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Berufsleben ist oftmals Auslöser für psychische Erkrankungen

Rund 28 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland sind jährlich von psychischen Erkrankungen betroffen. (Foto: Marco2811_Adobe Stock)
Rund 28 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland sind jährlich von psychischen Erkrankungen betroffen. (Foto: Marco2811_Adobe Stock)

Jährlich leiden rund 28 Prozent der Erwachsenen in Deutschland an psychischen Erkrankungen. Die Probleme werden dabei vor allem durch Stress und Hektik im Alltag sowie dem Berufsleben hervorgerufen oder begünstigt. Das geht aus einer Metaanalyse von Zava, einem Anbieter für telemedizinische Leistungen, hervor, für die zahlreiche Analysen der vergangenen Jahre zusammengefasst wurden – darunter Studien der DAK und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).

Demnach haben Fehlzeiten auf der Arbeit wegen psychiatrischer Diagnosen kontinuierlich zugenommen. Laut einem DAK-Report aus dem vergangenen Jahr sind besonders ältere Mitarbeitende und Frauen von psychischen Problemen betroffen. So wiesen Mitarbeiterinnen 2021 328 Fehltage pro 100 Versicherte auf, während es bei den Mitarbeitern 203 Fehltage waren. Dabei sind laut einer DGPPN-Studie die häufigsten Erkrankungen Angststörungen, Alkoholsucht, Depressionen und Zwangsstörungen.

Berufliche Situation spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit

Laut Erkenntnissen von Zava werden diese psychischen Probleme vor allem durch Stress und Hektik im Alltag ausgelöst (37 Prozent). Stark beeinflusst werden mentale Erkrankungen zudem durch die Arbeit und das Berufsleben (31 Prozent), den hohen Ansprüchen der Betroffenen an sich selbst (31 Prozent), Konflikten mit Freunden und Familie und gesundheitlichen Problemen (jeweils 25 Prozent). Die psychische Gesundheit wird auch negativ durch eine mögliche Angst vor einem Jobverlust oder finanziellen Sorgen beeinflusst (21 Prozent), sowie durch einen Mangel an Vereinbarkeit von Beruf und Familie und den Zwang, dauerhaft erreichbar zu sein (jeweils 15 Prozent).

Problematisch ist laut den Experten von Zava, dass nur 19 Prozent der von psychischen Erkrankungen Betroffenen Hilfe bei Spezialistinnen und Spezialisten suchen und Kontakt zu diesen aufnehmen. Ihrer Meinung nach sei dies zum einen der Stigmatisierung in der Gesellschaft zuzuschreiben, aber auch der Unterversorgung an psychiatrischen Beratungen in der Bundesrepublik.

Online-Hilfsangebote

Betroffene würden sich daher meist vor allem online selbst Hilfe suchen, was die Experten an der Suchhäufigkeit bestimmter Begriffe festmachen. Am häufigsten werde dabei nach dem Wort “Depressionen” gesucht (monatlich durchschnittlich rund 600.000 Mal im Zeitraum von August 2019 bis August 2021). Die Zahl der Suchanfragen nach dem Krankheitsbild Depressionen sei innerhalb der vergangenen vier Jahre zudem um knapp 300.000 gestiegen. Auch zahlreich wurden die Begriffe “Angststörungen” (rund 370.000 Mal per Monat), sowie “Burnout” und “Stress” (zusammen gut 327.000 Mal monatlich) gesucht.

Dass Online-Angebote nötig sind, aber auch immer mehr angenommen werden, zeige sich auch daran, dass derzeit rund 20.000 Mental Health Apps weltweit auf dem Markt sind. Zudem gebe es zahlreiche Foren, Online-Beratungsangebote und Chatapplikationen, die zum Austausch, zur Information und zur Behandlung von psychischen Problemen dienen könnten. Allerdings seien sie kein Ersatz für Diagnosen vor Ort: “Das Internet stellt eine sehr gute und wichtige Informationsquelle dar. Sowohl zum Austausch, als auch um sich zu informieren oder um den ersten Schritt in Richtung Behandlung gehen zu können”, sagt Ulrike Thiemen, Ärztin und stellvertretende ärztliche Leitung bei Zava. “Allerdings gilt es, hier unbedingt zu beachten, dass eine reine Online-Recherche den Gang zum Arzt oder zur Ärztin keineswegs ersetzt. Auch von vorschnellen Selbstdiagnosen ist unbedingt abzusehen.” 

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.