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Toxische Führung belastet das Arbeitsklima

Destruktives Verhalten der Führungskräfte kommt in fast allen deutschen Unternehmen vor und hat  sowohl die Belastung des Arbeitsklimas, als auch der Unternehmensperformance zur Folge.

Menschen mit unterschiedlicher Gestik
Giftige Chefs kosten deutsche Unternehmen viel Geld. Foto: © Elnur – stock.adobe.com

Diese Zusammenhänge hat aktuell ein Forschungsteam aus drei
Universitäten anhand von kununu-Daten näher beleuchtet. Für die Studie
wurden 37.308 quantitative Bewertungen und 3.725 Textkommentare
ausgewertet, die Mitarbeiter von 148 Unternehmen auf der
Arbeitgeber-Bewertungsplattform abgegeben haben.

Laut Studie  kommt toxisches Führungsverhalten (“Abusive Supervision”) in 85 Prozent der Unternehmen vor, 21 Prozent verfügen sogar über ein ausgesprochen toxisches Führungsklima.

Chefinnen und Chefs, die ihre Leute öffentlich anschreien, durch Bemerkungen kränken oder ignorieren, richten einen großen Schaden an. Denn ein solches Führungsverhalten führt bei Beschäftigten zu Unzufriedenheit, Stress, verminderter Arbeitsleistung und geringer Bindung ans Unternehmen. 

Kommentare wie “Der direkte Vorgesetzte versucht dem Mitarbeiter das Gefühl zu geben, dass er nichts kann” kommen bei den ausgewerteten Beurteilungen relativ oft vor. In nur 18 der untersuchten Unternehmen gab es keine Hinweise auf toxisches Verhalten von Führungskräften.

Arbeitsklima und Performance nehmen Schaden

Toxische Führung verschlechtert das Klima nachweislich. Unternehmen mit toxischem Führungsverhalten werden als Arbeitgeber negativer bewertet. Wo das toxische Verhalten häufiger vorkommt, wirkt sich das auf die Gesamtbewertung aus: untersuchte Unternehmen mit häufigem toxischem Führungsverhalten wurden mit einem Durschnitt von 3,3 statistisch signifikant schlechter bewertet als Arbeitgeber, bei denen dieses Verhalten selten ist. Sie schnitten mit 3,5 ab. Je höher die Zufriedenheit der Mitarbeiter, desto höher war auch die Performance des Unternehmens (gemessen in ROA-Return on Assets).

Die aus Jun. Prof. Dr. Kai Bormann, Dr. Michael Graffius, Prof. Dr. Christina Hoon und Dr. Christopher Hansen bestehende Forschergruppe konnte zudem nachweisen, dass sich toxisches Führungsverhalten von der Management-Ebene aus auf die unteren Hierarchieebenen überträgt. Je höher “Abusive Supervision” im Management, desto eher zeigten auch Führungskräfte der unteren Ebenen feindseliges Führungsverhalten.

In Familien- und Nicht-Familienunternehmen ist toxische Führung, den Wissenschaftlern zufolge, ähnlich stark ausgeprägt; doch es richtet in Familienunternehmen weniger Schaden an. Die Forscher führen diesen Effekt auf die Besonderheiten von Familienunternehmen, wie beispielsweise die Weitergabe von Führungskultur innerhalb der Unternehmerfamilie, zurück.

Was Unternehmen tun können

Laut Jun. Prof. Dr. Kai Bormann von der Universität Bielefeld könnten Unternehmen es sich nicht erlauben, schlechte Führungskräfte auszuhalten oder zu ignorieren. Und das gelte insbesondere auch im finanziellen Sinn. Und Prof. Dr. Christina Hoon (Universität Bielefeld) verweist darauf, dass fast jedes mittlere oder größere Unternehmen mittlerweile Führungsleitlinien formuliert habe. Sie bemerkt, dass diese zwar super klingen, jedoch auch suggerieren würden, dass in der Führungswelt alles in Ordnung ist.

Daher sollten Unternehmen, so Hoons Handlungsvorschlag, vielmehr prüfen, ob und wie dieses “normative Selbstbild” von Führung tatsächlich auf den Arbeitsalltag einwirkt und ob Unternehmen Sanktions- oder Anreizsysteme für “gute Führung” etabliert haben und “schlechte Führung” konsequent geahndet wird.

Yenia Zaba, Director Global Communications & Brand bei kununu ergänzt, dass kaum ein Faktor einen so großen Einfluss auf die Zufriedenheit am Arbeitsplatz hat, wie das Verhältnis zur Führungskraft. Sie spricht sich daher für eine offene und transparente Feedbackkultur im Unternehmen aus, die von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist und Unternehmen die Möglichkeit gibt, auf Missstände im Führungsverhalten aufmerksam gemacht zu werden und diese aktiv anzugehen. Denn, wie die Untersuchung zeigen würde, so Zaba, könne die Performance des gesamten Unternehmens schlussendlich davon profitieren.

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