davon verwundert es, dass Führung ausgerechnet dann für fast vier von zehn Befragten uninteressanter wird, wenn sie nicht mehr so stark hierarchisch ausgerichtet ist und mehr Soft Skills gefragt sind. Da die Studie nicht nach den Gründen gefragt hat, kann man darüber nur spekulieren. Es wirkt so, als würden die heutigen Führungskräfte selbst doch noch stark alten Mustern nachhängen oder als würden sie sich die neuen Aufgaben nicht zutrauen oder als seien sie aus ihrer Sicht nicht mehr so interessant.

Laut Dr. Josephine Hofmann, Leiterin des Teams Zusammenarbeit und Führung beim Fraunhofer IAO, zeigt sich in den Studienergebnissen, dass die Unterstützung von Führungsarbeit in der digitalen Transformation in Zukunft ein wichtiges Thema für HR werde:

Wo Veränderungsfähigkeit erfolgskritisch wird, muss viel Entwicklungs-, Kultur- und Kommunikationsarbeit geleistet werden. Führungskräfte darin noch intensiver zu befähigen, ist für HR eine wichtige Herausforderung,

so Hofmann.

Für die Studie “Digital Leadership – Führung in der digitalen Transformation” wurden im April und Mai dieses Jahres 149 Teilnehmer befragt, davon 53 Prozent aus Unternehmen mit mehr als 3000 Mitarbeitern, die anderen arbeiten in KMUs oder Startups. 75 Prozent der Befragten sind Führungskräfte und 89,5 Prozent sind im Personalbereich tätig.

Die vollständigen Befragungsergebnisse stehen als > Download zur Verfügung.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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