Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Stepstone: Corona-Krise lässt Menschen beruflich zweifeln

Nachdenklich im Homeoffice
In der Corona-Krise stellen viele Menschen ihre Jobsicherheit infrage, andere suchen nach mehr Sinn im Beruf. Foto: © Jacob Lund-stock.adobe.com

Seit mehr als einem Jahr sind viele Mitarbeiter von Lockdowns, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit aufgrund von Firmenschließungen betroffen oder arbeiten im Homeoffice. Die Krise bringt viel Unsicherheit mit sich. Und Menschen, die noch eine Arbeit haben, überlegen jetzt, ob sie in ihrem Job noch richtig sind, wie eine Befragung der Jobplattform Stepstone zeigt.

Jeder Vierte will den Job wechseln

Im letzten September und Oktober hat Stepstone rund 28.000 Beschäftigte in Deutschland repräsentativ befragt. Die Ergebnisse geben auch Aufschluss darüber, wie sich die Corona-Krise auf die Einstellungen und Erwartungen der Arbeitnehmer auswirkt. Danach plant ein Viertel der Studienteilnehmer, demnächst den Job zu wechseln. Und fast drei von zehn Befragten (28 Prozent) haben ihre Bemühungen um eine neue Stelle wegen >Corona verstärkt. Dafür, dass Menschen ihre aktuelle Arbeitsstelle auf den Prüfstand stellen, gibt es verschiedene Gründe.

Unsicherheit erhöht Bereitschaft zu Umschulung und Neigung zum öffentlichen Dienst

Vor allem Berufstätige, die in den derzeit besonders von der Krise betroffenen Branchen arbeiten wie beispielsweise Touristik, Freizeit und Kultur, machen sich Gedanken über ihre Zukunft. Immerhin jeder zehnte dort Beschäftigte hat sich dazu entschlossen, den Beruf zu wechseln und eine Umschulung zu machen. Aber auch branchenübergreifend sagen 13 Prozent, dass ihr aktueller Job nicht ihrem Sicherheitsbedürfnis gerecht wird. Die Deutschen zieht es vermehrt zu als krisenfest geltenden Arbeitgebern. Das geht aus einer neuen Auswertung der Bewerbungen über Stepstone hervor: In den letzten zwölf Monaten hat das Interesse an Stellen im öffentlichen Dienst gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent zugenommen. Die Suche nach dem Begriff Verwaltung ist um fast ein Drittel (31 Prozent) gestiegen. Nach Verwaltungsfachangestellten suchten die Interessenten um 14 Prozent mehr. Im ersten Quartal dieses Jahres tauchte außerdem erstmals die Nachfrage nach Quereinsteiger-Jobs im Öffentlichen Dienst in den 20 häufigsten Suchbegriffe auf.

Angst, nicht gut genug für die Zukunft gerüstet zu sein

Andere Beschäftigte stellen infrage, ob sie beruflich für die Zukunft noch gut aufgestellt sind. Die Krise hat die Digitalisierung im letzten Jahr rasant vorangetrieben, vor allem wegen der zunehmenden Tätigkeit im >Homeoffice, die das Arbeiten mit digitalen Tools erforderlich machte. Fast jeder dritte Befragte (30 Prozent) glaubt nicht, bis zur Rente im gelernten Beruf zu arbeiten. Ein Fünftel (21 Prozent) geht davon aus, den Beruf nur mit laufender Weiterbildung solange beibehalten zu können.

Enttäuschung über Verhalten der Führungskräfte in schwierigen Zeiten

Aber nicht nur Unsicherheit und geschrumpftes Vertrauen in die eigenen Kompetenzen bewegen die Menschen dazu, darüber nachzudenken, ob sie bei ihrem Unternehmen noch am richtigen Platz sind. Auch das Verhalten des Arbeitgebers und der >Führungskräfte in der Krisensituation beeinflusst die Entscheidungen für die Zukunft. Jeder Fünfte (21 Prozent) der Arbeitnehmer, die sich jetzt beruflich verändern wollen, ist enttäuscht darüber, wie Vorgesetzte und Management auf Betreuungsprobleme und gesundheitliche Sorgen reagiert haben und will sich deshalb eine neue Stelle suchen.

Krise fördert den Wunsch nach mehr Sinnhaftigkeit der Arbeit

Insgesamt denken ganze sechs von zehn Befragten, sie in fünf Jahren nicht mehr bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber beschäftigt sein werden. Dafür spielen aber nicht nur die obengenannten Faktoren eine Rolle. Die gravierenden Änderungen seit gut einem Jahr, die sich auf das gesamte Leben auswirken, lassen Menschen auch mit anderen Augen auf ihren Job blicken. Einer der am häufigsten genannten Gründe für die Überzeugung, in fünf Jahren nicht mehr im aktuellen Job zu arbeiten, ist, dass die Menschen ihre Tätigkeit nicht mehr als sinnhaft empfinden.

Vielen Menschen ist bewusst geworden, dass sie im falschen Job stecken. Sie wünschen sich eine Stelle, die besser zu ihnen und ihren Lebensumständen passt,

sagt Inga Rottländer, Karriereexpertin bei Stepstone. Beim richtigen Job gehe es um viel mehr als nur um ein bestimmtes Aufgabenfeld und eine entsprechende Qualifikation, so Rottländer.

Auch wenn sich die Krise insgesamt negativ auf Beschäftigung und Alltagsleben der Menschen auswirkt, so ist es doch als positive Entwicklung zu werten, dass sich nun viele Arbeitnehmer näher mir ihren wirklichen Job-Bedürfnissen und vielleicht auch >Begabungen auseindersetzen. Inwieweit sie hinsichtlich ihrer neuen Ziele auf dem Arbeitsmarkt Erfolg haben, wird die Zukunft zeigen.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.