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Deutsche vergleichsweise selten zu Umschulung bereit

Eine Brille und ein Textmarker liegen auf einem aufgeschlagenen Buch
Lernen, um im Job voranzukommen – das ist unter deutschen Arbeitgebern im globalen Vergleich nicht sonderlich verbreitet. Foto: Hans Braxmeier/Pixabay

Weltweit sind 67 Prozent der Arbeitnehmer bereit, sich unabhängig von konkreten Erfordernissen die Fähigkeiten für einen neuen Job anzueignen. Falls ein “Reskill” dringend notwendig werden sollte, würden sich zusätzliche 29 Prozent darauf einlassen. Nur drei Prozent der weltweit 366.000 Befragten würde solche Umschulungsmaßnahmen unter keinen Umständen ergreifen.

In Deutschland sind nur 53 Prozent der Arbeitnehmer freiwillig zu Umschulungen bereit. Das ist zwar über die Hälfe der rund 17.000 Befragten hierzulande. Im weltweiten Vergleich rangiert die Bundesrepublik damit aber in den unteren zehn Prozent der Staaten. Noch weniger Reskill-Bereitschaft gibt es in Lettland, Bulgarien und dem Iran.

Allerdings sind die Arbeitnehmer in Deutschland nicht in allen Branchen gleich zögerlich. Besonders häufig zu Umschulungen bereit sind sie im Dienstleistungssektor (62 Prozent), besonders selten im Gesundheitswesen (45 Prozent).

Umschulungen können Fachkräftemangel lindern

Die Studienmacher sehen in Umschulungen eine Chance, eigene Mitarbeiter zielgerichtet weiterzubilden, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken: “Der Bedarf an Fachkräften kann nicht allein durch die Rekrutierung von Spezialisten gedeckt werden. Veränderungsprozesse werden nur gelingen, wenn Mitarbeiter bereit sind, Neues zu lernen und von Unternehmen darin aktiv unterstützt werden”, sagt Sebastian Dettmers, Geschäftsführer der Online-Jobplattform Stepstone, die an der Studie mitgewirkt hat. Deutsche Arbeitgeber haben hier also noch großes ungenutzes Potenzial.

Deutsche investieren wenig Zeit in Weiterbildung

Aktuell sind die Deutschen allerdings im globalen Vergleich noch nicht sonderlich engagiert. Nur 38 Prozent der Befragten in Deutschland verbringen wenigstens einige Wochen im Jahr mit Lernen – im weltweiten Durchschnitt sind es 65 Prozent. Dabei sei lebenslanges Lernen für jeden Mitarbeiter, egal ob 20 oder 60 Jahre alt, zwingend notwendig, sagt Rainer Strack, Senior Partner bei der Unternehmensberatung BCG, die die Studie gemeinsam mit Stepstone durchgeführt hat.

Verwunderlich dabei ist, dass den deutschen Arbeitnehmern durchaus bewusst ist, dass sich die Arbeitswelt rasant verändert und das Erlernen neuer Fähigkeiten immer wichtiger wird. Während weltweit im Schnitt 49 Prozent aller Befragten durch die neuen
Technologien große Veränderungen für ihren Job prognostizieren, sind es
in Deutschland sogar 55 Prozent.


Die kompletten Ergebnisse der Studie "Decoding Global Trends in Upskilling and Reskilling" sind › hier abrufbar.