Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Kostendruck und andere Herausforderungen

Laptop mit daneben liegendem Stethoskop
Die digitale Patienakte ist nur eine der Neuerungen, die auf die Gesundheitsbranche zukommen und die sie vor große Herausforderungen stellt.
Foto: © contrastwerkstatt/Fotolia.de

Die Gesundheitsbranche gehört zu den größten Teilbereichen der deutschen Volkswirtschaft und sie wächst seit einigen Jahren stärker als die Gesamtwirtschaft. Laut einer aktuellen Studie steht die Branche jedoch derzeit unter großem Druck. Zu den Gründen zählen vor allem steigende Kosten, aber auch die Digitalisierung ist eine große Herausforderung für den Gesundheitssektor.

Das aktuelle Change-Barometer “Herausforderungen der Gesundheitsbranche 2017 – 2021”, das > Mutaree in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein durchgeführt hat, hat die größten Herausforderungen der Branche ermittelt und dafür 100 ausgewählte Teilnehmer aus der gesamten Gesundheitsbranche befragt, darunter Führungskräfte in Verwaltung und Versorgung, Chefärzte und Mitarbeiter im Pflegebereich. Danach sehen 95 Prozent der Teilnehmer steigenden Kostendruck als die größte Herausforderung an. Dabei spielt es laut Studie auch eine Rolle, dass der Ruf nach Profitabilität lauter werde. Auf jeden Fall bestehe hier akuter Handlungsbedarf. 45 Prozent der Befragten gaben an, dass hier zwar erste Vorbereitungen getroffen wurden, aber noch nicht abgeschlossen sind. 16 Prozent denken sogar, es sei eher unwahrscheinlich, in nächster Zeit den notwendigen Veränderungen gewachsen zu sein. Nur sechs Prozent sind der Meinung, dass sie im Bereich Kosten so gut aufgestellt sind, dass sie sich daraus Wettbewerbsvorteile verschaffen können.

Jeder Dritte ist nicht auf die Bindung von Talenten vorbereitet

Nach dem Kostendruckt steht mit 93 Prozent der Umgang mit steigenden regulatorischen und gesetzlichen Anforderungen an zweiter Stelle der Herausforderungen. Die Digitalisierung folgt gleich auf Platz drei (89 Prozent). Doch auch wachsende Anforderungen an die Bindung von Talenten stellen für 84 Prozent eine wichtige Aufgabe dar, die es zu meistern gilt. 36 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sie keineswegs auf die steigenden Anforderungen und die Bindung von Talenten vorbereitet sind. Auch ist niemand der Ansicht, man sei gut für die steigenden Anforderungen der Patientenbedürfnisse gerüstet.

Handlungsbedarf auf vielen Ebenen

Laut Studie besteht auch in diesen Bereichen zwingender Handlungsbedarf, zumal sich nach Aussage der Befragten alle genannten Herausforderungen bis 2021 noch signifikant verstärken werden. Die Gesundheitsbranche müsse also handeln, um ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen zu etablieren, sagt Claudia Schmidt, Geschäftsführerin von Mutaree. Kostenreduzierung alleine reiche nicht aus, es müsse über eine grundlegende Neuausrichtung der Versorgungskette nachgedacht werden. Doch noch immer dominierten in der Branche traditionelle Denkweisen und -muster; die Zukunft werde zeigen, ob der Gesundheitssektor ausreichend Agilität und Change-Fitness besitzt. Dass umfassende Veränderungsprozesse nötig sind, denkt auch Dr. Martina Oldhafer, Leitung Change-Management am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein:

Wir müssen grundlegend umdenken und an mehreren Stellschrauben gleichzeitig drehen, ansonsten scheitert unsere personal- und kostenintensive Branche an ihrer Finanzierbarkeit oder am Fachkräftemangel,

so Oldhafer.

Akzeptanz der Digitalisierung noch nicht vorhanden

Die Studienteilnehmer wurden auch danach gefragt, mit welchen Entwicklungen sie für ihre Branche in Zusammenhang mit der voranschreitenden Digitalisierung in Zukunft rechnen. Von konkreten Auswirkungen gehen alle Befragten aus. 86 Prozent der Teilnehmer erwarten mit hoher Wahrscheinlichkeit eine digitale Patientenakte, 87 Prozent rechnen mit Telemedizin, 85 Prozent mit einer Vernetzung der Berufsgruppen über die Sektorengrenze hinaus. Allerdings sei die Akzeptanz der digitalen Veränderungen bislang noch nicht vorhanden, zumal im klinischen Umfeld die Unzufriedenheit gerade mit den Systemen tendenziell sehr hoch sei, so die Untersuchung.

Die Digitalisierung bringt große Veränderungen. In ihr stecken aber auch viele Chancen, die erkannt, kommuniziert und umgesetzt werden müssen,

findet Schmidt. Um eine neue Kultur zu etablieren, müsse sie aber von jedem Einzelnen getragen werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

Ihre Meinung zählt!
An Nutzerbefragung teilnehmen & Prämie sichern
Jetzt mitmachen »
ihre meinung zählt!
An Nutzerbefragung teilnehmen & Prämie sichern
Jetzt mitmachen »