Gerade bei höher qualifiziertem Personal ist das Ringen um die besten Köpfe derzeit groß. Viele Unternehmen versuchen, bei potenziellen Mitarbeitenden mit zusätzlichen Benefits zu punkten. Monetäre Zusatzleistungen – wie eine bezahlte Elternzeit, die über das gesetzliche Angebot hinausgeht – spielen dabei natürlich eine wichtige Rolle. Im Folgenden ein Überblick über die Angebote verschiedener Unternehmen sowie ihre Gründe, frischgebackene Eltern finanziell zu unterstützen. Soviel sei gesagt: Die Begründungen sind bisweilen blumig.
Microsoft
Das Programm: Der Vaterschafts- und Adoptivelternurlaub von Microsoft umfasst insgesamt sechs Wochen bei voller Bezahlung und wird allen Vätern oder Adoptiveltern gewährt, die ein unter 16 Jahre altes Kind adoptiert haben. Zusätzlich unterstützt Microsoft die frischgebackenen Eltern mit einer Geburtsprämie.
Die Intention: „Mitarbeiter sollen die nötige Zeit haben, sich um genau die Menschen zu kümmern, die ihnen im Leben am wichtigsten sind“, erklärt der Software-Riese. Um der Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinbaren, besser gerecht zu werden, bietet Microsoft seit dem 26. Januar weltweit sogenannte Family Leave Benefits, in denen auch der Vaterschafts- und Adoptivelternurlaub enthalten ist.
Cisco Systems
Das Programm: Die Person, die sich hauptsächlich ums Kind kümmert, bekommt insgesamt 13 Wochen lang das normale Entgelt. Für die unterstützende Person sind es vier Wochen voll bezahlter Sonderurlaub.
Die Intention: Cisco Systems will mit seinem Elternzeit-Programm dem Fachkräftemangel entgegenwirken, aber auch Mitarbeiter halten. „Gerade beim ersten Kind brauche ich mehr Flexibilität. Acht Wochen Mutterschutz nach der Geburt sind schnell vorüber“, sagt Personalchefin Katrin Hartmann.
Barilla
Das Programm: Seit dem dem 1. Januar 2024 ermöglicht Barilla, unter anderem bekannt durch die Marken Barilla, Wasa und Mulino Bianco, seinen Mitarbeitenden eine bezahlte Freistellung von mindestens zwölf Wochen. Die neue globale Regelung greift unabhängig davon, in welchem Land die Mitarbeitenden ansässig sind, welches Geschlecht sie haben oder welches Familienmodell sie leben. In einem Zeitraum von zwölf Wochen erhalten alle weiterhin ihr volles Gehalt und alle Leistungen. Die Vorteile für Eltern variieren je nach Wohnort und werden mit den jeweiligen gesetzlichen Vorschriften verrechnet.
Die Intention: Die Barilla-Gruppe möchte für Eltern einen verbesserten Rahmen für das „Abenteuer Familie“ schaffen. „Wir als Unternehmen werden so noch inklusiver und familienfreundlicher“, sagt Floriana Notarangelo, Chief Diversity & Inclusion Officer der Barilla-Gruppe.
Hewlett Packard
Das Programm: Das IT-Unternehmen bietet seinen Angestellten eine sechsmonatige Elternzeit bei voller Weiterbezahlung. Das Angebot können Mütter und Väter bei Geburt oder Adoption eines Kindes in Anspruch nehmen und gilt auch für gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Nehmen Mitarbeitende das Angebot in Anspruch, erhalten sie in den ersten sechs Elternzeitmonaten ausschließlich Geld von HPE. Staatliche Leistungen entfallen für diesen Zeitraum, können aber anschließend im Fall einer längeren Elternzeit bezogen werden.
Die Intention: Die Initiative soll ein Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben, heißt es seitens Hewlett Packard Enterprise (HPE). Man wolle die Mitarbeitenden für die Arbeit im Unternehmen motivieren, „indem wir ihnen helfen, ihre Karriere mit ihrem Familienleben in Einklang zu bringen“, so Ernst Reichart, Personal-Geschäftsführer fürs Deutschland.
Bitpanda
Das Programm: Seit dem 1. April 2022 gibt es bei dem österreichischen Scaleup Bitpanda eine Elternzeit, die Müttern und Väter 20 Wochen bezahlten Urlaub ermöglicht. Der Sonderurlaub steht allen Familienformen offen und sowohl Vätern als auch Müttern zur Verfügung. Pro Jahr sind zudem zwei „Recharge Breaks“ geplant, zu dem das gesamte Team Auszeiten haben soll – einzelne Mitarbeitende, die in systemkritischen Positionen „die Stellung halten“ müssen, bekommen Zeitausgleich.
Die Intention: Auch Bitpanda muss sich dem Fachkräftemangel stellen und will im Kampf um die besten Köpfe bestehen. Das Programm, das Teil eines umfassenden Benefits-Paketes ist, soll das Unternehmen als Arbeitgeber noch attraktiver zu machen.
Nestlé
Das Programm: Egal ob Geburt oder Adoption, Vater oder Mutter: Der Konzern bietet seinen Mitarbeitenden eine bis zu 18-wöchige, bezahlte Freistellung. Dabei wird das volle Gehalt ausgezahlt. Die so genannte Nestzeit wird auf freiwilliger Basis angeboten, wie Nestlé betont.
Die Intention: Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern will seinen Mitarbeitenden ermöglichen, gerade die Anfangszeit der Elternschaft „unbeschwert zu gestalten und in vollen Zügen zu genießen.“ Losgelöst vom Arbeitsalltag sollen sich Mütter und Väter voll und ganz ihrer neuen Lebensaufgabe widmen, heißt es. Zusätzlich möchte man zur Gleichberechtigung beitragen.
Sven Frost betreut das Thema HR-Tech, zu dem unter anderem die Bereiche Digitalisierung, HR-Software, Zeit und Zutritt, SAP und Outsourcing gehören. Zudem schreibt er über Arbeitsrecht und Regulatorik und verantwortet die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.

