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HR-Karriere machen: „Rückschläge überwinden und an sich selbst glauben“

Lebenslauf von Maren Kroll

Personalwirtschaft: Ihr Lebenslauf liest sich, als sei er eine klare Vorbereitung auf die jetzige Stelle. Hatten Sie tatsächlich von Anfang an einen Plan?
Maren Kroll: Als ich mit dem Studium begonnen habe, hatte ich noch keine hundertprozentige Idee, wo es genau hingehen soll. Innerhalb der ersten zwei Semester ist mir aber klar geworden, dass mich Themen wie Organisationspsychologie gekoppelt mit Betriebswirtschaftslehre besonders interessieren. Daraus entstand mein Interesse am HR-Bereich. Aus Neugier und Spaß am Lernen war es mir wichtig, viele verschiedene Bereiche in HR kennenzulernen. Da ich selbst immer wieder offen war für neue Herausforderungen, haben sich auch immer wieder neue Möglichkeiten auf meinem Weg aufgetan.

Wie würden Sie Ihren Lebenslauf in drei Adjektiven umschreiben?
Facettenreich, aufgeschlossen, zielstrebig

Welche zentralen Lehren aus Ausbildung und Studium haben Ihnen im Berufsleben wirklich weitergeholfen?
Im Studium habe ich gelernt, analytisch vorzugehen und Themen schnell runterzubrechen und sie bearbeitbar zu machen. Gerade Themen, die mich augenscheinlich nicht interessiert haben, haben mein Durchhaltevermögen zusätzlich gestärkt. Ich habe gelernt, Rückschläge zu überwinden sowie an mich selbst zu glauben und Ideen nachzugehen, egal wie utopisch diese manchmal zu sein scheinen.

Nach dem Studium haben Sie zunächst als Beraterin gearbeitet. Dann kam aber der Wechsel auf die HR-Seite, wo Sie konsequent geblieben sind. Sahen Sie sich da am besseren Platz?
Bereits als Beraterin war ich kontinuierlich mit HR-Themen in Kontakt und der Personalbereich hat mich schon immer besonders gereizt. Hier geht es nicht nur um die strategische und nachhaltige Organisations- und Personalentwicklung, sondern ebenfalls darum, die besten Talente für ein Unternehmen zu finden und eine Unternehmenskultur aufzubauen, in der Werte konsequent gelebt werden und Mitarbeiter gerne arbeiten. Mir ist es wichtig, mit meiner Arbeit etwas bewegen und aktiv gestalten zu können. Das ist im Personalbereich auf jeden Fall gegeben. Daher bin ich auch bis jetzt in diesem Bereich geblieben.

Sie waren sieben Jahre in Australien. Inwiefern hat dieser Kontinent Sie menschlich und in Ihrer Arbeit geprägt?
Ich hatte das Glück, viele großartige und sehr aufgeschlossene Menschen kennenzulernen und quasi eine zweite Heimat aufzubauen. Ich habe dort gelernt, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und mich nicht einfach aus der Ruhe bringen zu lassen. Nach dem Motto: “Don’t sweat about the small stuff.”

Ich habe gehört, dass man in Melbourne hart arbeitet, im After-Work-Bereich aber auch genauso hart feiert…
Das stimmt, aber das wird in Melbourne nicht anders gehandhabt als in anderen Großstädten. Wer viel arbeitet sollte auch immer für den entsprechenden Ausgleich sorgen. Ich feiere ab und zu gerne, aber in meiner Freizeit mache ich auch viel Sport, liebe es, neue Restaurants auszuprobieren und genieße es, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Letzteres ging in Melbourne bei bestem Wetter und einem Barbecue besonders gut.

Sie kommen aus Kiel, haben in Berlin studiert, dort und in Melbourne gearbeitet. Wie lebt und arbeitet es sich nun weit weg von Meer und Großstadt in Eisfeld? Hilft die Nähe zu New York?
Bei Harry’s bin ich unter anderem für den Aufbau einer gemeinsamen Unternehmenskultur zwischen den zwei Standorten von Harry’s, New York und Eisfeld, zuständig. Da wir im gesamten Unternehmen die gleichen Werte leben und gemeinsam an Projekten arbeiten, die unsere Vision voranbringen, verschmelzen diese zwei Welten für mich. Dazu trägt natürlich bei, dass wir auch in Eisfeld eine Start-up Kultur haben und leben. Hierzu zählt unter anderem unsere Kommunikations- und Feedback-Kultur, unsere Office-Gestaltung und die enge Zusammenarbeit mit dem Standort in New York. Grundsätzlich denke ich, dass Eisfeld, die Region Thüringen und die dortige Lebensqualität unterschätzt werden. Klar, Eisfeld ist ganz anders als Städte wie Berlin, Melbourne oder New York, aber es muss ja auch nicht immer Großstadt-Atmosphäre sein. Ich finde es toll, diese Abwechslung zu haben. Im Gegensatz zu Berlin und Co. kann ich in Eisfeld innerhalb von 20 bis 30 Minuten auf der nächsten Skipiste stehen.

Bei Harry’s handelt es sich im Grunde um eine Mischung aus Start-up und traditionellem Mittelstand. Wo liegen da Ihre Herausforderungen in HR?

Grundsätzlich ist es erstmal wichtig, die Organisation in eine gleiche Richtung und auf die gemeinsame
Zielsetzung auszurichten. Das Schöne bei Harry’s ist, dass wir gemeinsame Grundwerte haben, die wir vertreten und leben. Das macht es sehr viel einfacher, die New Yorker Start-up-Kultur mit dem traditionellen Produktionsunternehmen zusammenzubringen. Darüber hinaus ist es eine große Herausforderung, die passenden Mitarbeiter zu finden, die unsere Vision und Werte teilen. Im Hinblick auf den demografischen Wandel müssen wir heute schon Rahmenbedingungen schaffen, um uns da gut aufzustellen. Harry‘s befindet sich im starken Wachstum, daher haben für uns die Personalentwicklung und der Aufbau von Strukturen, die auf nachhaltiges Wachstum ausgerichtet sind, die höchste Priorität. Wir suchen in der Region und größtenteils auch bundesweit nach neuen Mitarbeitern für unsere Supportbereiche und unsere Produktion.

Was war Ihre prägendste Station und warum?

Jede Station war für sich einzigartig und auch prägend. In Australien war es toll, in einem internationalen Umfeld zu arbeiten. Hier hatte ich verschiedene Stellen inne und konnte dadurch entsprechend viel lernen. Beispielsweise wie nachhaltige und langfristige Strategien entwickelt werden, Mergers und Acquisitions erfolgreich umgesetzt werden und ein Unternehmen auf den Börsengang vorbereitet wird. Bei Zalando habe ich meine Erfahrungen in agilem und schnellem Arbeiten ausgebaut und wie man Teams und Prozesse schnell und effektiv in einem Hyper-Growth-Umfeld skaliert. Bei Harry’s kann ich meine Erfahrungen aus den zwei Welten, von traditionellem Konzern und wachsendem Start-up, ideal einsetzen und verbinden. Das Unternehmen befindet sich im starken Wachstum, und wir sind dabei, Prozesse und Strukturen zu transformieren, um die Produktion für das weitere Wachstum optimal aufzustellen.

Gibt es auf Ihrem beruflichen Weg einen Mentor?

Ich hatte das Glück, während meiner Zeit in Australien Amber McDougall als Chefin zu haben. Sie gab mir viele wichtige Ratschläge und motivierte und förderte mich zugleich. Bis heute ist sie eine wichtige Bezugsperson in meinem Leben und meine Mentorin. Ich vertraue ihr ohne Wenn und Aber.

Gab es Irrwege oder Sackgassen, in die Sie geraten sind?
Natürlich hatte ich auch Irrwege. Ich glaube fest daran, dass jeder vermeintliche Irrweg sein Gutes hat und wichtig ist, denn so lernt man seine Stärken und Schwächen kennen und erkennt, was das Richtige für einen ist und was nicht. Eines meiner großen Learnings war, dass es wichtig ist, meine Entschlossenheit und meinen Tatendrang manchmal einzubremsen. Frei nach dem Motto: Weniger ist manchmal mehr.

Sie haben zusätzlich zu Psychologie-Studium und HR-Spezialisierung auch eine Coaching-Ausbildung absolviert. Wie hat diese Ihre Sicht- und Arbeitsweise verändert?

Durch die Coaching-Ausbildung habe ich zusätzliche Impulse und hilfreiche Tools zum Thema Organisationsentwicklung, Leadership und Mitarbeiterentwicklung bekommen, die mich inspiriert haben und in mein tägliches Handeln einfließen.
 
Angenommen, wir könnten die Zeit zurückdrehen: Wo wären Sie gern länger geblieben? Wo wären Sie gern früher gegangen?
Ich würde die Zeit nicht zurückdrehen wollen. Für mich hat alles gut gepasst, da ich mich immer bewusst entschieden habe, bei einer Sache zu bleiben oder den nächsten Schritt zu gehen und etwas Neues zu machen.

Welche Lücke hat Ihr Lebenslauf?

Ich könnte mir gut vorstellen, in Zukunft in Bereiche reinzugehen, die sich noch stärker mit der Strategieentwicklung und Business Operations befassen. Sollte ich später noch die Zeit finden, würde ich endlich meine Doktorarbeit schreiben. Aber wie mein Leben derzeit verläuft, wird das wohl erst im Ruhestand klappen.

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