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Privates Glück ist das neue Erfolgreich

Glücklich und zufrieden lächelndes Paar nebeneinander auf dem Sofa
Die Deutschen empfinden sich heute eher als erfolgreich, wenn das persönliche Glück stimmt als wenn sie Karriere machen.
Foto: © Antonioguillem/Fotolia.de

Als erfolgreicher Mensch galt bisher vor allem jemand, der beruflich Karriere gemacht hat und viel Geld besitzt à la “mein Haus, mein Auto, mein Boot”. Das hat sich offenbar geändert, jedenfalls in den Augen der Deutschen. Sie definieren Erfolg heute anders, individueller. Dabei steht das private Glück im Vordergrund.

Die Deutschen wollen sich die Bedeutung des Wortes “Erfolg” nicht mehr vorgeben lassen. Zwei Drittel der Bundesbürger (66 Prozent) sind der Ansicht, dass Erfolg für jeden Menschen unterschiedliche Bedeutungen hat. Rund jeder Zweite (49 Prozent) sagt, Erfolg bestehe aus vielen kurz- und langfristigen Errungenschaften. Mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) vertritt klar die Ansicht, die traditionelle Wahrnehmung von Erfolg sei inzwischen überholt. Vielleicht ist das ja auch ein kleiner Protest gegen die klassische Definition von Erfolg, der nicht jedem Menschen vergönnt ist, und den bestehenden Erfolgsdruck, denn 30 Prozent hätten es lieber, wenn Erfolg von der Gesellschaft nicht so stark gewichtet würde und 20 Prozent wünschen sich, dass Erfolg einfacher zu erreichen wäre.

Glücklichsein und Gesundheit weit vor Karriere und Geld

Doch wie definieren die Menschen hierzulande denn nun Erfolg? Obwohl viele der Ansicht sind, dass der Begriff für jeden eine individuelle Bedeutung hat, gibt es doch Gemeinsamkeiten: Für die meisten (72 Prozent) bedeutet Erfolg schlicht und einfach, glücklich zu sein. Direkt dahinter folgt mit 71 Prozent die Gesundheit. Auf Platz drei steht ebenfalls ein Aspekt, der das Privatleben betrifft: Fast jeder zweite Deutsche (49 Prozent) definiert Erfolg so, Familie und Freunde zu haben. 44 Prozent sehen es als erfolgreich an, reisen zu können und für 41 Prozent ist Zeit für Hobbies ein Hinweis auf Erfolg. Rund jedem Dritten (30 Prozent) ist es wichtig, in einer Beziehung zu sein, bei den Männern (33 Prozent) sind es sogar mehr als bei den Frauen (27 Prozent). Berufliche Erfolge kommen erst danach und spielen damit für deutsche Arbeitnehmer eine eher untergeordnete Rolle: Nur etwas mehr als jeder Vierte (27 Prozent) sieht berufliche Errungenschaften als Erfolg an. Finanzielle Aspekte wie eine Gehaltserhöhung (16 Prozent) oder ein sechsstelliges Gehalt (zwölf Prozent) werden sogar als noch weniger wichtig bewertet. Das ergab eine repräsentative Studie im Auftrag von > LinkedIn. Dafür wurden im Oktober 1000 Arbeitnehmer und 1067 Arbeitnehmerinnen in Deutschland befragt.

Der Beruf macht dennoch den Weg frei für Erfolg

Auch wenn das private Glück für den Erfolg im Vordergrund steht, spielt der Beruf nach Ansicht der Befragten doch eine wichtige Rolle. Für 58 Prozent ist die Ausbildung der wichtigste Faktor, der großen oder sehr großen Einfluss auf den Erfolg hat. 38 Prozent geben die gewählte berufliche Laufbahn an, ebenso viele den Wohnort. Berufliche Veränderungen spielen auch eine Rolle, um persönliche Erfolgsziele zu erreichen. So würde jeder Dritte (34 Prozent) einen besser bezahlten Job annehmen, um im Privatleben mehr Freiheiten zu haben und jeder Fünfte (20 Prozent) würde dafür Überstunden in Kauf nehmen. Dagegen würden nur sechs Prozent für den Job Zeit mit ihrer Familie opfern und nur sieben Prozent für Freunde. In einen schlechter bezahlten Job würden allerdings auch nur acht Prozent wechseln wollen, um den von ihnen definierten Erfolg zu erzielen.

Wunsch für 2017: mehr Freiheiten und Zeit

Gefragt danach, was Erfolg in zehn Jahren für sie bedeutet, gaben 17 Prozent an, dass sie dann ihren Ruhestand aktiv gestalten möchten. 13 Prozent sagten, dass sie weniger arbeiten wollen, um mehr Zeit für Familie und Freunde zu haben. Zwölf Prozent würden sich als erfolgreich ansehen, wenn sie durch die Welt reisen können. Für immerhin rund jeden Elften (neun Prozent) wäre es ein Erfolg, wenn er in zehn Jahren einen besser bezahlten Job hätte. Doch lediglich zwei Prozent sähen es als Erfolg an, dann eine höhe Position zu bekleiden. Zwölf Prozent sind mit ihrem Leben so zufrieden, dass sie kein Ziel verfolgen, das sie bis 2027 erreichen möchten.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.