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Homeoffice in Coronazeiten

Das Potenzial der beruflichen Tätigkeiten, die von zu Hause aus
erledigt werden könnten, wird auch angesichts der Corona-Krise keineswegs ausgeschöpft und
nicht voll genutzt. Vor allem der Abbau technischer Hürden könnte dazu beitragen, die Möglichkeiten für Homeoffice zukünftig zu erweitern.

Aufgeklappter Computer
Das Homeoffice in Corona-Zeiten birgt noch ungenutzte Potentiale. © Foto: markusspiske/px

Zu diesen Ergebnissen ist aktuell das Linked Personnel Panel gekommen,
für das alle zwei Jahre repräsentativ unter Arbeitgebern und einzelnen Beschäftigten von Betrieben der Privatwirtschaft mit mindestens 50
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine Befragung unter verschiedene Schwerpunktthemen durchgeführt wird.

In Folge der Corona-Pandemie schicken immer mehr Arbeitgeber ihre Beschäftigten
zumindest temporär ins Homeoffice. Das gilt in zunehmendem Maße auch
dort, wo bisher nicht von zu Hause aus gearbeitet wurde. Die Zahl der im
Betrieb anwesenden Beschäftigten wird teils stark reduziert und
rotierende Anwesenheit eingeführt, um den Vorgaben des
Gesundheitsschutzes möglichst zu entsprechen. Mancherorts werden gar
ganze Betriebe geschlossen und die noch anfallende Arbeit ins Homeoffice
verlegt.

Entscheidend ist die Tätigkeit

Für die Mehrheit der Jobs in denjenigen Bereichen, die derzeit von
den Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch das Coronavirus ganz oder stark betroffen
sind, wie etwa Gastronomie und Einzelhandelsgeschäfte, Sportstätten und
Unterhaltungsbetriebe, ist Homeoffice ist keine Option. Dies gilt auch für die meisten als
systemrelevant eingestuften Tätigkeiten im Gesundheitssektor und im
Bereich der Grundversorgung. Entscheidend für die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten, ist letzten
Endes die Art der Tätigkeit.

Ob Homeoffice bei Arbeitsplätzen in
größeren privatwirtschaftlichen Betrieben möglich
ist oder nicht, hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab. Wenn z. B. an Maschinen und Anlagen
gearbeitet wird oder ein direkter, persönlicher Kundenkontakt notwendig ist, ist Homeoffice in der Regel nicht umsetzbar.

Bei Tätigkeiten, die sich prinzipiell für Homeoffice eignen, weil sie
beispielsweise überwiegend am Computer stattfinden, können technische
Hürden eine Rolle spielen, wie z. B., dass die notwendige Hard- und Software zu Hause fehlt oder die Datenzugänge unsicher sind.

Ausweitung ist nötig

Die entscheidende Frage für die nächsten Wochen und Monate wird sein,
in welchem Ausmaß der Anteil der Beschäftigten, die im Homeoffice
arbeiten, gesteigert werden kann. Dabei ist klar: Bei Tätigkeiten, die nicht ortsunabhängig
durchgeführt werden können, ist Homeoffice keine Option.

Allerdings kann
es dabei auf die Kombination der Tätigkeiten ankommen. Momentan
überlegen viele Unternehmen, ihre Beschäftigten zumindest zeitweise zu
Hause arbeiten zu lassen, um einerseits die Anzahl der anwesenden
Personen zu reduzieren und andererseits sicherzustellen, dass die
ortsgebundenen Tätigkeiten weiterhin erledigt werden können. Als wesentliche Hürden bleiben die generelle Eignung der Tätigkeiten
sowie die technischen Voraussetzungen.

Am stärksten wird Homeoffice mit 43 Prozent in den unternehmensnahen
Dienstleistungsberufen genutzt, aber auch in weiteren,
eher administrativen Berufen sowie in IT- und naturwissenschaftlichen
Berufen ist Homeoffice vergleichsweise häufig. In Fertigungsberufen und
dort, wo Dienstleistungen direkt beim oder auf dem Weg zum Kunden
erbracht werden, fällt dieser Anteil dagegen wesentlich geringer aus. Im
Bereich von Verkehr und Logistik arbeiten sogar nur 3 Prozent ab und zu
von zu Hause aus.

Nutzung könnte deutlich häufiger sein

Die Zahl der Beschäftigten, die Homeoffice nutzen könnten, übersteigt
deutlich die Zahl der Beschäftigten, die es bislang tatsächlich genutzt
haben. Zumal bereits 88 Prozent der Beschäftigten digitale Informations- oder
Kommunikationstechnologien wie Computer, Laptops, Tablets oder
Smartphones nutzen. Dies gilt vor allem in denjenigen
Berufssegmenten, in denen Homeoffice schon recht verbreitet war.

So
könnten – verglichen mit dem Stand vor der Corona-Krise – in den
klassischen Bürojobs noch einmal bis zu 30 Prozent der Beschäftigten
zusätzlich von zu Hause arbeiten. In der Gruppe der Spezialisten und
Experten lässt sich Homeoffice ebenfalls noch deutlich ausbauen.

Potential ist vorhanden

Wenn man die Tätigkeiten der Beschäftigten in die drei Kategorien Kommunikation, Arbeit am Computer sowie Arbeit mit
Werkzeugen und an Maschinen und Anlagen zusammenfasst betrachtet, erfolgen die ersten beiden Tätigkeitsarten vergleichsweise häufig
entweder bereits digital (zum Beispiel E-Mails) oder lassen sich schnell
und unbürokratisch digitalisieren (zum Beispiel in Form von
Web-Meetings). Bei der Arbeit mit Werkzeugen und an Maschinen oder
Anlagen ist dies meist nicht oder noch nicht möglich. Obwohl der
technische Fortschritt auch hier neue Möglichkeiten eröffnen wird, ist
das Potenzial für Homeoffice in produktionsnahen Tätigkeiten gegenwärtig
noch relativ gering.

Dies zeigen auch die vorliegenden Daten des Linked Personnel Panel: Der Anteil der Tätigkeiten, die auf Kommunikation und Arbeit am
Computer entfallen, ist bei Beschäftigten, die bislang nicht im
Homeoffice arbeiten, erwartungsgemäß geringer als bei solchen, die
bereits von zu Hause arbeiten. Dies gilt auch innerhalb eines
Berufssegments. Ein geringes Potenzial dürften solche Berufssegmente
aufweisen, die für die Erledigung ihrer Arbeit in hohem Maße auf
Maschinen und Anlagen angewiesen sind. Dies betrifft zuvorderst Berufe
aus den Bereichen Bau/Ausbau und Fertigung. Demgegenüber ist der Anteil Homeoffice-naher Tätigkeiten in den
Bereichen Handel, Unternehmensbezogene Dienstleistungen sowie
Unternehmensführung und -organisation vergleichsweise hoch. Das
Potenzial zur Verlagerung ins Homeoffice fällt auch hier bei
Spezialisten- und Expertentätigkeiten besonders hoch aus.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Abbau der technischen Hürden, etwa durch eine bessere Ausstattung
mit Hard- und Software und eine bessere Breitbandversorgung, dazu beitragen könnte, einen Teil der deutschen Wirtschaft vor allem während der Corona-Krise in Gang zu
halten.