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Corona-Virus wirkt sich auch auf Geschäftskontakte aus

Dr. Esther Dehmel, Fachanwältin für Arbeitsrecht bei CMS Deutschland
Dr. Esther Dehmel, Fachanwältin für Arbeitsrecht, erklärt, welche arbeitsrechtlichen Konsequenzen die Corona-Erkrankungswelle hat.
Fotoquelle: CMS Deutschland

Das neue Corona-Virus verursacht Symptome ähnlich einer Grippe oder Lungenentzündung, vor allem Fieber, Husten und Atemnot. Zunächst ging man davon aus, dass es nur vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann. Als Ausgangspunkt wird ein Tiermarkt im chinesischen Wuhan angenommen. Dort befindet sich auch das Nationale chinesische Labor für Biosicherheit, was zu diversen Spekulationen geführt hat. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass auch die direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich ist.

Die Infektion erfolgt vor allem über Tröpfchen, etwa durch Anhusten. Wie heute bekannt wurde, gehen chinesische Forscher nun davon aus, dass
das Virus auch über das Verdauungssystem übertragen werden kann.
Einige Infizierte haben Durchfall, aber kein Fieber und keine Atemwegssymptome. Die Inkubationsdauer kann 14 Tage betragen. Einen Impfschutz gibt es bisher noch nicht, allerdings ist die Infektion durch einen Rachenabstrich und Labortests bereits nachweisbar.

Mit heutigem Stichtag weltweit circa 6000 Fälle registriert

Bislang wurden in China rund 14 000 Corona-Infizierte gezählt; 304 Menschen sind verstorben. Seit einigen Tagen gibt es auch weltweit Infizierte, darunter in Deutschland. Bis zum gestrigen Tag wurde das Virus außerhalb Chinas bei mehr als 120 Menschen in über 20 Ländern nachgewiesen. Hierzulande wurde als erster Infizierter ein Mitarbeiter des Automobilzulieferers Webaso im bayrischen Stockdorf bekannt – ein Unternehmen, das enge geschäftliche Beziehungen zu China unterhält und dort mehrere Standorte hat. Der 33-Jährige hatte sich bei einer Kollegin aus Shanghai angesteckt, die zu einer Schulung nach Deutschland gekommen war und vorher von ihren Eltern aus Wuhan besucht worden war. Symptome hatte sie erst auf dem Rückflug von Deutschland nach China entwickelt; die Krankheit ist schon vor Ausbruch ansteckend. Der Mitarbeiter befindet sich nicht in einer bedrohlichen Situation, er war nach Unwohlsein am Wochenende am Montag gleich wieder zur Arbeit gegangen. Inzwischen wurden insgesamt acht Infizierte bekannt, dabei handelt es sich um sieben Webasto-Mitarbeiter und ein Kind eines dieser Mitarbeiter. Alle sollen in guter Verfassung sein. Dazu kommen zwei der gestern aus China per Flugzeug zurückgeführten Deutschen. 

Viele Arbeitgeber lassen Dienstreisen nach China vorübergehend entfallen

Vor drei Tagen teilte die Lufthansa mit, dass sie alle Flüge nach China streicht. Viele deutsche Unternehmen verzichten angesichts der Geschehnisse auf Geschäftsreisen. So soll bei Webasto in den nächsten zwei Wochen kein Mitarbeiter mehr zu den chinesischen Standorten fliegen. Die Firmen Bayer und Covestro vermeiden vorerst ebenfalls Dienstreisen nach China, ebenso unter anderem VW oder der Autozulieferer Schaeffler, der in Wuhan einen Logistikstandort betreibt. Andere Arbeitgeber empfehlen ihren Mitarbeitern, betriebsbedingte Reisen nach China nur anzutreten, wenn sie zwingend erforderlich sind. Darüber hinaus versuchen die Unternehmen, ihre Belegschaft mit Hygienemaßnahmen vor Ansteckung zu schützen, etwa mit Mundschutz, Desinfektionsmitteln und der Anleitung zum sorgfältigen Händewaschen.

Sterblichkeit durch Corona geringer als durch gewöhnliche Grippe

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) besteht derzeit kein Grund zur Sorge. Die Sterblichkeitsrate infolge des neuen Corona-Virus sei um zehnmal niedriger als bei den 2002/2003 aufgetreten Infektionen mit Sars (Severe acute respiratory syndrome). Sars-Erreger gehören zur gleichen Virienfamilie wie der aktuelle Erreger, der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den vorläufigen Namen 2019-nCoV (2019-neuartiges Coronavirus) erhielt. Auch seien die Todeszahlen nach bisherigen Erkenntnissen bei der jährlich grassierenden Grippe höher, so das RKI. In Deutschland starben in der Saison 2017/2018 allein 25 000 Menschen an den Folgen der Influenza. Wie auch bei Corona und Grippe hängt die Mortalität Statistiken zufolge zumeist mit schon vorher bestehenden Vorerkrankungen zusammen.

Empfehlung des Robert-Koch-Instituts: vor allem auf Hygiene achten

Um die Ausbreitung respiratorisch übertragbarer Krankheiten zu vermeiden, sollten ganz besonders in Regionen mit Erkrankungsfällen durch das neuartige Coronavirus gute Händehygiene, Husten- und Nies-Etikette sowie Abstand zu Erkrankten gehalten werden.

so das RKI am 29. Januar. Diese Maßnahmen seien in Anbetracht der Grippewelle aber überall und jederzeit angeraten. Zum Tragen einer Mund-Nasen-Maske, die mittlerweile von vielen Deutschen gekauft wird, rät das Institut der Allgemeinbevölkerung nicht. Sie sei vor allem für medizinisches Personal sinnvoll. Mehr Informationen des RKI gibt es > hier.

Infos für Unternehmen aus arbeitsrechtlicher Sicht

Sowohl bei Arbeitgebern als auch bei Arbeitnehmern ist die Verunsicherung angesichts der sich weiter verbreitenden Krankheit groß. Dr. Esther Dehmel, Fachanwältin für Arbeitsrecht bei der Wirtschaftskanzlei > CMS Deutschland, erklärt, welche arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu beachten sind:

Das Coronavirus oder eine Pandemie setzen das gültige Arbeitsrecht nicht außer Kraft.

Das heiße, Arbeitgeber hätten grundsätzlich dieselben Befugnisse wie bisher und in Notfällen auch darüberhinausgehende Rechte, insbesondere im Bereich des Direktionsrechts.

Ein Arbeitnehmer ist entweder gesund oder krank. Er hat kein Recht, präventiv zu Hause zu bleiben, nur weil sich die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung, zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit, erhöht,

so die Arbeitsrechtlerin.

Grundsätzlich dürfen Arbeitgeber Mitarbeiter weiterhin in vom Coronavirus betroffene, ausländische Gebiete auf Dienstreise schicken oder entsenden, solange keine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes oder eine entsprechende Empfehlung der WHO oder des Robert Koch-Instituts vorliegt.

Für die schwer betroffene Provinz Hubei habe das Auswärtige Amt eine Teilreisewarnung ausgesprochen. In der Praxis verzichteten zudem viele Unternehmen freiwillig auf Dienstreisen in betroffene Gebiete.

Dehmel rät Unternehmen, im Falle einer Pandemie erkennbar kranke Mitarbeiter nach Hause zu schicken und sie zu bitten, ihre tatsächliche Erkrankung mitzuteilen, damit gegebenenfalls entsprechende Schutzmaßnahmen für den Rest der Belegschaft getroffen werden können.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.