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Wann sich die Umstellung auf agil lohnt

Eine Grafik um einen Block mit der Aufschrift
Agile Organisation: Vor allem kreative und innovative Abteilungen profitieren von einer Umstellung. Bild: ©nanuvision/AdobeStock

“Wenn ein Unternehmen stark von sich wandelnden Geschäftsmodellen betroffen ist, bietet sich die agile Organisation an”, sagt Joachim Heidelbacher, einer der Autoren der Studie, die das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) › hier kostenlos zum Download anbietet. Das betrifft vor allem Branchen, die sich besonders tiefgreifend transformieren müssen. So etwa die Autobranche, die in absehbarer Zukunft ihr Geschäftsfeld Autos mit Verbrennungsmotoren verlieren könnte.

Auch Mittelständlern empfiehlt das Forscherteam, sicht mit agiler Organisation auseinanderzusetzen. KMUs könnten kein so differenziertes Produktportfolio aufbauen wie Großunternehmen und Konzerne und seien daher noch stärker darauf angewiesen, sich an veränderte Kundenstrukturen und -anforderungen anzupassen. 

Chef oder Chefin als gleichgestelltes Teammitglied

Innerhalb der Unternehmen sind vor allem Abteilungen für eine Umstellung auf agile Organisation prädestiniert, die kreative und innovative Ideen, Kampagnen oder Produkte entwickeln sollen, etwa die Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die Produktentwicklung oder das Marketing.

In agilen Organisationen werden Entscheidungen von gleichberechtigten Mitarbeitern in Teams mit wechselnder Besetzung. Die Teams setzen sie eigenverantwortlich um – der Chef oder die Chefin hat dabei nicht mehr zu sagen als die anderen Teammitglieder.

Für den Umstellungsprozess genügend Zeit einplanen

Möchten Unternehmen die agile Organisation einführen, gilt es laut den Studienmacherm, transparent und geduldig vorzugehen. “Es muss klar kommuniziert werden, welche Ziele mit der Umstellung verfolgt werden”, lassen sich die Forschenden zitieren. Dabei sei es auch wichtig, die Mitarbeitenden von Anfang an in den Prozess einzubinden und sie auch mitbestimmen zu lassen, was Fragen zur Umstellung angeht. Damit die Einführung agiler Arbeitsweisen gelingt, müssen Führungskräfte und Mitarbeitende nämlich die richtige innere Einstellung haben und bereit sein, ihre Kompetenzen anzupassen. “Für die Führungskräfte bedeutet die Umstellung, dass sie ihre Entscheidungsbefugnisse teilweise verlieren und für Mitarbeiter, dass sie selbst mehr Verantwortung als bisher tragen”, sagt Studien-Mitautor Malte Volkwein.

Um sicherzustellen, dass alle Mitarbeitenden motiviert für agiles Arbeiten sind, raten Forschenden, den Umstellungsprozess über mehrere Monate, eventuell sogar über bis zu ein Jahr zu ziehen. Die Idee: Alle haben genügend Zeit, sich Stück für Stück an die Idee der neuen Arbeitsorganisation zu gewöhnen. Mitarbeitende, die damit nicht zurechtkommen, können die betreffende Abteilung dann gegebenenfalls verlassen. Insgesamt sollten Unternehmen nichts überstürzen: Um Erfahrungen zu sammeln, können erstmal einzelne Abteilungen oder Unternehmensbereiche das agile Arbeiten einführen und ausprobieren, bevor das Konzept großflächig ausgerollt wird.

Agil nicht für alle Unternehmensbereiche geeignet

Firmen sollten sich gut überlegen, wo sie auf agile Organisation umstellen. So gut das Konzept in der Ideenentwicklung funktioniert, so hinderlich kann es in Unternehmensbereichen sein, die stabile und effiziente Prozesse brauchen. Als Beispiele hierfür nennen die Studienmacher Einkauf, Buchhaltung oder Produktion. “In diesen Bereichen bietet sich die hierarchische Organisation an”, sagt IPA-Forscher Heidelbach.

Doch bringt eine Umstellung auf agil etwas? “Die Mitarbeiter, die die Umstellung mittragen, werden umso fester an das Unternehmen gebunden. Sie werden ihre neuen Freiheiten genießen und zufriedener sein als vor der Umstellung”, sagt Heidelbach. Vielleicht auch deshalb bringen agil organisierte Unternehmen neue Produkte schneller auf den Markt und sind innovationsfreudiger als ihre hierarchisch strukturierten Wettbewerber.